Die Benahoaritas: Die erste Gesellschaft La Palmas

Benahoare – so nannten die Ureinwohner La Palmas ihre Heimat. Der Name wird meist mit „Mein Heimatland“ oder „Meine Heimat“ übersetzt. Lange bevor europäische Seefahrer den Atlantik überquerten, lebte auf der Insel bereits eine eigenständige Kultur mit eigenen Traditionen, Glaubensvorstellungen und Lebensweisen.

Archäologische Stätte Cuevas de Buracas
Archäologische Stätte Cuevas de Buracas

Woher die Benahoaritas ursprünglich kamen, gilt heute weitgehend als geklärt: Genetische Untersuchungen und sprachliche Hinweise zeigen eine enge Verbindung zu den Berbervölkern Nordafrikas. Die Besiedlung La Palmas erfolgte vermutlich im ersten Jahrtausend vor Christus. Wie die Menschen den Atlantik überquerten, bleibt jedoch ein Rätsel – konkrete Nachweise für ihre Boote oder die Art der Überfahrt wurden bislang nicht gefunden.

Leben und Gesellschaft der Benahoaritas

Die Benahoaritas organisierten sich in verschiedenen Stammesgebieten und lebten als Hirten und Sammler in enger Verbindung mit der Landschaft ihrer Insel. Ihre wichtigsten Nutztiere waren Ziegen, Schafe und Schweine – besonders bedeutend war jedoch auch der Hund, der bei den Ureinwohnern eine wichtige Rolle spielte. Vom lateinischen Wort Canis leitet sich vermutlich auch der Name der Kanarischen Inseln ab.

Zu ihren wichtigsten Nahrungsmitteln gehörten Milchprodukte, Fleisch und Gofio – geröstetes Getreidemehl, das bis heute ein Grundbestandteil der kanarischen Küche ist. Als Wohnorte nutzten die Benahoaritas vor allem natürliche und erweiterte Felshöhlen, die Schutz vor Wind und Wetter boten. Einige dieser archäologischen Stätten können noch heute besucht werden:

  • Cuevas de Buracas (Garafía): Ein beeindruckender Höhlenkomplex bei Las Tricias im Nordwesten La Palmas, umgeben von alten Drachenbäumen und einer besonderen Kulturlandschaft.
  • Cueva Belmaco (Mazo): Eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten der Insel und ein wichtiger Ort für die Erforschung der Benahoaritas.
  • El Tendal (San Andrés y Sauces): Eine der wichtigsten archäologischen Fundstätten im Nordosten mit einem modernen Besucherzentrum.

Ihre Keramik fertigten die Benahoaritas vollständig von Hand ohne Töpferscheibe. Die traditionelle Herstellung und Verzierung von Keramik wird auf La Palma bis heute in Kunsthandwerkswerkstätten bewahrt.

Das Ecomuseo Belmaco in Mazo
Das Ecomuseo Belmaco in Mazo

Petroglyphen: Die rätselhaften Zeichen im Stein

Die faszinierendsten Hinterlassenschaften der Benahoaritas sind ihre Petroglyphen – in den Basalt geritzte Spiralen, Mäander, Kreise und geometrische Muster. Auf La Palma existieren zahlreiche Fundstellen mit diesen geheimnisvollen Felsgravuren. Zu den bekanntesten gehören:

  • Kulturpark La Zarza y La Zarcita bei Garafía
  • Cueva Belmaco bei Mazo
  • El Calvario bei Santo Domingo de Garafía

Die Bedeutung dieser Zeichen ist bis heute nicht endgültig geklärt. Da die Benahoaritas keine bekannte Schriftsprache hinterließen, können die Symbole nur anhand archäologischer Vergleiche interpretiert werden. Häufig werden religiöse Zusammenhänge vermutet – etwa Bezüge zu Sonne, Mond, Wasser oder Fruchtbarkeit –, diese Deutungen bleiben jedoch wissenschaftlich nicht abschließend bewiesen.

