Der Lorbeerwald: La Palmas lebendes Naturerbe aus dem Tertiär
Vor etwa 20 Millionen Jahren bedeckte ein urzeitlicher Lorbeerwald aus Lorbeerbäumen und verwandten Arten weite Teile der nördlichen Hemisphäre: Nordafrika, Südeuropa und die Kanarischen Inseln. Als das Klima während der Eiszeiten kälter und trockener wurde, verschwand dieser Wald auf dem europäischen und nordafrikanischen Festland. Auf den Kanaren überlebte er – geschützt durch die milden Atlantiktemperaturen und bewässert durch die feuchten Passatwolken.

Der Laurisilva, wie der Lorbeerwald wissenschaftlich genannt wird, ist deshalb kein gewöhnlicher Wald. Er ist ein lebendes Fossil, ein Überbleibsel einer längst vergangenen Vegetationswelt, die heute nur noch an wenigen Orten der Erde existiert.
La Palmas grünes Herz: Der Lorbeerwald
La Palma besitzt einen der größten und am besten erhaltenen Lorbeerwaldbestände der Kanarischen Inseln. Das UNESCO-Biosphärenreservat Los Tilos im feuchten Nordosten gilt als sein Herzstück – aber der Wald erstreckt sich auch über weitere feuchte Außenhänge und Schluchten des Nordens. Dort, wo der Nordost-Passat seine Wolken gegen die Berghänge drückt, entsteht ein dauerhaft feuchtes Mikroklima. Moose, Farne und uralte Bäume bilden ein dichtes grünes Dach, unter dem die Zeit scheinbar langsamer vergeht.
Los Tilos: Das erste Biosphärenreservat der Kanaren
Das Gebiet El Canal y Los Tilos bei San Andrés y Los Sauces wurde 1983 von der UNESCO zum ersten Biosphärenreservat der Kanarischen Inseln erklärt. Der Barranco del Agua, eine gewaltige Schlucht im Herzen des Waldes, ist der landschaftliche Mittelpunkt: steile Felswände, vom Wasser geschliffene Felsblöcke, riesige Farne und eine Stille, die man in den touristischeren Regionen der Insel kaum findet.

Im Lorbeerwald wachsen verschiedene typische Arten des Laurisilva: der Kanaren-Lorbeer, der Stinklorbeer (Til), die Indische Persea, Baumheide und die Kanaren-Stechpalme. Besonders beeindruckend ist der Artenreichtum an Moosen, Flechten und Farnen. Der Wurzelnde Kettenfarn (Woodwardia radicans) kann mehrere Meter große Wedel entwickeln und wirkt an den feuchten Steilwänden fast wie ein Relikt aus einer anderen Erdzeit.

Marcos y Cordero: Wasserwege durch den Urwald
Die Marcos-y-Cordero-Quellen im Inneren des Biosphärenreservats gehören zu den bekanntesten Naturzielen La Palmas. Eine spektakuläre Wanderung führt entlang eines alten Wasserkanals durch dreizehn in den Fels geschlagene Tunnel, von denen der längste fast 400 Meter misst. Der Weg verbindet Technikgeschichte und Naturerlebnis: Einerseits zeigen die Wasserstollen, wie wichtig die Quellen für die Wasserversorgung der Insel waren und sind – andererseits führt die Route mitten hinein in eine der eindrucksvollsten Lorbeerwaldlandschaften La Palmas.
Cubo de la Galga: Der Lorbeerwald für Einsteiger
Der Cubo de la Galga an der Ostküste bietet einen leichter zugänglichen Einstieg in den Laurisilva. Eine kurze Wanderroute führt durch einen dichten, feuchten Wald entlang eines Bachlaufs und zeigt auf kleinem Raum die typische Vegetation dieser einzigartigen Klimazone. Im Gegensatz zu anspruchsvolleren Touren durch die Schluchten von Los Tilos eignet sich der Cubo de la Galga auch für weniger erfahrene Wanderer und Familien.

Fauna des Lorbeerwaldes
Der Lorbeerwald ist nicht nur botanisch außergewöhnlich, sondern auch Lebensraum seltener Tierarten. Besonders bekannt sind die beiden endemischen Taubenarten der Kanaren:
- die Lorbeertaube (Columba junoniae)
- die Bolles Lorbeertaube (Columba bollii, auch Silberhalstaube genannt; spanisch: Paloma turqué)
Beide Arten sind perfekt an das Leben im dichten Blätterdach angepasst und gehören zu den charakteristischen Bewohnern der alten Lorbeerwälder.

In den feuchten Bachbetten des Waldes findet außerdem der Iberische Wasserfrosch (Pelophylax perezi) geeignete Lebensräume. Anders als oft vermutet, handelt es sich dabei jedoch nicht um eine endemische Art der Kanaren.
Fazit:
Der Lorbeerwald ist das grüne Gedächtnis La Palmas – ein über 20 Millionen Jahre altes Ökosystem, das auf der Insel dank des milden Atlantikklimas und der schützenden Passatwolken überlebt hat.
Wer durch Los Tilos, den Cubo de la Galga oder die feuchten Schluchten des Nordens wandert, erlebt nicht nur einen Wald, sondern ein Stück Erdgeschichte.
Häufige Fragen
Was ist der Laurisilva?
Wie kommt man zum Biosphärenreservat Los Tilos?
Gibt es Lorbeertauben auf La Palma?
Wo findet man den schönsten Lorbeerwald auf La Palma?
Warum ist der Lorbeerwald auf La Palma so feucht?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


