Vulkanismus auf La Palma: Die Insel, die nie aufhört zu wachsen

La Palma ist keine schlafende Insel. Sie ist aktiv – und das im wörtlichsten Sinne. Zusammen mit Teneriffa zählt sie zu den vulkanisch aktivsten Inseln der Kanaren und gehört zu den aktivsten Vulkanregionen der Makaronesischen Inselwelt. Seit der spanischen Besiedlung im 15. Jahrhundert kam es auf La Palma zu acht historisch dokumentierten Vulkanausbrüchen. Der jüngste – der Tajogaite im Jahr 2021 – war zugleich der längste und folgenreichste der Inselgeschichte.

Der Vulkan Tajogaite auf La Palma mit seinen Nebenkegeln und erstarrten Lavaflüssen.
Der Vulkan Tajogaite auf La Palma mit seinen Nebenkegeln und erstarrten Lavaflüssen.

Diese Aktivität ist kein Risiko für die meisten Besucher — Eruktionen sind vorhersagbar und werden seit Jahrzehnten durch ein dichtes Sensornetz überwacht. Sie ist aber ein Teil der Identität der Insel: La Palma wächst noch. Sie verändert sich. Und wer sie besucht, besucht einen Ort, der in der Weltzeit noch jung ist.

Historische Ausbrüche

Die Chronik der Vulkanausbrüche La Palmas beginnt 1470 und führt über 1585, 1646, 1677, 1712, 1949 und 1971 (Teneguía) bis zum Tajogaite 2021. Alle Ausbrüche fanden im Südteil der Insel statt, entlang der Cumbre Vieja. Die Lavaströme zogen in der Regel nach Westen zur Küste und schufen neues Land. Der Ausbruch des Teneguía im Jahr 1971 forderte ein Todesopfer, als ein Besucher am Kraterrand giftige vulkanische Gase einatmete. Dank frühzeitiger Evakuierungen blieb der Ausbruch ansonsten glimpflich. Der Tajogaite-Ausbruch von 2021 zerstörte dagegen mehr als 3.000 Gebäude und gilt als der längste und folgenreichste Vulkanausbruch in der neueren Geschichte La Palmas.

Lavafelder um den Krater des Teneguía
Lavafelder um den Krater des Teneguía

Der Tajogaite 2021

Am 19. September 2021 begann der Tajogaite-Ausbruch am Westhang der Cumbre Vieja. 85 Tage lang strömte Lava über die Aridane-Ebene, begrub über 1.200 Hektar, zerstörte mehr als 3.000 Gebäude und schuf am Meer zwei neue Halbinseln, die die Inselfläche um rund 50 Hektar vergrößerten. Über 7.000 Menschen wurden evakuiert. Der Ausbruch endete am 13. Dezember 2021 mit dem offiziellen Ende der seismischen Aktivität.

Neubau der Straße durch das Lavafeld des Vulkans Tajogaite.
Neubau der Straße durch das Lavafeld des Vulkans Tajogaite.

Ein CO₂-Ampelsystem überwacht die Luftqualität in Puerto Naos und Umgebung. Die Gemeinden El Paso und Los Llanos arbeiten am Wiederaufbau. Heute erinnert die junge Vulkanlandschaft an die gewaltigen Naturkräfte, die La Palma bis heute formen. Der Tajogaite ist der jüngste Vulkankegel der Kanarischen Inseln und zählt bereits zu den bedeutendsten geologischen Sehenswürdigkeiten der Insel.

La Palma morgen: Wann kommt der nächste Ausbruch?

Die Frage, wann die nächste Eruption auf La Palma stattfinden wird, lässt sich nicht beantworten. Historisch gesehen liegt der Abstand zwischen Ausbrüchen zwischen 25 und 50 Jahren. Das bedeutet nicht, dass eine Eruption unmittelbar bevorsteht. Das dichte Messnetz des Instituto Geográfico Nacional (IGN) überwacht die Insel rund um die Uhr. Erdbeben, Bodenhebungen und Veränderungen der Gaszusammensetzung würden einen neuen Ausbruch in der Regel Tage bis Wochen oder sogar Monate im Voraus ankündigen.

Fazit:

La Palma ist eine Insel im ständigen Wandel. Der Vulkanismus gehört nicht nur zu ihrer Vergangenheit, sondern prägt ihre Gegenwart und Zukunft. Wer die jungen Lavafelder, Vulkankegel und erstarrten Lavaströme erlebt, erkennt, wie dynamisch die Landschaft bis heute entstanden ist. Wer das versteht, sieht jede Landschaft der Insel mit anderen Augen.

Häufige Fragen

Ist La Palma gefährlich wegen Vulkanen?

Nicht im Sinne eines dauerhaft erhöhten Reiserisikos. Die Vulkanaktivität wird rund um die Uhr überwacht und moderne Messsysteme ermöglichen frühzeitige Warnungen. Bei erhöhter Aktivität werden betroffene Gebiete rechtzeitig gesperrt oder evakuiert.

Was ist der Tajogaite?

Der Tajogaite ist der Vulkan, der vom 19. September bis zum 13. Dezember 2021 an der Cumbre Vieja ausbrach. Der Name wurde 2022 nach einem öffentlichen Beteiligungsverfahren vergeben. Er stammt aus der Sprache der Benahoaritas, den Ureinwohnern La Palmas, und geht auf die historische Ortsbezeichnung der Region zurück. Häufig wird der Name sinngemäß mit „gespaltener Berg“ in Verbindung gebracht.

Wie wird La Palma auf Vulkanaktivität überwacht?

Das Instituto Geográfico Nacional (IGN) überwacht die Insel mit einem dichten Netz aus Seismometern, GPS-Stationen, Satellitenmessungen und Gasanalysen. Die wichtigsten Messdaten werden kontinuierlich ausgewertet und teilweise öffentlich bereitgestellt.

Warum brechen die Vulkane auf La Palma fast immer an der Cumbre Vieja aus?

Die Cumbre Vieja bildet den jüngsten und geologisch aktivsten Vulkanrücken der Insel. Entlang ihrer zahlreichen Spalten und Förderschlote steigt Magma aus dem Erdinneren auf und verursacht die historisch dokumentierten Vulkanausbrüche La Palmas.

Entsteht durch Vulkanausbrüche neues Land?

Ja. Fließt Lava bis ins Meer, erkaltet sie dort und bildet neue Landflächen, sogenannte Lavadeltas. Beim Ausbruch des Tajogaite im Jahr 2021 entstanden an der Westküste zwei neue Lavadeltas, wodurch sich die Fläche La Palmas dauerhaft um rund 50 Hektar vergrößerte.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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