Tunnelwanderung über die Marcos y Cordero Quellen nach Los Tiles
Dreizehn in den Fels geschlagene Tunnel, die ergünsten Quellen La Palmas, ein wilder Abstieg durch den Barranco del Agua und der dichteste Lorbeerwald der Insel — die Tunnelwanderung von der Casa del Monte über die Nacientes de Marcos y Cordero nach Los Tiles ist eine der spektakulärsten Strecken auf La Palma. 11,1 Kilometer, 580 Hm Aufstieg, 1.406 Hm Abstieg, schwer.

Die Tour startet an der Casa del Monte, die man über einen Taxi-Shuttle-Service (ca. 15 € pro Person, ab 9 Uhr) vom Parkplatz beim Besucherzentrum Los Tiles erreicht — das eigene Fahrzeug kann dort nicht weiterfahren. Von der Casa del Monte folgt man dem ebenen Wasserkanal zu den Marcos-Quellen: 13 Tunnel, imposante Steilhänge, Kiefern- und Lorbeerwaldgürtel. Nach den Quellen folgt ein langer, steiler Abstieg durch die Cordero-Schlucht und den Barranco del Agua zurück zum Parkplatz beim Besucherzentrum.
Diese Route ist nichts für Einsteiger. Stirnlampe, Helm und Regenschutz sind Pflicht — nicht optional. Vor Tunnel Nr. 12 muss man die Regenkleidung überziehen: Wasser strömt dort mit erheblicher Kraft aus den Felswänden und von der Decke. Wer darauf nicht vorbereitet ist, wird klatschnass.

Routenfakten auf einen Blick
| Routentyp | Strecke (Startpunkt Casa del Monte, Ziel Besucherzentrum Los Tiles) |
|---|---|
| Distanz | 11,1 km |
| Höhenmeter | 580 Hm Aufstieg / 1.406 Hm Abstieg |
| Höchster Punkt | 1.592 m (Cordero-Quellen) |
| Niedrigster Punkt | 482 m (Parkplatz Besucherzentrum) |
| Dauer | 5:00–6:30 Stunden |
| Schwierigkeit | schwer |
| Startpunkt | Casa del Monte (nur per Taxi-Shuttle ab Besucherzentrum, ~15 €/Person, ab 9 Uhr) |
| Endpunkt | Parkplatz Besucherzentrum Los Tiles |
| Wegmarkierung | LP-PR 6 |
| Schutzstatus | Naturpark Las Nieves / Biosphärenreservat Los Tilos |
| Ausrüstung | Stirnlampe, Helm, Regenschutz, festes Schuhwerk, Proviant, Wasser |

Anfahrt und Startpunkt
Der Start der Wanderung ist die Casa del Monte — ein Gebäude tief im Naturpark, das man mit dem eigenen Fahrzeug nicht erreichen kann. Die Anfahrt läuft über das Besucherzentrum Los Tiles, das von Santa Cruz de La Palma über die LP-830 Richtung Norden erreichbar ist: kurz vor Los Sauces biegt eine schmale Straße links ab, die direkt zum Parkplatz des Zentrums führt.
Taxi-Shuttle zur Casa del Monte
Vom ersten Parkplatz beim Besucherzentrum fährt ab 9 Uhr ein Taxi-Shuttle-Service zur Casa del Monte — Preis: ca. 15 € pro Person. Das Befahren der Strecke mit dem eigenen Fahrzeug ist nicht möglich. Ohne Shuttle kein Start. An Wochenenden und Feiertagen kann es Wartezeiten geben — früh am Parkplatz erscheinen.

