Geologie La Palmas: Die steilste Vulkaninsel der Welt
La Palma ist mit einem Alter von rund 2 Millionen Jahren die zweitjüngste der Kanarischen Inseln — nach El Hierro. Sie ist aber in einem anderen Superlativ ungeschlagen: La Palma ist die steilste Vulkaninsel der Welt. Mit einer Gesamthöhe von über 6.000 Metern vom Meeresboden bis zum Gipfelkamm, und einer Basisfläche von nur 708 Quadratkilometern, ergibt sich eine Steilheit, die kaum ein anderes Landgebiet der Erde erreicht. Stellenweise überwindet La Palma auf weniger als 10 Kilometern Luftlinie mehr als 2.400 Höhenmeter – vom Atlantik bis zum Roque de los Muchachos. Diese außergewöhnliche Reliefenergie macht die Insel zu einer der steilsten Vulkanlandschaften der Erde.

Entstehung: Vom Meeresboden zum Gebirgskamm
Die Entstehung La Palmas begann vor rund 3 bis 4 Millionen Jahren, als sich auf dem etwa 4.000 Meter tiefen Meeresboden wiederholt basaltische Lava über einem vulkanischen Hotspot ergoss. Schicht für Schicht wuchs der Unterwasservulkan empor, bis er vor rund 2 Millionen Jahren die Meeresoberfläche durchbrach und die heutige Insel entstand. Sichtbar ist lediglich die Spitze eines gewaltigen Vulkangebirges, dessen Gesamthöhe vom Meeresboden bis zum höchsten Gipfel mehr als 6.000 Meter beträgt.

Geologisch gliedert sich La Palma in zwei große Bereiche: den älteren Norden mit der Caldera de Taburiente und den jüngeren Süden mit der Cumbre Vieja. Entlang dieses aktiven Vulkanrückens ereigneten sich sämtliche historisch dokumentierten Ausbrüche (1470, 1585, 1646, 1677, 1712, 1949, 1971 und 2021).
Lavatypen auf La Palma
Auf La Palma lassen sich die wichtigsten basaltischen Lavatypen hervorragend beobachten. Pahoehoe-Lava (Stricklava) besitzt eine glatte, wellige Oberfläche und entsteht, wenn sehr heiße, dünnflüssige Lava ruhig ausfließt. Aa-Lava (Brockenlava) ist dagegen rau, scharfkantig und nur schwer begehbar. Sie bildet sich, wenn die Lava etwas kühler und zähflüssiger ist und die bereits erstarrte Oberfläche beim Weiterfließen in zahllose kantige Brocken zerbricht. Kissenlava (Pillow Lava) entsteht ausschließlich unter Wasser. Heiße Lava erstarrt beim Kontakt mit Meerwasser zunächst an ihrer Oberfläche, während sich im Inneren weitere Schmelze nachdrückt und die charakteristischen kissenförmigen Strukturen bildet. Im Barranco de las Angustias und an den Steilküsten von Garafía lassen sich solche submarinen Gesteine heute eindrucksvoll beobachten.

Lavaketten und der Tajogaite 2021
Die Insel wird von zahlreichen Lavaröhren durchzogen – natürlichen Tunneln, die entstehen, wenn die Oberfläche eines Lavastroms erstarrt, während im Inneren weiterhin flüssige Lava abfließt. Nach dem Entleeren bleiben oft kilometerlange Hohlräume zurück. Eine der bekanntesten und für Besucher zugänglichen Vulkanröhren ist die Cueva de las Palomas beim Besucherzentrum Caños de Fuego. Sie entstand beim Ausbruch des Vulkans San Juan im Jahr 1949 und kann im Rahmen einer geführten Besichtigung erkundet werden. Die beim Ausbruch des Tajogaite im Jahr 2021 neu entstandenen Lavaröhren sind dagegen bislang nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Fazit:
La Palmas Geologie ist ein Lehrbuch unter freiem Himmel – von submariner Kissenlava, die einst tief unter dem Atlantik entstand, bis zum jüngsten Vulkankegel der Kanaren, dem Tajogaite. Wer die geologischen Prozesse der Insel versteht, erkennt ihre Landschaft mit ganz anderen Augen.
Häufige Fragen
Wie alt ist La Palma?
Ist La Palma ein aktiver Vulkan?
Was ist Kissenlava und wo sieht man sie auf La Palma?
Warum gibt es auf La Palma so viele tiefe Schluchten (Barrancos)?
Kann man auf La Palma Vulkanhöhlen besichtigen?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


