Geschichte La Palmas: Von den Benahoaritas bis Tajogaite

Es gibt Orte, die historisch weitaus größer sind als ihre geografische Fläche. La Palma ist so ein Ort. Die Insel, die ihre Ureinwohner Benahoare nannten, blickt auf eine faszinierende Geschichte zurück: von einer jahrtausendealten Inselkultur über ein goldenes Handelszeitalter bis zu den gewaltigen Veränderungen durch den Vulkan Tajogaite im Jahr 2021.

Steinritzzeichnungen der Benahoaritas auf La Palma

Die Benahoaritas: Ureinwohner La Palmas

Lange vor der Ankunft der Europäer war La Palma von den Benahoaritas besiedelt. Sie werden im Tourismus häufig fälschlicherweise als „Guanchen“ bezeichnet – dieser Begriff bezeichnet historisch jedoch ausschließlich die Ureinwohner Teneriffas. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die Benahoaritas eng mit den Berbervölkern Nordafrikas verwandt waren. Wann genau sie die Insel erreichten, lässt sich nicht eindeutig bestimmen; vermutlich geschah dies bereits vor mehr als 2.000 Jahren.

Sie lebten als Hirten und Sammler in natürlichen Höhlen und einfachen Steinsiedlungen, organisiert in verschiedenen Stammesgebieten. Bis heute zeugen rätselhafte Petroglyphen und Felsgravuren von ihrer Kultur – etwa im Kulturpark La Zarza oder bei El Tendal. Die Bedeutung dieser spiralförmigen und geometrischen Zeichen bleibt bis heute ein faszinierendes Rätsel. Das Ende dieser Epoche kam mit der spanischen Eroberung durch Alonso Fernández de Lugo, die nach heftigen Kämpfen im Jahr 1493 abgeschlossen wurde.

Historische Persönlichkeit: Tanausú

Der wohl bekannteste Herrscher der Benahoaritas war Tanausú, Anführer des Königreichs Aceró in der heutigen Caldera de Taburiente. Nach seiner Gefangennahme soll er auf der Überfahrt nach Spanien jede Nahrung verweigert haben und auf See gestorben sein. Bis heute gilt er als Symbol für den Widerstand der Ureinwohner.

Das Goldene Zeitalter: La Palma als Atlantikzentrum

Im 16. und 17. Jahrhundert erlebte La Palma seine glanzvollste Epoche. Dank ihrer strategischen Lage im Atlantik und besonderer Handelsprivilegien entwickelte sich Santa Cruz de La Palma zu einem der wichtigsten Häfen des Spanischen Weltreichs.

Die Insel durfte direkt mit Amerika handeln und wurde zu einer Drehscheibe für Zucker, Wein, Wachs und Seide. Besonders der Zuckerrohranbau und der berühmte Malvasia-Wein sorgten für großen Wohlstand. Auch die traditionelle Seidenproduktion spielte eine wichtige Rolle: In El Paso wird diese jahrhundertealte Handwerkskunst bis heute bewahrt und gehört zu den letzten vollständig traditionellen Seidenproduktionen Europas.Kaufleute aus Flandern, Portugal, Genua und England ließen sich auf La Palma nieder. Sie prägten die Architektur von Santa Cruz mit den berühmten Holzbalkonen und hinterließen kulturelle Spuren, die bis heute sichtbar sind.

Denkmalgeschützte Balkonhäuser — koloniales Erbe Santa Cruz de La Palmas.
Balkonhäuser — koloniales Erbe Santa Cruz de La Palmas.

Der Reichtum der Insel zog jedoch auch Piraten an. 1553 griff der französische Korsar François Le Clerc, genannt „Holzbein“, Santa Cruz de La Palma an und verwüstete große Teile der Stadt. In der Folge entstanden mächtige Verteidigungsanlagen, die noch heute an diese bewegte Zeit erinnern.

Der Niedergang des Goldenen Zeitalters erfolgte nicht plötzlich, sondern entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte. Der Zusammenbruch des internationalen Zuckermarktes sowie der Verlust wichtiger Handelsprivilegien zugunsten von Teneriffa und Gran Canaria führten dazu, dass Santa Cruz seine frühere Bedeutung als Atlantikhafen langsam verlor.

Die Indianos: Auswanderung und Rückkehr

Das 19. Jahrhundert war von wirtschaftlicher Not geprägt. Viele Palmeros verließen ihre Heimat und wanderten vor allem nach Kuba und Venezuela aus. Einige kehrten später als wohlhabende Auswanderer zurück – auf den Kanaren als Indianos bekannt. Sie brachten neue Ideen, internationale Erfahrungen und ihren erworbenen Wohlstand mit zurück auf die Insel. Prächtige Herrenhäuser, elegante Architektur und die Kultur der kubanischen Zigarren erinnern noch heute an diese Epoche.