Frühzeitig ankommen
Für 11,1 km und 5 bis 6:30 Stunden Gehzeit sollte man spätestens um 9 Uhr am Parkplatz sein — genau dann, wenn der Shuttle startet. Im Abstieg durch den Barranco del Agua sind die Schluchtenabschnitte gegen Abend deutlich ungemütlicher. Wer erst um 10 Uhr losläuft, kommt in die Dämmerung.
Die Route im Detail
Abschnitt 1: Casa del Monte — Kanalweg mit den 13 Tunneln
Ab der Casa del Monte folgt der Weg dem historischen Wasserkanal in fast ebenem Verlauf zu den Marcos-Quellen. Der Kanal wurde um 1900 gebaut, um die Nacientes de Marcos y Cordero — die ergiebigsten Quellen La Palmas mit rund 10,1 Hm³ Wasser pro Jahr — mit den landwirtschaftlichen Flächen des Nordostens zu verbinden. Dreizehn Tunnel wurden dabei in den Fels gesprengt.

Der erste Tunnel ist besonders schmal und niedrig — man muss sich bücken. Zwischen den Tunneln öffnen sich weitläufige Ausblicke auf den Barranco del Agua und die umliegenden Schluchten und Vulkanschlote im Naturpark Las Nieves. Nach dem siebten Tunnel findet man den seltenen Lotus Pyranthus — den Feuer-Hornklee mit seinen rot-orangen Blüten, der auf La Palma fast nirgendwo sonst vorkommt.
Vor Tunnel Nr. 12, dem letzten vor den Marcos-Quellen, ist Regenkleidung anzuziehen. Das Wasser strömt mit erheblicher Kraft aus den Felswänden und von der Tunneldecke — der steinige Untergrund ist entsprechend glatt. Aus den Fensteröffnungen des Tunnels bieten sich durch einen Wasservorhang spektakuläre Ausblicke auf die Schlucht.

Abschnitt 2: Nacientes de Marcos y Cordero (Höchster Punkt, 1.592 m)
Nach Tunnel 12 steht man direkt an den Marcos-Quellen: Wasserläufe stürzen sich in Stufen von den Felswänden herab. Der Aufstieg über die Quellstufen führt über Treppenpfade, die sich stellenweise selbst in einen Wasserlauf verwandeln. Entlang der Felswände wachsen Minze, Kanarenzitronenstrauch, Brombeeren, Moos, Flechten und Farne — eine Vegetation, die vom permanenten Wasseraustrag lebt.

Ein steiler Anstieg führt zu den Cordero-Quellen: mehrere Austrittsstellen mit geringerer Wassermenge, ruhiger und moosbedeckter als die Marcos-Quellen. Hier liegt der höchste Punkt der Wanderung auf 1.592 Metern. Pause einlegen — der Abstieg ist lang.
Abschnitt 3: Abstieg durch die Cordero-Schlucht
Von den Cordero-Quellen beginnt der lange, steile Abstieg durch die Cordero-Schlucht bis zum Bachbett des Barranco del Agua. Der Wanderweg LP-PR 6 führt durch Baumheide- und Lorbeerwaldgebiete, die mit Moosen und Flechten bewachsen sind. Besonders eindrücklich: der Wurzelnde Kettenfarn (»Woodwardia radicans«), der hier bis zu 2,5 Meter Wedelhöhe erreicht.

Der Weg kreuzt mehrmals das steinige Bachbett, bevor sich die Schlucht verengt. Ab diesem Punkt folgt man Steinmännchen-Markierungen direkt durch den Barranco-Grund. Die Felswände beiderseits sind mit Moosen, Lorbeer und Farngeflächse überwuchert und ragen hoch auf. Das ist das Herzstück des Abstiegs — eindrucksvoll und fordernd zugleich.
Abschnitt 4: Mirador de los Espejos und Barranco del Agua bis Los Tiles
Eine kleine Brücke führt auf die linke Seite der Schlucht. Stufen führen steil abwärts zum Mirador de los Espejos, von dem sich ein prächtiger Ausblick über die Cordero-Schlucht und den Barranco del Agua öffnet. Weiter durch Felswände und Lorbeerwald bis zur nächsten Holzbrücke — sie überspannt einen besonders engen, tiefen Teil des Barranco del Agua.

