Mit dem Auto durch La Palma – Drei Routen, drei Welten

La Palma ist 47 Kilometer lang und 29 Kilometer breit – aber wer die Insel per Auto vollständig erkunden will, ist schnell einen ganzen Tag beschäftigt. Das liegt nicht an der Entfernung, sondern an den Straßen: Serpentinen, engen Passagen und unzähligen Haltepunkten, die jeden Zeitplan sprengen. Das macht La Palma zur idealen Autofahrerinsel – vorausgesetzt, man ist bereit, langsam zu fahren und häufig anzuhalten.

Blick nach Los Llanos vom Mirador del Time auf La Palma
Mirador Garome Tijarafe — Schlucht und Atlantik auf einen Blick.

Drei Routen erschließen die Insel vollständig: die Caldera-Höhenstraße (Ost-West, über den Roque), die Nordwesttour (Los Llanos bis Garafía) und die Nordostroute (Santa Cruz bis Barlovento). Alle drei lassen sich in einem Tag fahren – aber jede ist einen eigenen Tag wert.

Route 1: Die Caldera-Höhenstraße

Die LP-4 von Santa Cruz bis zum Roque de los Muchachos und wieder hinunter: 40 Serpentinenkilometer, die durch alle Vegetationszonen der Insel führen. Vom subtropischen Küstenklima in Santa Cruz über den Lorbeerwald, den Kiefernwald und die Inversionsschicht bis auf 2.426 Meter – in weniger als zwei Stunden Fahrzeit. Der Höhepunkt ist der Gipfel mit dem Blick in die Caldera und über das Wolkenmeer. Warme Kleidung einpacken – am Roque kann es auch im Sommer unter 10 Grad sein.

Caldera-Höhenstraße — spektakuläre Panoramastraße über der Caldera de Taburiente.
Caldera-Höhenstraße — spektakuläre Panoramastraße über der Caldera de Taburiente.

Haltepunkte: Mirador de la Cumbrecita (Abzweigung – kurzer Stopp), Besucherzentrum Roque de los Muchachos, Espigón del Roque (Gipfel-Aussichtspunkt). Abstieg: entweder zurück auf der LP-4 oder alternativ über Garafía nach Nordwesten.

Route 2: Nordwesttour – Mirador del Time bis Garafía

Start in Los Llanos de Aridane, erster Halt am Mirador del Time (LP-1 Richtung Norden): ein fast senkrechter Blick über den Barranco de las Angustias und das Aridane-Tal. Weiter über Tijarafe (Piratenbucht-Abstecher möglich), Puntagorda (Mandeln, Weinbau, Mirador de los Dragos) bis nach Santo Domingo de Garafía. Gesamtstrecke inkl. Abstechern: ca. 100 km, reine Fahrzeit ca. 3 Stunden.

Einsames Gehöft bei Garafía — ursprüngliches Leben im Norden La Palmas.
Einsames Gehöft bei Garafía — ursprüngliches Leben im Norden La Palmas.

Empfohlene Haltepunkte: Mirador del Time (20 Min.), Ermita de Nuestra Señora de las Angustias (10 Min.), Tijarafe (Café-Stopp), Mirador de los Dragos (15 Min.), Puntagorda (Markt samstags/sonntags), Santo Domingo de Garafía (Kirche, Museum). Für einen vollständigen Ausflugstag empfehlenswert.

Route 3: Nordostroute – Santa Cruz bis Barlovento

Der grünste Teil der Insel: von Santa Cruz über die Küstenstraße LP-102, durch Puntallana (Casa Luján), weiter zum Cubo de la Galga, zur Bogenbrücke Puente de Los Sauces (längste Brücke Spaniens, 357 m), nach San Andrés (Altstadt, Charco Azul), Puerto Espíndola (Ron Aldea Destillerie, Mesón del Mar), Los Tilos und Barlovento. Gesamtstrecke ca. 50 km, reine Fahrzeit ca. 1,5 Stunden – mit Stopps ein ganzer Tag.

Tropisches Grün, Weitsicht, Atlantikstille — der Mirador Jardín de las Hespérides ist einer der schönsten Aussichtspunkte La Palmas.
Tropisches Grün, Weitsicht, Atlantikstille — der Mirador Jardín de las Hespérides ist einer der schönsten Aussichtspunkte La Palmas.