Besonders lebendig bleibt diese Geschichte beim berühmten Día de los Indianos am Rosenmontag: In Santa Cruz de La Palma kleidet man sich in Weiß, trägt Panamahüte, erinnert mit Zigarren und Musik an die Rückkehrer aus der Karibik und feiert eine der außergewöhnlichsten Traditionen der Kanaren.

Das 20. und 21. Jahrhundert

Nach schwierigen Jahrzehnten im 20. Jahrhundert begann mit dem internationalen Flughafen La Palma, der bereits 1970 bei Mazo eröffnet wurde, eine neue Ära. Der moderne Tourismus entwickelte sich jedoch erst langsam: Größere Besucherzahlen entstanden vor allem ab den späten 1970er Jahren und verstärkt in den 1990er Jahren. Im Gegensatz zu Teneriffa oder Gran Canaria setzte La Palma nie auf Massentourismus. Die Insel bewahrte ihren ursprünglichen Charakter und wurde besonders für Wanderer, Naturliebhaber und Individualreisende attraktiv.

Denkmalgeschützte Balkonhäuser — koloniales Erbe Santa Cruz de La Palmas.
Ausbruch des Tajogaite am 19. September 2021 – der folgenreichste Vulkanausbruch La Palmas seit Jahrzehnten

Das jüngste Kapitel der Inselgeschichte schrieb der Vulkan Tajogaite im Jahr 2021. Die Eruption dauerte 85 Tage und veränderte die Landschaft des Aridane-Tals dauerhaft. Rund 1.200 Hektar Land wurden von Lava bedeckt, etwa 3.000 Gebäude zerstört und neue Lavazonen an der Küste geschaffen. Der Ausbruch zeigte eindrucksvoll, dass La Palmas Geschichte nicht nur von Menschen geschrieben wird – sondern auch von den gewaltigen Kräften der Erde.

Geschichte La Palmas auf einen Blick

ca. 1. Jahrtausend v. Chr. – Besiedlung durch die Benahoaritas
1492–1493 – Kastilische Eroberung unter Alonso Fernández de Lugo
1553 – Piratenangriff durch François Le Clerc
16.–17. Jahrhundert – Blütezeit des Atlantikhandels
19. Jahrhundert – Auswanderung nach Kuba und Venezuela
1970 – Eröffnung des neuen Flughafens
ab 1990 – Entwicklung des Wandertourismus
2021 – Ausbruch des Vulkans Tajogaite

Fazit:

La Palma trägt Geschichte in jeder Gasse, jeder Schlucht und jedem Vulkankegel. Von den geheimnisvollen Petroglyphen der Benahoaritas über den kolonialen Glanz von Santa Cruz bis zum jungen Vulkan Tajogaite erzählt die Insel von Widerstandskraft, Wandel und einer einzigartigen Verbindung zwischen Mensch und Natur.

Häufige Fragen

Wer waren die Benahoaritas auf La Palma?

Die Benahoaritas waren die Ureinwohner La Palmas. Sie stammten wahrscheinlich von nordafrikanischen Berbergruppen ab und lebten über viele Jahrhunderte als Hirten und Sammler auf der Insel. Der Begriff „Guanchen“ wird häufig verwendet, ist historisch aber eigentlich nur für die Ureinwohner Teneriffas korrekt.

Wer war Tanausú und warum ist er für La Palma wichtig?

Tanausú war der letzte Herrscher des Königreichs Aceró in der heutigen Caldera de Taburiente. Er leistete erbitterten Widerstand gegen die spanische Eroberung und wurde 1493 durch eine List gefangen genommen. Seine Geschichte gilt als Symbol für den Freiheitswillen der alten Palmeros.

Warum war Santa Cruz de La Palma früher so bedeutend?

Im 16. und 17. Jahrhundert gehörte Santa Cruz de La Palma zu den wichtigsten Häfen des Spanischen Weltreichs. Durch den Handel mit Amerika gelangte die Stadt zu großem Reichtum und entwickelte eine internationale Bedeutung, die sich noch heute in der Architektur widerspiegelt.

Warum feiern die Menschen auf La Palma den Día de los Indianos?

Der Día de los Indianos erinnert an die Palmeros, die im 19. Jahrhundert nach Kuba und Venezuela auswanderten und später wohlhabend zurückkehrten. Das Fest findet am Rosenmontag statt und verbindet karibische Traditionen mit der Geschichte der Insel.

Welche Bedeutung hat der Vulkan Tajogaite für La Palma?

Der Tajogaite-Ausbruch von 2021 war der jüngste große Vulkanausbruch der Insel. Er veränderte die Landschaft im Aridane-Tal nachhaltig und schuf neue Lavaflächen an der Küste. Heute gehört das junge Vulkangebiet bereits zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen La Palmas.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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