Naturpark Cumbre Vieja: Der lebende Vulkankamm La Palmas
Der Parque Natural de Cumbre Vieja umfasst ein knapp 75 Quadratkilometer großes Gebiet im Süden La Palmas. Er erstreckt sich über fünf Gemeinden und schützt einen der geologisch aktivsten und landschaftlich eindrucksvollsten Bereiche der Kanarischen Inseln. Vulkankegel, weite Schlackeflächen, Lavafelder unterschiedlicher Epochen und ausgedehnte Kanarenkiefernwälder bilden eine Landschaft, die wie ein lebendiges Lehrbuch der vulkanischen Geschichte wirkt.

Kaum ein anderer Ort der Kanaren macht die Entstehung einer Vulkaninsel so anschaulich wie die Cumbre Vieja. Über Jahrtausende formten zahlreiche Eruptionen Schlackenkegel, Aschefelder und Lavaströme, deren unterschiedliche Altersstufen noch heute deutlich erkennbar sind.
Was den Naturpark auszeichnet
Die Cumbre Vieja ist kein Naturpark im klassischen Sinne, der eine unveränderte Landschaft bewahrt. Vielmehr handelt es sich um ein aktives vulkanisches System. Der Ausbruch des Tajogaite im Jahr 2021 veränderte Teile des Schutzgebiets dauerhaft. Seither lässt sich beobachten, wie Flechten, Moose und erste Pionierpflanzen die erkalteten Lavaflächen langsam zurückerobern. Der Naturpark zeigt eindrucksvoll, wie sich nach einem Vulkanausbruch Schritt für Schritt neues Leben entwickelt.

Die Landschaft wird fast vollständig von Kanarenkiefernwäldern, jungen Lavafeldern, Vulkanasche und den markanten Kratern historischer Eruptionen geprägt. Mit zunehmender Höhe gehen die Kiefern in offene Vulkanlandschaften über. Die Kanarische Kiefer zählt zu den wenigen Baumarten weltweit, die selbst schwere Waldbrände überstehen können. Dank ihrer dicken Borke und schlafender Knospen treibt sie nach einem Feuer häufig erneut aus – eine außergewöhnliche Anpassung an die natürlichen Bedingungen der Insel.
Trotz der scheinbar kargen Vulkanlandschaft bietet der Naturpark zahlreichen spezialisierten Tierarten Lebensraum. Häufig zu beobachten sind die ausschließlich auf La Palma vorkommende Unterart der Kanareneidechse (Gallotia galloti palmea), der Kanaren-Gecko (Tarentola delalandii) sowie die auffällige Graja, die palmerische Alpenkrähe mit ihrem roten Schnabel. In den Kiefernwäldern lebt außerdem der La-Palma-Buchfink, während Turmfalken regelmäßig über den Vulkanhängen kreisen.
Wandern im Naturpark
Der Weitwanderweg GR-131 (Ruta de los Volcanes) ist der bekannteste Wanderweg des Naturparks. Er verläuft über den gesamten Kammrücken – vom Refugio El Pilar auf rund 1.400 Metern Höhe bis nach Fuencaliente – und führt an den wichtigsten Vulkankegeln der Cumbre Vieja vorbei. Mit einer Länge von über 20 Kilometern zählt die Route zu den anspruchsvollsten Ganztageswanderungen La Palmas. Das Refugio El Pilar ist über die LP-3 sowohl von El Paso als auch von Villa de Mazo gut erreichbar.

Die Strecke führt überwiegend über schattenlose Asche- und Lavaflächen. Unterwegs gibt es weder Einkehrmöglichkeiten noch Wasserstellen. Deshalb sollten insbesondere an warmen Tagen ausreichend Sonnenschutz sowie mindestens zwei bis drei Liter Trinkwasser pro Person mitgeführt werden.
Praktischer Tipp:
Da es sich um eine Streckenwanderung handelt, empfiehlt es sich, die Rückfahrt bereits vorab zu planen. Viele Wanderer nutzen vom Ziel in Fuencaliente aus ein Taxi oder den Linienbus zurück zum Refugio El Pilar.
Besucherinformation Tajogaite
Das unmittelbare Umfeld des Vulkans Tajogaite ist aus Sicherheits- und Naturschutzgründen teilweise nur im Rahmen offiziell geführter Touren zugänglich. Je nach aktueller Lage können einzelne Bereiche vorübergehend gesperrt sein. Die klassische Ruta de los Volcanes (GR-131) ist davon jedoch in der Regel nicht betroffen und kann regulär begangen werden.

Fazit:
Der Naturpark Cumbre Vieja gehört zu den faszinierendsten Vulkanlandschaften Europas. Hier lässt sich erleben, wie Vulkanismus auch heute noch Landschaften formt und neues Leben entstehen lässt. Die Ruta de los Volcanes zählt dabei zu den eindrucksvollsten Wanderungen der Kanarischen Inseln.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen dem Naturpark Cumbre Vieja und dem Nationalpark Caldera de Taburiente?
Kann man im Refugio El Pilar übernachten oder campen?
Warum heißt die Cumbre Vieja „alter Gebirgskamm“, obwohl hier der jüngste Vulkan entstanden ist?
Kann man den Tajogaite frei besuchen?
Wie anspruchsvoll ist die Ruta de los Volcanes?
Wann ist die beste Jahreszeit für Wanderungen in der Cumbre Vieja?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


