Garafía: Wo La Palma noch nicht entdeckt wurde
Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war Garafía nur über beschwerliche Wege erreichbar. Die kurvenreichen Straßen durch den Norden der Insel machten die Gemeinde lange zu einem abgeschiedenen Winkel La Palmas. Diese geografische Isolation war für die Bewohner eine Herausforderung – doch für Landschaft und Kultur ein Glücksfall.

Garafía, die nördlichste Gemeinde La Palmas mit kaum 2.000 Einwohnern, ist deshalb geblieben, was viele andere Orte längst verloren haben: vollständig sie selbst. Hier fallen gewaltige Steilküsten senkrecht in den Atlantik, tiefe Schluchten durchziehen die Landschaft und in abgelegenen Weilern wachsen uralte, knorrige Drachenbäume, die seit Jahrhunderten über die Insel wachen.
Wer Garafía besucht, braucht Zeit – und am besten einen Mietwagen. Das Busnetz ist dünn, die Straßen sind kurvenreich und viele der schönsten Plätze liegen abseits der Hauptverbindungen. Doch wer sich auf diese ruhige Ecke La Palmas einlässt, wird mit Landschaften belohnt, die zu den ursprünglichsten der Insel gehören.
Santo Domingo de Garafía: Ein Dorf abseits der Zeit
Inmitten einer beinahe unberührten, wilden Küstenlandschaft mit imposanten Steilklippen und tiefen Schluchten liegt das kleine Santo Domingo de Garafía, der Hauptort der Gemeinde. Von den fast 5.000 Einwohnern, die Garafía in den 1950er-Jahren noch zählte, ist ein großer Teil im Laufe der Jahrzehnte ausgewandert – nach Santa Cruz, auf andere Kanareninseln oder nach Venezuela.

Geblieben ist ein ruhiger Ort mit historischem Kern, kleinen Plätzen und einer Atmosphäre, in der das Leben noch einen langsameren Rhythmus besitzt. Rund um die Kirche, die Bars und die traditionellen Häuser scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen. Die Iglesia Nuestra Señora de la Luz wurde im frühen 16. Jahrhundert errichtet und zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Gemeinde. Besonders sehenswert sind die kunstvolle Holzdecke im Mudéjar-Stil und die religiösen Kunstwerke im Inneren. Am Ortseingang dokumentiert die Casa de la Cultura in einem restaurierten Herrenhaus die Geschichte des ländlichen Lebens in Garafía – von der Landwirtschaft bis zu den traditionellen Handwerken.
Nur wenige Minuten entfernt liegt das archäologische Gelände El Calvario. Die dortigen Petroglyphen stammen von den Benahoaritas, den Ureinwohnern La Palmas, die hier lebten, bevor spanische Konquistadoren die Insel im Jahr 1493 unterwarfen.
Puerto de Garafía: Wo das Meer sich seinen Weg in den Fels bohrt
Der Abstieg zum Puerto de Garafía, auch bekannt als Porís de Santo Domingo, gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen der Gemeinde. Der historische Hafen liegt tief unterhalb der Steilküste, geschützt von mächtigen Felswänden. Aus dem Meer ragt der markante Roque de Santo Domingo fast dreißig Meter hoch empor.

Früher war dieser kleine Naturhafen die Verbindung der abgelegenen Gemeinde zur Außenwelt. Über steile Wege und mit Seilen wurden hier Waren wie Bananen, Ziegen oder Getreide transportiert, bevor moderne Straßen das Leben auf der Insel veränderten.
Zum Baden eignet sich der Ort wegen der starken Brandung meist nicht. Doch gerade diese raue Kraft macht den Reiz aus: Wenn die Wellen gegen die schwarzen Lavaklippen schlagen, erlebt man eine der ursprünglichsten Küstenlandschaften La Palmas.
Las Tricias und die Drachenbäume von Buracas
Wenige Kilometer südlich von Santo Domingo liegt der kleine Weiler Las Tricias. Der Ort ist einer der schönsten Ausgangspunkte für eine Wanderung zu den Cuevas de Buracas – alten Höhlenwohnungen, die vermutlich bereits von den Benahoaritas genutzt wurden.

Der Weg führt durch eine Landschaft voller kanarischer Drachenbäume (Dracaena draco). Einige Exemplare sollen mehrere hundert Jahre alt sein. Mit ihren knorrigen Stämmen und den weit ausladenden Kronen vor dem Hintergrund des Atlantiks gehören sie zu den eindrucksvollsten Naturmotiven der Insel.
Las Tricias ist zudem bekannt für seine alternative Kulturszene, kleine Kunsthandwerksateliers und gemütliche Cafés, die mit regionalen Produkten, frischen Säften und vegetarischen Spezialitäten Besucher nach einer Wanderung willkommen heißen.
Queso de Garafía: Der Geschmack des Nordens
Eine kulinarische Besonderheit der Region ist der Queso de Garafía. Der würzige Ziegenkäse wird seit Generationen nach traditioneller Herstellung produziert und besitzt eine geschützte Ursprungsbezeichnung (D.O.P.).

Die Käsehersteller der Gemeinde haben mit ihren Produkten bereits bei internationalen Käsemeisterschaften höchste Auszeichnungen erhalten. Kaufen kann man den Käse direkt bei lokalen Queserías, in kleinen Dorfläden oder auf dem Bauernmarkt im nahe gelegenen Puntagorda. Der Geschmack passt perfekt zur Landschaft: kräftig, ursprünglich und ein wenig wild – genau wie Garafía selbst.
Garafía im Überblick
| Kategorie | Information |
|---|---|
| Lage | Wilder Nordwesten La Palmas |
| Anreise | Ca. 1,5 Stunden von Santa Cruz oder Los Llanos |
| Highlights | Drachenbäume von Las Tricias, Cuevas de Buracas, Puerto de Garafía |
| Kulinarik | Prämiierter Queso de Garafía |
| Empfehlung | Mietwagen erforderlich |
Fazit:
Garafía ist das La Palma, das noch nicht in den Reisemagazinen steht. Wer Drachenbäume, alte Häfen, Petroglyphen und den besten Käse der Insel sucht – und das alles ohne andere Touristen – kommt hierher.
Häufige Fragen
Wie erreicht man Garafía am besten?
Was sollte man in Garafía unbedingt gesehen haben?
Gibt es Unterkünfte in Garafía?
Wo kann man den Queso de Garafía kaufen?
Lohnt sich ein Ausflug nach Garafía?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


