Die Fauna La Palmas: Klein, endemisch und übersehen

La Palma ist kein Safari-Ziel. Wer Löwen oder Elefanten sucht, ist hier falsch. Aber wer genau hinschaut — auf Steinen, in Gebüschen, im Lorbeerwald, unter der Wasseroberfläche — entdeckt eine Fauna, die in ihrer Eigenartigkeit überwältigt: Endemische Eidechsen mit blauen Kehlen. Tauben, deren Vorfahren seit Millionen Jahren in den Lorbeerwäldern der Kanaren überlebt haben. Geckos, die lautlos an Wänden laufen. Und vor der Küste Wale und Delfine, die das Glück haben, in einem der saubersten Gewässer Europas zu leben.

Kanareneidechse (Gallotia galloti palmea)

Vögel: Der Lorbeerwald als Refugium

Rund 50 Vogelarten kommen regelmäßig auf La Palma vor. Besonders auffällig ist die Graja (Pyrrhocorax pyrrhocorax barbarus), die palmerische Unterart der Alpenkrähe. Mit ihrem tiefschwarzen Gefieder, den leuchtend roten Beinen und dem gebogenen roten Schnabel gehört sie zu den markantesten Vögeln der Insel. Vor allem rund um den Roque de los Muchachos und in den Hochlagen ist sie häufig zu beobachten.

Graja – palmerische Unterart der Alpenkrähe.
Graja – palmerische Unterart der Alpenkrähe.

Im Lorbeerwald leben zwei der seltensten Waldtauben Europas: die Lorbeertaube (Columba junoniae), die sich unter anderem an ihrem hellen Schwanzendband erkennen lässt, sowie die Bolles Lorbeertaube (Columba bollii), deren dunkler Schwanz ohne helles Endband sie von ihrer Verwandten unterscheidet. Beide gelten als Charakterarten der Laurisilva und sind eng an diesen uralten Wald gebunden.

Auch der La-Palma-Buchfink (Fringilla coelebs palmae) entwickelte sich zu einer eigenen Unterart und fällt durch sein dunkleres Gefieder auf. Häufig zu beobachten sind außerdem Turmfalke, Kanarenpieper und verschiedene Meeresvögel entlang der Küste.

La-Palma-Buchfink (Fringilla coelebs palmae)
La-Palma-Buchfink (Fringilla coelebs palmae)

Reptilien: Eidechsen und Geckos

Die häufigste Wildtierbegegnung auf La Palma ist die mit der Palmerischen Kanareneidechse (Gallotia galloti palmea). Diese Unterart kommt ausschließlich auf La Palma vor. Besonders die Männchen fallen während der Paarungszeit durch ihre leuchtend blauen Flecken an Kehle und Flanken auf.

Kanaren-Gecko (Tarentola delalandii)
Kanaren-Gecko (Tarentola delalandii)

Ebenso typisch ist der Kanaren-Gecko (Tarentola delalandii), ein endemischer Bewohner der westlichen Kanaren. Er lebt häufig an Hauswänden, Mauern und Felsen und ernährt sich von Mücken, Motten und anderen Insekten. Für den Menschen ist er völlig harmlos und ein nützlicher Mitbewohner.

Meerestierwelt und Wale

Die Gewässer vor La Palma gehören zu den artenreichsten Meeresregionen der Kanaren. Schnorchler und Taucher begegnen regelmäßig Papageienfischen (Vieja), Muränen, Barrakudas, Rochen und Meeresschildkröten.

Europäischer Papageienfisch (Sparisoma cretense), auf den Kanaren „Vieja“
Europäischer Papageienfisch (Sparisoma cretense), auf den Kanaren „Vieja“

Vor allem die Westküste zählt zu den besten Whale-Watching-Gebieten des Archipels. Hier werden das ganze Jahr über Grindwale und verschiedene Delfinarten gesichtet. Mit etwas Glück lassen sich auch Große Tümmler, Zügeldelfine oder auf ihren Wanderungen Finnwale und Blauwale beobachten. Nachhaltige Bootstouren ab Tazacorte bieten ausgezeichnete Möglichkeiten zur Tierbeobachtung.

Europäischer Papageienfisch (Sparisoma cretense), auf den Kanaren „Vieja“
Mehrere Delfinarten tummeln sich ganzjährig vor La Palma.

Neben der Tierwelt im Meer begeistert La Palma auch Schmetterlingsfreunde. Der auffällige Afrikanische Monarch (Danaus chrysippus) ist besonders in den Gärten und Küstenregionen der Westseite regelmäßig zu sehen.

Afrikanischer Monarch (Danaus chrysippus)
Afrikanischer Monarch (Danaus chrysippus)

Fazit:

La Palmas Fauna ist kein Spektakel — sie ist ein Versprechen für alle, die hinschauen. Die blauen Eidechsen, die Lorbeertauben, die Wale vor der Westküste: Sie gehören zur Insel genauso wie der Roque und die Caldera.

Häufige Fragen

Gibt es gefährliche Tiere auf La Palma?

Nein. Auf La Palma gibt es weder Giftschlangen noch gefährliche Säugetiere. Lediglich der seltene Kanarische Skolopender kann schmerzhaft zubeißen. Im Meer treten gelegentlich Quallen auf.

Wo kann man Wale und Delfine beobachten?

Die besten Chancen bieten Bootsausflüge ab Tazacorte. Vor der Westküste werden ganzjährig Grindwale und verschiedene Delfinarten gesichtet.

Wo lassen sich Lorbeertauben beobachten?

Die besten Beobachtungsgebiete sind die Lorbeerwälder von Los Tilos und dem Cubo de la Galga. Besonders in den frühen Morgenstunden sind die scheuen Vögel aktiv.

Woran erkennt man die Graja?

Die Graja besitzt schwarzes Gefieder, rote Beine und einen langen roten Schnabel. Sie ist vor allem in den Hochlagen rund um den Roque de los Muchachos sehr häufig anzutreffen.

Welche Reptilien leben auf La Palma?

Die Insel beherbergt die ausschließlich auf La Palma vorkommende Unterart der Kanareneidechse sowie den Kanaren-Gecko. Beide sind harmlos und gehören zu den häufigsten tierischen Begleitern bei Wanderungen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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