Alle Routen im Überblick

RouteStreckeHighlights
Caldera-HöhenstraßeLP-4, ca. 40 kmRoque de los Muchachos, Vegetationszonen, Wolkenmeer
NordwesttourLP-1, ca. 100 kmMirador del Time, Garafía, Puntagorda, Mandelhaine
NordostrouteLP-1/LP-102, ca. 50 kmCubo de la Galga, Bogenbrücke, Ron Aldea, Los Tilos

Praktische Tipps für Autofahrer

Mietwagen: Normales Kleinauto reicht für alle Hauptstraßen. Für Feldwege (Pista de Valencia, Playa de Las Cabra) ist erhöhte Bodenfreiheit empfehlenswert. Tankstellen gibt es in Los Llanos, Santa Cruz und Barlovento – abgelegene Regionen vor Fahrtantritt volltanken. GPS oder Offline-Karte empfohlen: Mobilfunknetz ist in Schluchten und Nordhängen lückenhaft.

Der Tunnel-Klima-Effekt: Auf La Palma kann sich das Wetter innerhalb von nur drei Minuten komplett verändern. Der Straßentunnel (LP-3) unter der Cumbre verbindet zwei oft völlig unterschiedliche Klimazonen: Während auf der Ostseite noch Nebel oder Regen herrschen, scheint im Westen häufig die Sonne – oder genau umgekehrt. Für Autotouren ist das ein großer Vorteil: Wenn das Wetter einmal nicht mitspielt, genügt oft eine kurze Fahrt durch den Tunnel, und schon erwartet einen eine ganz andere Wetterlage.

Praktische Tipps für Autofahrer

Caldera-Höhenstraße: LP-4 – ganzjährig; Winter: Schnee möglich, vorab prüfen

Nordwesttour: LP-1 – ganzjährig fahrbar

Nordostroute: LP-1/LP-102 – grünste Bedingungen Oktober bis März

Mietwagen: Normales Kleinauto ausreichend für Hauptstraßen

Tanken: Los Llanos und Santa Cruz haben mehrere Tankstellen

GPS-Empfang: Lückenhaft in Schluchten und Nordhängen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Route empfiehlt sich für einen einzigen Tag?

Die Caldera-Höhenstraße ist der dichteste Einzel-Tag: morgens früh von Santa Cruz aufbrechen, Roque de los Muchachos vor dem Aufziehen der Wolken erreichen, zurück über Garafía oder denselben Weg. 6–7 Stunden inklusive Pausen.

Sind die Straßen auf La Palma gefährlich?

La-Palma-Straßen sind gut gepflegt, aber oft sehr schmal. Gegenverkehr auf engen Bergstraßen erfordert Aufmerksamkeit – manchmal muss man in eine Ausweichstelle zurücksetzen. Tempo runter, Ruhe bewahren, Einheimischen Vorfahrt lassen. Nachtfahrten in den Bergen vermeiden.

Die Inselsüd-Route – Fuencaliente und Mazo

Neben den drei Hauptrouten gibt es eine vierte lohnende Fahrstrecke: die Südroute von Santa Cruz nach Fuencaliente über die LP-2. Die Route führt durch Mazo (Töpferei, Ecomuseo Belmaco, Wochenmarkt), Villa de Mazo, weiter durch die Weinbaugebiete bis zu den Leuchttürmen und Salinen von Fuencaliente. Gesamtlänge ca. 35 km, Fahrzeit ca. 1 Stunde – mit Stopps ein halber Tag.

Fahrt durch die Lavafelder Tajogaite — mitten durch das Ausbruchsgebiet 2021.
Fahrt durch die Lavafelder Tajogaite — mitten durch das Ausbruchsgebiet 2021.

Highlight auf dem Rückweg: der Abstieg nach Jedey und Tajuya, um das Lavafeld des Tajogaite von der LP-211 aus zu sehen. Hier ist das Ausmaß des Ausbruchs von 2021 am deutlichsten erlebbar – schwarze Lava bis ans Meer, neue Straßen durch das Lavafeld. Eine Kombination aus Kulturroute (Süden) und Geologiexkurs (Westküste) an einem einzigen Ausflugstag.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

www.sunhikes.com