Argual und Tazacorte: Das koloniale Erbe des Aridanetals
Das Aridanetal gilt heute als das grüne und wirtschaftliche Herz La Palmas. Doch die Geschichte dieses Wohlstands beginnt nicht im modernen Zentrum von Los Llanos de Aridane, sondern im kleinen Ortsteil Argual und im benachbarten Tazacorte.
Im 16. Jahrhundert entwickelte sich hier eines der wichtigsten Zentren des Zuckerrohranbaus auf den Kanarischen Inseln. Flämische Kaufleute und das Augsburger Handelshaus der Welser gründeten in Argual eine eine der ersten Zuckermühlen (Ingenios) der Insel. Der begehrte Zucker wurde über den nahegelegenen Hafen von Tazacorte nach Europa verschifft und machte die Region zu einem der wohlhabendsten Gebiete La Palmas.

Noch heute erzählen historische Herrenhäuser, gepflasterte Plätze und alte Bewässerungssysteme von dieser Epoche. Zwischen Bananenplantagen, kolonialer Architektur und dem Blick auf den Atlantik zeigt sich hier eine der spannendsten Landschaften der Insel.
Llano de Argual: Die historische Keimzelle des Aridanetals
Das Herz von Argual ist der Llano de Argual rund um die Plaza Sotomayor. Hier stehen einige der ältesten und schönsten Herrenhäuser der Westküste: zweistöckige Gebäude mit mächtigen Mauern, traditionellen Holzbalkonen und kunstvoll geschnitzten Türen aus Tea-Holz, dem widerstandsfähigen Kernholz der Kanarischen Kiefer.

Besonders sehenswert sind die historischen Anwesen wie die Casa Massieu oder die Casa Sotomayor. In ihnen spiegelt sich der Reichtum der Zuckerbarone wider, die von hier aus ihre Plantagen und Handelsgeschäfte kontrollierten.
Das für den Zuckeranbau benötigte Wasser wurde über ein ausgeklügeltes Kanalsystem aus der Caldera de Taburiente und dem Barranco de las Angustias herangeführt – eine technische Meisterleistung der damaligen Zeit.
Tazacorte: Der Hafen des „weißen Goldes“
Ohne Tazacorte wäre der Aufstieg Arguals nicht möglich gewesen. Der Küstenort besaß den wichtigsten Hafen des Aridanetals und war der Ausgangspunkt für den Export des kostbaren Zuckerrohrs nach Europa.
Heute erinnern Puerto de Tazacorte und die alten Handelswege an diese maritime Vergangenheit. Der Ort verbindet Geschichte mit einem der schönsten Küstenabschnitte der Westseite: einem geschützten Hafen, einem schwarzen Vulkanstrand und zahlreichen Restaurants direkt am Meer.
Sonntagstipp: Rastro de Argual und Glasbläserkunst
Unter der Woche wirkt Argual ruhig und beschaulich. Jeden Sonntagvormittag verwandelt sich der Llano de Argual jedoch in einen der lebendigsten Treffpunkte der Insel.

Beim berühmten Rastro de Argual, dem größten und bekanntesten Floh- und Kunsthandwerksmarkt La Palmas, bieten Händler Antiquitäten, Kunsthandwerk, lokale Produkte und kulinarische Spezialitäten an.
Direkt an der Plaza befindet sich außerdem die traditionsreiche Glasbläserei Artefuego. Hier kann man den Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen und erleben, wie aus glühender Masse kunstvolle Einzelstücke entstehen.
Mirador del Time: Der spektakulärste Blick ins Aridanetal
Wer die Dimensionen dieser historischen Kulturlandschaft verstehen möchte, fährt von Argual aus weiter zum Mirador del Time. Der Aussichtspunkt liegt nördlich des Tals an einer fast 600 Meter hohen Steilkante und gehört zu den eindrucksvollsten Panoramaplätzen La Palmas. Von hier reicht der Blick über das gesamte Aridanetal: ein grünes Meer aus Bananenplantagen, das sich bis zur Küste von Puerto de Tazacorte zieht. Seit dem Vulkanausbruch des Tajogaite im Jahr 2021 wird diese Landschaft zusätzlich durch dunkle Lavafelder geprägt – ein eindrucksvoller Kontrast zwischen fruchtbarer Kulturlandschaft und neuer Vulkanlandschaft.

Die Region im Überblick
| Kategorie | Informationen |
|---|---|
| Lage | Argual und Tazacorte am nördlichen Rand des Aridanetals bei Los Llanos de Aridane |
| Historische Bedeutung | Zentrum des Zuckerrohranbaus im 16. Jahrhundert mit Einfluss flämischer Kaufleute und des Handelshauses Welser |
| Highlights | Plaza Sotomayor, historische Herrenhäuser, Rastro de Argual, Glasbläserei Artefuego, Puerto de Tazacorte, Mirador del Time |
| Architektur | Koloniale Bürgerhäuser mit Holzbalkonen, Innenhöfen und Elementen aus Tea-Holz (Kernholz der Kanarischen Kiefer) |
| Besonderheit | Verbindung aus Zucker-Geschichte, historischem Hafenhandel, Kunsthandwerk und spektakulären Landschaftsblicken |
| Beste Besuchszeit | Sonntagvormittag wegen des Rastro de Argual und der Glasbläservorführungen bei Artefuego |
Fazit:
Argual und Tazacorte erzählen die Geschichte des Aridanetals wie kaum ein anderer Ort auf La Palma. In Argual entdeckt man den kolonialen Reichtum vergangener Jahrhunderte, während Tazacorte die Verbindung zum Atlantik und zum historischen Handelshafen bewahrt. Zusammen mit dem Panorama vom Mirador del Time entsteht ein faszinierender Blick auf die Geschichte und Landschaft der Westseite La Palmas.
Häufige Fragen
Wann lohnt sich ein Besuch in Argual besonders?
Kann man die historischen Herrenhäuser in Argual besichtigen?
Was ist der Mirador del Time?
Warum war Argual früher so bedeutend?
Was kann man in Tazacorte erleben?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


