Biosphärenreservat La Palma – die grüne Insel und ihr Naturschutz

La Palma trägt einen Titel, den man auf einer Atlantikinsel nicht unbedingt erwartet: UNESCO-Biosphärenreservat. Nicht nur ein Teil der Insel – die gesamte Insel ist seit 2002 unter diesem Schutz. Was dahintersteckt, ist mehr als ein Siegel: ein System aus Schutzgebieten, Nachhaltigkeitsregeln und einer Naturvielfalt, die auf 708 Quadratkilometern alles versammelt, was die Kanaren botanisch und geologisch zu bieten haben.

schroffe Steilküste im Naturschutzgebiet Guelguén
schroffe Steilküste im Naturschutzgebiet Guelguén

Was ein Biosphärenreservat ist

Ein UNESCO-Biosphärenreservat ist kein Nationalpark. Es ist ein Konzept, das Naturschutz und menschliche Nutzung miteinander verbindet – in drei konzentrischen Zonen. Die Kernzone (hier: der Nationalpark Caldera de Taburiente und weitere Schutzgebiete) ist streng geschützt. Die Pufferzone erlaubt eine begrenzte, naturverträgliche Nutzung. Die Übergangszone ist bewohnt und landwirtschaftlich geprägt.

La Palma wurde als gesamte Insel ausgezeichnet, weil sie diese Zonenstruktur nahezu ideal vereint: den Nationalpark im Inselinneren, ausgedehnte Lorbeer- und Kiefernwälder als Puffer sowie Dörfer und landwirtschaftliche Flächen an den Küsten. Das Biosphärenreservat-Label formalisiert damit, was geologisch und ökologisch bereits vorhanden ist.

Die Schutzgebiete im Überblick

  • Nationalpark Caldera de Taburiente (seit 1954): Das älteste und bedeutendste Schutzgebiet der Insel mit rund 4.690 Hektar.
  • Parque Natural de Las Nieves: Schützt die ausgedehnten Lorbeerwälder des Nordostens, darunter Los Tilos und weitere wertvolle Waldgebiete.
  • Naturschutzgebiet Guelguén: Bewahrt die einzigartige Steilküstenflora und wichtige Brutgebiete an der Nordküste.
    Weitere Natur- und Landschaftsschutzgebiete schützen endemische Pflanzenarten sowie seltene Vogelarten.
Nationalpark Caldera de Taburiente
Nationalpark Caldera de Taburiente

Die Artenvielfalt La Palmas

Über ein Viertel aller kanarischen Endemiten kommt ausschließlich auf La Palma vor. Bezogen auf ihre Fläche besitzt die Insel eine der höchsten Endemitendichten weltweit.

Besonders bemerkenswert sind die beiden Hochgebirgs-Tajinaste-Arten Tajinaste rosada und Tajinaste azul de la cumbre, die zu den bekanntesten endemischen Pflanzen La Palmas zählen. Auch die Tierwelt ist außergewöhnlich: Der Palma-Buchfink, die Graja (eine Unterart der Alpenkrähe mit rotem Schnabel und roten Beinen), die Lorbeertaube sowie die Westkanareneidechse gehören zu den charakteristischen Arten der Insel.

La Palma- Endemit: Tajinaste azul de la cumbre
La Palma- Endemit: Tajinaste azul de la cumbre

Nachhaltiger Tourismus auf La Palma

La Palma hat den Massentourismus nicht gewollt – und auch nicht bekommen. Mit rund 300.000 Besuchern pro Jahr bleibt die Insel weit von den Millionenströmen anderer Kanareninseln entfernt. Diese Ruhe ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung für qualitätsorientierten Tourismus statt Masse.

Das bedeutet: Keine riesigen Hotelanlagen, sondern Ferienhäuser, Casas Rurales und kleine Hotels. Keine Wasserparks, sondern über 1.000 Kilometer Wanderwege. Keine touristischen Großattraktionen, sondern authentische Natur- und Kulturerlebnisse. Genau diese Mischung macht La Palma für viele Besucher so besonders.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet das Biosphärenreservat für Urlauber?

Für Besucher ergeben sich vor allem in den Schutzgebieten klare Regeln. In Nationalpark und Naturparks gilt das Wegegebot, Pflanzen, Steine und Pilze dürfen nicht gesammelt werden, und Camping ist nur auf ausgewiesenen Plätzen beziehungsweise mit entsprechender Genehmigung erlaubt. In den bewohnten Gebieten gibt es dagegen keine besonderen Einschränkungen.

Darf man im Biosphärenreservat überall wandern?

Ja. Das hervorragend ausgebaute Wanderwegenetz gehört zu den größten Stärken La Palmas. Wichtig ist lediglich, die markierten Wege nicht zu verlassen und die Naturschutzbestimmungen zu beachten. So bleiben die empfindlichen Lebensräume und die außergewöhnliche Artenvielfalt dauerhaft erhalten.

Warum ist La Palma so viel grüner als andere Kanareninseln?

Der Nordost-Passat bringt feuchte Luftmassen auf die Insel, die sich an den Bergen stauen. Lorbeerwälder und Kanarische Kiefern gewinnen zusätzlich Feuchtigkeit aus den Wolken und speisen so den natürlichen Wasserkreislauf. Diese Kombination sorgt dafür, dass La Palma deutlich grüner und wasserreicher ist als viele der südlicher gelegenen Kanareninseln.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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