Calima, Passatwolken und Schnee: La Palmas Wetterphänomene
Das Wetter auf La Palma folgt keinem einheitlichen Drehbuch. Die Insel ist ein Wetterlabor: Hier treffen Atlantik-Passatwinde auf Vulkangipfel, afrikanischer Saharastaub trifft auf den feuchten Atlantik, und über den Wolken scheint eine Sonne, die nur wenige Kilometer weiter von Nebel verhüllt wird. Für Reisende bedeutet das: Wer das Wetter versteht, erlebt La Palma anders.

Die Passatwolken: Grenze zwischen zwei Welten
Das auffallendste Wetterphänomen La Palmas sind die Nordost-Passatwolken. Sie kommen vom Atlantik, treffen auf die Berge und bleiben — an der Bergseite, die ihnen entgegensteht, also im Nordosten. Die Grenze dieser Wolkenschicht, die sogenannte Inversionsschicht, liegt meist zwischen 1.000 und 1.400 Metern Höhe. Darüber: strahlend blauer Himmel, trockene Luft, Temperaturen um 15–20 Grad. Darunter: Nebel, Feuchtigkeit, manchmal sanfter Regen.

Dieses Phenomenon ist am Cumbre-Tunnel am deutlichsten zu erleben. Wer von Santa Cruz (Ostseite, Wolken) in den Tunnel fährt und auf der anderen Seite in El Paso herauskommt, wechselt in Minuten vom Herbstwetter in den Sonnenschein. In 90 Prozent der Fälle funktioniert dieser Trick — und er ist das eindrucksvollste Wetter-Experiment, das man auf La Palma machen kann.
Die Calima: Wenn die Sahara die Insel erreicht
Ein bis zweimal im Jahr erreicht ein Calima La Palma. Tonnen von Saharastaub werden durch trockene Ostwinde über den Atlantik getragen; die Luft wird spräde und staubig, die Sicht trüb, die Farben flach. Temperaturen können während eines Calima auf über 40 Grad steigen. Die Luft riecht sülßlich-staubig, ähnlich wie trockenes Heu.
Ein Calima hält in der Regel zwei bis vier Tage an. Während dieser Zeit sind sportliche Aktivitäten im Freien nicht empfehlenswert: Die Staubpartikel sind fein genug, um in die Lunge einzudringen, und die Körpertemperatur steigt auch bei mäßiger Aktivität schnell. Waldbrandgefahr ist in dieser Zeit erhöht.
Schnee und Frost im Hochgebirge
Auf dem Roque de los Muchachos (2.426 m) kann es von November bis Februar zu Schneefall und Frost kommen. Das ist für Kanareninsel-Klischees ungewohnt — aber real: Die Straße LP-4 wird bei Eis gesperrt, und das Observatorium funktioniert auch im Winter unter Winterbedingungen. Im Sommer sind Temperaturen am Gipfel von 5–10 Grad bei nächtlichen Sternbeobachtungstouren durchaus möglich.

Fazit
La Palmas Wetterphänomene sind Teil des Charakters der Insel. Wer den Tunnel als Wetter-Experiment kennt, wer weiß, wie er einen Calima überstehe, und wer die Passatwolken als Navigationshilfe nutzt, der reist auf La Palma mit Mehrwissen.
Häufige Fragen
Was ist ein Calima?
Wann sind die Passatwolken am stärksten?
Kann es auf La Palma wirklich schneien?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


