Der Tajogaite: 85 Tage, die La Palma verändert haben
19. September 2021, 15:12 Uhr. Am Westhang der Cumbre Vieja, oberhalb der Aridane-Ebene, öffnet sich die Erde. Eine Eruptionsspalte reißt den Boden auf; Lava strömt zunächst zahm aus, dann mit zunehmender Wucht. Innerhalb weniger Stunden beginnen die Lavaströme, die Hänge hinunter in Richtung Los Llanos und El Paso zu fließen. Die Evakuierung beginnt.

Was dann folgte, waren 85 Tage — der längste Vulkanausbruch in der aufgezeichneten Geschichte La Palmas. Der Tajogaite, wie er später benannt wurde, änderte die Südwestküste der Insel dauerhaft. Und er änderte das Leben von Tausenden Menschen, die ihre Häuser, ihre Felder, ihre Nachbarschaften verloren.
Was während des Ausbruchs geschah
Die Lavaströme zogen sich westwärts über die Aridane-Ebene, durch El Paso, Los Llanos und Tazacorte bis ans Meer. Auf ihrem Weg begrub die Lava über 1.200 Hektar und zerstörte mehr als 3.000 Gebäude. Besonders hart getroffen wurden die Ortschaften Todoque, La Laguna, Las Manchas sowie Teile von El Paso. Ganze Wohngebiete verschwanden unter den Lavamassen, Straßen wurden unterbrochen und zahlreiche Bananenplantagen zerstört. Über 7.000 Menschen wurden evakuiert; zum Glück wurden keine Todesopfer durch den Ausbruch selbst verzeichnet.

Die Lava, die ins Meer floss, schuf zwei neue Halbinseln (Fajanas), die die Inselfläche La Palmas um rund 50 Hektar vergrößerten. Die Lavamassen am Meer waren bis zu 60 Meter hoch. Der Tajogaite hatte mehrere Nebenkegel und veränderte seine Aktivität immer wieder. Zeitweise floss die Lava ruhig talwärts, dann wieder kam es zu explosiven Phasen mit Lavafontänen von bis zu rund 100 Metern Höhe.

La Palma heute — der Wiederaufbau
Seit dem offiziellen Ende des Ausbruchs am 13. Dezember 2021 läuft der Wiederaufbau. Puerto Naos ist heute weitgehend wieder zugänglich, wird jedoch weiterhin durch ein CO₂-Mess- und Warnsystem überwacht. Neue Straßen verbinden die zuvor abgeschnittenen Ortsteile, und zahlreiche Wohnhäuser sowie landwirtschaftliche Flächen werden schrittweise wiederhergestellt. Das Lavafeld, der Vulkankegel und die neuen Fajanas können im Rahmen ausgewählter Aussichtspunkte und geführter Touren erlebt werden. Das Besucherzentrum Caños de Fuego informiert über den Vulkanismus La Palmas und bietet geführte Besichtigungen der historischen Lavaröhre Cueva de las Palomas, die beim Ausbruch des Vulkans San Juan im Jahr 1949 entstand. Die beim Tajogaite-Ausbruch entstandenen Lavaröhren sind dagegen derzeit nicht für Besucher zugänglich.

Der Tajogaite ist heute Touristenattraktion und Traumazeugnis zugleich. Für viele Palmeros, die ihre Häuser verloren haben, ist er beides: ein Ort der Zerstörung und ein Zeichen für die Kraft der Insel, immer wieder neu anzufangen.
Hinweis
Besuch des Lavafelds: Teile des Lavafeldes sowie einzelne Bereiche rund um Puerto Naos und La Bombilla unterliegen weiterhin Zugangsbeschränkungen oder besonderen Sicherheitsauflagen. Ursache sind natürliche CO₂-Austritte aus dem Untergrund. Vor einem Besuch sollten die aktuellen Hinweise der Behörden und die örtliche Beschilderung beachtet werden.
Fazit
Der Tajogaite hat La Palma verändert — aber nicht gebrochen. Die Insel baut auf, wächst und zieht weiter Besucher an, die verstehen wollen, was hier passiert ist. Das Lavafeld ist heute eines der eindringlichsten Naturschauspiele der Kanaren.
Häufige Fragen
Wann begann und endete der Tajogaite-Ausbruch?
Wie viele Menschen wurden evakuiert?
Kann man das Lavafeld heute besuchen?
Warum heißt der Vulkan Tajogaite?
Wie groß ist das neue Lavafeld?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


