Die Eroberung La Palmas 1493: Das Ende von Benahoare
La Palma galt unter den europäischen Seemächten des 15. Jahrhunderts lange Zeit als eine der schwersten zu erobernden Kanareninseln. Die Insel, die ihre Ureinwohner Benahoare nannten, bot mit tiefen Schluchten, steilen Berghängen und schwer zugänglichen Höhlensystemen ideale natürliche Verteidigungsanlagen. Wer La Palma beherrschen wollte, musste nicht nur gegen Menschen kämpfen, sondern auch gegen die Landschaft selbst.

Bereits 1447 unternahm der kastilische Graf Hernán Peraza einen ersten Eroberungsversuch. Seine rund 500 Mann starke Truppe wurde jedoch von den wehrhaften Benahoaritas zurückgeschlagen und erlitt schwere Verluste. Die Ureinwohner kannten jeden Pfad, jede Schlucht und jede versteckte Höhle ihrer Heimat – ein entscheidender Vorteil gegenüber den fremden Eroberern.
Erst Jahrzehnte später begann der endgültige Feldzug der spanischen Krone. Am 29. September 1492, dem Tag des Erzengels Michael, landete der kastilische General Alonso Fernández de Lugo mit etwa 900 Soldaten an der Küste des heutigen Tazacorte. Die Insel erhielt daraufhin den Beinamen San Miguel de La Palma. Die Eroberung dauerte knapp acht Monate und endete im Mai 1493 mit der Niederlage des letzten Widerstands.
Taktik, Bündnisse und der Weg zur Unterwerfung
Die schnelle Eroberung La Palmas war nicht allein eine militärische Leistung. Fernández de Lugo nutzte vor allem die politische Teilung der Insel. Die Benahoaritas lebten in mehreren unabhängigen Stammesgebieten, die jeweils eigene Herrscher besaßen. Während einige Fürsten bereit waren, Bündnisse mit den Spaniern einzugehen und den christlichen Glauben anzunehmen, entschloss sich der Herrscher von Aceró zum Widerstand. Diese Spaltung innerhalb der Inselgesellschaft erleichterte den Spaniern das weitere Vorgehen. Die Verbündeten aus den östlichen und südlichen Gebieten unterstützten Fernández de Lugo schließlich beim Kampf gegen den letzten unabhängigen Herrscher der Insel: Tanausú.
Tanausú: Der letzte Herrscher von Aceró
Tanausú regierte das Bergreich Aceró, dessen Gebiet weitgehend der heutigen Caldera de Taburiente entspricht. Die gewaltigen Steilwände und der schwer zugängliche Barranco de las Angustias machten seine Heimat zu einer natürlichen Festung. Mehrfach scheiterten die Spanier beim Versuch, in das geschützte Gebiet vorzudringen. Die Benahoaritas nutzten die unwegsame Landschaft geschickt und konnten den Angreifern empfindliche Niederlagen zufügen.
Als die Caldera militärisch nicht einzunehmen war, griff Fernández de Lugo zu einer List. Er bot Tanausú Friedensverhandlungen an und versprach ihm Sicherheit für sich und sein Volk. Der Herrscher verließ daraufhin seine geschützte Position – und wurde entgegen der Vereinbarung gefangen genommen. Mit der Gefangennahme Tanausús im Frühjahr 1493 brach der letzte organisierte Widerstand der Benahoaritas zusammen.
Tanausús Tod und sein Vermächtnis
Was anschließend geschah, gehört bis heute zu den bekanntesten Geschichten der Inselgeschichte. Nach seiner Gefangennahme sollte Tanausú nach Spanien gebracht werden, um dem Königspaar Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón präsentiert zu werden. Der Überlieferung nach verweigerte er während der Überfahrt jede Nahrung und starb aus Stolz und Verzweiflung auf dem Atlantik. Sein Tod wurde zum Symbol des Widerstands gegen die Eroberung und prägt die Erinnerungskultur La Palmas bis heute. In Los Llanos erinnert ein Denkmal an den letzten Herrscher von Aceró. Sein Name steht auf La Palma bis heute für Freiheit, Unabhängigkeit und die verlorene Welt der Benahoaritas.
Die Gründung von Santa Cruz und das Ende von Benahoare
Nach dem Sieg begann Fernández de Lugo mit der Neuordnung der Insel. Am 3. Mai 1493, dem Tag des Heiligen Kreuzes, gründete er an der Ostküste die Stadt Santa Cruz de La Palma – die neue politische und wirtschaftliche Hauptstadt der Insel. Für die überlebenden Benahoaritas begann eine schwierige Zeit. Obwohl ein päpstlicher Erlass aus dem Jahr 1434 die kanarischen Ureinwohner offiziell vor Versklavung schützen sollte, wurden zahlreiche Gefangene verkauft und auf das spanische Festland verschleppt.
Erst 1514 erhielten die verbliebenen Ureinwohner rechtlich die gleichen Rechte wie die spanischen Siedler. Die eigenständige Kultur, Sprache und Religion der Benahoaritas verschwanden jedoch innerhalb weniger Generationen. Geblieben sind ihre Petroglyphen, archäologischen Fundstätten, Ortsnamen und die Erinnerung an eine Gesellschaft, die La Palma lange vor der spanischen Herrschaft geprägt hatte.

Die Eroberung La Palmas im Überblick
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1447 | Gescheiterter Eroberungsversuch durch Hernán Peraza |
| 29. September 1492 | Landung Alonso Fernández de Lugos bei Tazacorte |
| Herbst 1492 – Frühjahr 1493 | Bündnisse mit einigen Inselherrschern und Kämpfe gegen Widerstandsnester |
| Frühjahr 1493 | Gefangennahme Tanausús und Ende des Widerstands |
| 3. Mai 1493 | Gründung von Santa Cruz de La Palma |
Fazit:
Die Eroberung La Palmas 1492/93 war nicht nur ein militärischer Feldzug, sondern das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Welten. Mit der Niederlage Tanausús endete die Zeit von Benahoare – doch die Erinnerung an die Ureinwohner lebt bis heute in den Landschaften, Ortsnamen und Traditionen der Insel weiter.
Häufige Fragen
War La Palma die letzte eroberte Insel der Kanaren?
Wer war Tanausú?
Wo landeten die Spanier bei der Eroberung La Palmas?
Warum konnten die Spanier La Palma trotz der schwierigen Landschaft erobern?
Was erinnert heute noch an die Eroberung La Palmas?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