Von dort steigt der Weg kurz an, bevor eine breite Piste abwärts führt. Kurz davor liegt der Abzweig zum Mirador Espiglón Atravesado — ein kurzer Abstecher mit fantastischem Ausblick über das gesamte Lorbeerwaldgebiet von Los Tiles. Anschließend geht es steil bergab durch Stinklorbeerbaum-Bestand (Til), durch einen letzten Tunnel, vorbei an einer Wetterstation, bis zum Parkplatz des Besucherzentrums.
Lorbeerwald und Natur: Was man unterwegs sieht
Die Wanderung durchquert zwei Schutzzonen auf einmal: den Naturpark Las Nieves im oberen Teil mit Kiefernwald und Kanalabschnitten und das Biosphärenreservat Los Tilos im Abstieg durch den Barranco del Agua. Das 511 Hektar große Gebiet wurde 1983 als erstes Biosphärenreservat der Kanarischen Inseln von der UNESCO anerkannt.
Im Lorbeerwaldbereich des Abstiegs wachsen Stinklorbeer (Til), Kanaren-Lorbeer, Barbusano und Baumheide. Der Wurzelnde Kettenfarn (»Woodwardia radicans«) überwuchert feuchte Felsflächen bis zu 2,5 Metern Wedelhöhe. In der Kanalzone oben findet man nach dem siebten Tunnel den seltenen Lotus Pyranthus — Feuer-Hornklee mit intensiv rot-orangen Blüten.

Von der Fauna sind Lorbeertaube und Turqué-Taube im Lorbeerwald die eindrücklichsten Vertreter — beide gehören zu den seltensten Taubenarten Europas. Der Kanaren-Buchfink, eine La-Palma-eigene Unterart mit etwas dunklerer Färbung, ist im Kiefernwaldabschnitt der Kanalzone regelmäßig präsent.
Geschichte der Kanalanlage
Die Nacientes de Marcos y Cordero gehören zu den ergiebigsten natürlichen Grundwasserquellen der Kanarischen Inseln. Sie liefern rund 10,1 Hm³ Wasser pro Jahr und versorgen weite Teile des Nordostens La Palmas mit Trink- und Bewässerungswasser. Um dieses Wasser nutzbar zu machen, wurden um 1900 dreizehn Tunnel in den Fels getrieben und ein durchgehender Kanal angelegt — teils offen gemauert, teils in Felsnischen gemeißelt.

Das System funktioniert ohne Pumpen oder moderne Infrastruktur — der Kanal läuft als Gefälleleitung durch die Bergflanke, durch die Tunnel hindurch und weiter in die tiefer liegenden Bewässerungskanäle der Gemeinden. Ein hydrogeologisches System aus dem frühen 20. Jahrhundert, das heute noch voll in Betrieb ist.
Die Schlucht Barranco del Agua — Geologie und Persönlichkeit
Der Barranco del Agua ist nicht nur ein Abstiegsweg — er ist eine eigene Landschaft. Die Schlucht gehört zu den tiefsten Einschnitten im Nordosten La Palmas: senkrechte Felswände, überwuchert mit Moosen, Flechten und Lorbeerpflanzen, eine feuchte Luft, die im Hochsommer kühl wirkt und im Winter nach Erde und Tang riecht.
Das Bachbett des Barranco del Agua führt ganzjährig etwas Wasser — in nassen Wintern kann es nach Starkäregen schnell und gefährlich werden. Die Schlucht ist dann kein Wanderweg mehr. Das ist der Grund, warum die Wanderung bei schlechtem Wetter nicht angetreten werden sollte.

