Regen oder Sonne? – Das Doppelklima La Palmas
Man kann auf La Palma im dichten Nebelregen sitzen und nur zehn Autominuten entfernt einen Sonnenbrand riskieren. Was wie eine meteorologische Kuriosität klingt, gehört hier zum Alltag. La Palma besitzt ein ausgeprägtes Doppelklima: eine feuchte, üppig grüne Ostseite und eine sonnenverwöhnte, warme Westseite – getrennt durch den mächtigen Vulkankamm der Insel, der bis auf 2.426 Meter Höhe aufragt.

Der Nordost-Passat – Der Regisseur des Inselklimas
Der Nordost-Passat bestimmt das Wetter auf La Palma. Dieser beständige Wind transportiert feuchte Luftmassen vom Atlantik an die steilen Nord- und Osthänge der Insel. Dort steigen die Wolken auf, kühlen sich ab und regnen sich aus. Auf der windabgewandten Westseite sinkt die Luft wieder ab, erwärmt sich und sorgt für deutlich trockenere und sonnigere Bedingungen – ein klassischer Föhneffekt.
Das Ergebnis ist beeindruckend: Während es an der Ostküste rund um Santa Cruz de La Palma oder Los Cancajos häufiger bewölkt oder regnerisch sein kann, genießen Tazacorte und Puerto Naos selbst im Winter oft tagelang strahlenden Sonnenschein. Die Westküste zählt zu den sonnenreichsten Regionen des gesamten Atlantiks.
Die Inversionsschicht – Das berühmte Wolkenmeer
Auf etwa 1.000 bis 1.200 Metern Höhe bildet sich häufig eine stabile Inversionsschicht. Sie hält die feuchten Passatwolken unter sich fest, während oberhalb meist strahlender Sonnenschein herrscht.
Wer zum Roque de los Muchachos fährt, erlebt eines der spektakulärsten Naturschauspiele der Kanaren: Über den Gipfeln spannt sich ein tiefblauer Himmel, während sich darunter ein scheinbar endloses weißes Wolkenmeer ausbreitet.

Der Tunnel-Effekt – In wenigen Minuten in eine andere Klimazone
Der Cumbre-Tunnel verbindet Ost- und Westseite der Insel auf direktem Weg. Nicht selten fährt man auf der Ostseite bei Nieselregen in den Tunnel und erreicht wenige Minuten später die Westseite bei strahlendem Sonnenschein.
Viele Einheimische richten ihre Freizeit danach aus: Zeigt sich das Wetter im Osten grau und kühl, genügt oft die kurze Fahrt durch den Tunnel, um den Nachmittag an einem sonnigen Strand der Westküste zu verbringen.
Die Calima – Wenn die Sahara zu Besuch kommt
Mehrfach im Jahr erreicht La Palma eine sogenannte Calima. Dabei transportiert eine trockene Ostwindlage heiße Luft und feinsten Saharastaub bis auf die Kanarischen Inseln. Innerhalb weniger Stunden können die Temperaturen auf 35 bis über 40 Grad steigen. Gleichzeitig wird die Sicht milchig-trüb, die Luft nimmt einen trocken-sandigen Charakter an und die Sonne erscheint nur noch als blasse Scheibe am Himmel. Eine Calima dauert meist zwei bis vier Tage.

⚠️ Wichtiger Hinweis:
Während einer Calima sollten längere Wanderungen und größere körperliche Anstrengungen möglichst vermieden werden. Die feinen Staubpartikel belasten die Atemwege und gleichzeitig steigt die Waldbrandgefahr deutlich an. Dafür entstehen oft spektakuläre Sonnenuntergänge mit intensiv orangefarbenem Licht.
Klimatipps nach Reiseziel und Aktivität
| Reiseziel / Region | Beste Reisezeit | Klimahinweis |
|---|---|---|
| Westküste (Tazacorte, Puerto Naos) | Ganzjährig | Sonnenreichste Region der Insel; ideal für Winterurlaub. |
| Ostküste (Santa Cruz, Los Cancajos) | Frühling bis Herbst | Im Winter wechselhafter, im Sommer angenehm mild. |
| Hochgebirge (Roque de los Muchachos) | April bis Oktober | Im Winter sind Schnee, Eis, Sturm und Straßensperrungen möglich. |
| Lorbeerwälder (Norden und Nordosten) | Oktober bis April | Feuchteste Jahreszeit; perfekte Bedingungen für sattgrüne Wälder. |
| Wandern allgemein | März bis Mai sowie Sept. bis Nov. | Angenehme Temperaturen und meist stabile Wetterbedingungen. |
Schnee auf La Palma – kein Märchen
Ab einer Höhe von etwa 2.200 Metern ist auf La Palma im Winter durchaus mit Schnee zu rechnen – und das passiert meist sogar mehrmals in der kalten Jahreszeit. Der Gipfel des Roque de los Muchachos liegt im Januar und Februar gelegentlich unter einer dicken weißen Decke. Aus Sicherheitsgründen wird die Höhenstraße LP-4 bei extremem Wintereinbruch dann umgehend für den Verkehr gesperrt.
Für Besucher aus Mitteleuropa ist dies ein vollkommen surreales Erlebnis: Morgens sitzt man noch bei milden Temperaturen im kurzen Hemd am schwarzen Sandstrand, und am Nachmittag blickt man auf eine tief verschneite Bergkulisse mitten im Atlantik.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Seite La Palmas ist im Winter am sonnigsten?
Gibt es auf La Palma wirklich Schnee?
Wie groß sind die Temperaturunterschiede zwischen Küste und Bergen?
Warum gibt es auf La Palma so unterschiedliche Klimazonen?
Wann ist die beste Reisezeit zum Wandern auf La Palma?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