Petroglyphen der Benahoaritas auf La Palma
Petroglyphen der Benahoaritas auf La Palma

Das Ende der Benahoaritas

Das Ende der eigenständigen Kultur begann mit der spanischen Eroberung La Palmas in den Jahren 1492 bis 1493 unter Alonso Fernández de Lugo. Besonders bekannt ist der Widerstand von Tanausú, dem letzten Herrscher des Königreichs Aceró in der heutigen Caldera de Taburiente. Erst durch eine List gelang es den Spaniern, ihn gefangen zu nehmen. Seine Geschichte gilt bis heute als Symbol für den Freiheitswillen der alten Inselbewohner.

Viele Benahoaritas starben während der Kämpfe oder wurden trotz bestehender Schutzbestimmungen versklavt. Die verbliebenen Ureinwohner wurden im Laufe der folgenden Generationen in die neue Gesellschaft integriert. Ihre Sprache und viele ihrer ursprünglichen Bräuche verschwanden – doch ihre Spuren sind bis heute sichtbar. Geblieben sind Petroglyphen, Keramiktraditionen, zahlreiche Ortsnamen und archäologische Fundstätten, die von der ersten großen Kulturgeschichte La Palmas erzählen.

Museumstipp: Auf den Spuren der Benahoaritas

Wer die Geschichte der Ureinwohner intensiver kennenlernen möchte, sollte das Museo Arqueológico Benahoarita (MAB) in Los Llanos de Aridane besuchen. Das moderne Museum zeigt Werkzeuge, Keramik, Schmuck, menschliche Überreste und rekonstruierte Lebensbereiche der Benahoaritas. Es gilt als wichtigste Einrichtung zur Erforschung der vorspanischen Geschichte La Palmas und ist eine ideale Ergänzung zu Wanderungen und Besuchen der archäologischen Fundstätten.

Fazit:

Die Benahoaritas hinterließen keine schriftlichen Chroniken und keine monumentalen Städte. Ihre Geschichte erzählt sich in Höhlen, Felsgravuren und alten Ortsnamen. Die geheimnisvollen Petroglyphen erinnern bis heute an eine Kultur, die eng mit der Landschaft La Palmas verbunden war – lange bevor die Insel ihren heutigen Namen erhielt.

Häufige Fragen

Woher kamen die Benahoaritas?

Die Benahoaritas stammten ursprünglich aus Nordafrika und waren eng mit den Berbervölkern verbunden. Die Besiedlung La Palmas erfolgte vermutlich im ersten Jahrtausend vor Christus. Wie genau sie die Insel erreichten, ist bis heute nicht vollständig geklärt.

Was bedeutet der Name Benahoare?

Benahoare wird meist mit „Mein Heimatland“ oder „Meine Heimat“ übersetzt. Der Name zeigt, dass die Insel für ihre Bewohner nicht nur ein Lebensraum, sondern eine tief verwurzelte Heimat mit eigener Identität war.

Wo kann man Spuren der Benahoaritas auf La Palma sehen?

Besonders sehenswert sind die Cuevas de Buracas bei Las Tricias (Garafía), der Archäologiepark Cueva Belmaco bei Mazo, die Fundstätte El Tendal sowie der Kulturpark La Zarza y La Zarcita mit seinen berühmten Petroglyphen.

Was bedeuten die Spiralen und Zeichen der Petroglyphen?

Die genaue Bedeutung der Felsgravuren ist unbekannt. Da die Benahoaritas keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen, bleiben viele Interpretationen offen. Vermutet werden religiöse oder symbolische Bedeutungen im Zusammenhang mit Natur, Wasser und kosmischen Vorstellungen.

Gibt es heute noch Nachfahren der Benahoaritas?

Ja. Obwohl ihre Sprache und eigenständige Kultur nach der Eroberung verschwanden, zeigen genetische Untersuchungen, dass viele heutige Palmeros noch Erbgut der ursprünglichen Inselbevölkerung in sich tragen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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