Die Holzbrücken über den engsten Stellen des Barranco del Agua sind markante Wegpunkte, die die Qualität der Strecke zeigen: Sie wurden gebaut, um eine Route zu erschließen, die ohne sie schlicht unpassierbar wäre. Zwischen den Brücken sind es die Steinmännchen, die durch die engsten Bachbettpassagen leiten. Wer ihnen folgt, kommt durch.
Die Cascada de Los Tilos — der Wasserfall im Lorbeerwaldgebiet — liegt nahe dem Endpunkt beim Besucherzentrum. Nach einer Tour durch die Schlucht ist der kurze Abstecher zum Wasserfall ein nahezu perfekter Abschluss: wenig Geh-Aufwand, hoher visueller Effekt.
Beste Reisezeit
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
|---|---|---|
| Frühjahr (März–Mai) | Volle Wasserführung, saftigste Vegetation | Beste Zeit; Quellen auf Höchststand; Lotus Pyranthus blüht |
| Sommer (Juni–Aug) | Kühl im Wald, auch an heißen Küstentagen angenehm | Tunnel Nr. 12 führt weniger Wasser; leichter begehbar |
| Herbst (Sept–Nov) | Typische Nordostwolken, mystische Stimmung | Pilzsaison; Regenkleidung immer dabei |
| Winter (Dez–Feb) | Höchste Wasserführung, Nebel möglich | Bei Starkregen Schluchtabschnitte gefährlich; vorher informieren |

Ausrüstung
| Schuhwerk | Wasserfeste, knöchelhohe Bergschuhe — der Weg ist in den Schluchtabschnitten nass |
|---|---|
| Stirnlampe | Obligatorisch — ohne Stirnlampe sind die Tunnel nicht zu durchqueren |
| Helm | Empfohlen in den engen Tunneln (herabfallendes Gestein möglich) |
| Regenschutz | Pflicht — vor Tunnel Nr. 12 anziehen; Wasser strömt aus Felswand und Decke |
| Wasser | An den Marcos-Quellen kann man den Vorrat auffüllen (Quellwasser) |
| Verpflegung | Vollständige Mahlzeit für 5–6 Stunden; kein Gastronomieangebot auf der Strecke |
Kombinierbare Touren
| Tour | Daten | Charakter |
|---|---|---|
| Cascada de Los Tilos | kurzer Abstecher ab Besucherzentrum | Wasserfall im Lorbeerwaldgebiet; als Abschluss des Wandertags |
| PR-LP 7: Pico de la Cruz – Los Sauces | 10,1 km, 598 Hm / moderat | Höhenwanderung über dem Biosphärenreservat als Folgetour |
| PR-LP 8: Pico de la Cruz – Barlovento | 14,4 km, 145 Hm / moderat | Abstiege durch Nordostwald; weitere Los-Tilos-Region |

GPS-Track und 3D-Routenplaner
Alle Daten zur Tunnelwanderung — Distanz, Höhenprofil, Wegpunkte und GPX-Track — stehen auf der Routenseite des Sunhikes-Wanderportals bereit.
Zur Routenseite auf Sunhikes: Tunnelwanderung über die Marcos y Cordero Quellen nach Los Tiles
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Praktische Tipps
Notruf: 112 — bucht sich ins stärkste verfügbare Netz ein, auch ohne SIM-Karte. Im Lorbeerwald und in den Tunneln ist kein Handyempfang zu erwarten. Standort vor dem Start teilen.
An den Marcos-Quellen kann man den Wasservorrat auffüllen — das Quellwasser ist sauber. Das Grillrestaurant am Besucherzentrum Los Tiles bietet am Ende der Tour eine Einkehroption.
Bei starkem Wind oder Regen sollte die Wanderung nicht angetreten werden. Die Schluchtabschnitte im Barranco del Agua können bei Starkregen schnell gefährlich werden. Am Besucherzentrum informieren, ob die Strecke aktuell begehbar ist.
Hinweis: Naturschutz
Die Route liegt im Naturpark Las Nieves und im UNESCO-Biosphärenreservat Los Tilos. Es gelten Wegegebot, Abfallmitnahme und Feuerverbot. Der Lorbeerwald ist ein sensibles, erdgeschichtlich ältes Ökosystem — jeder Schritt neben dem Weg stört eine Bodenstruktur, die Jahrtausende benötigt hat.
Häufige Fragen
Wie kommt man zur Casa del Monte?
Warum braucht man Regenschutz und Helm?
Wie schwierig ist der Abstieg durch den Barranco del Agua?
Was ist das Besucherzentrum Los Tiles?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


