Die Wolfsmilchgewächse La Palmas: Überleben als Kunst

Wer zum ersten Mal an der Küste La Palmas entlangfährt, wundert sich über die eigenartigen Pflanzen am Wegesrand: aufrechte, vielästige Gewächse mit grünen Ruten, die keine Blätter haben und in ihrer Form an riesige Kandelaber erinnern. Es sind Wolfsmilchgewächse — Euphorbien — und sie gehören zu den Anpassungsmeistern des trockenen, salzigen Küstenklimas der Kanaren. Wer sie für Kakteen hält, liegt biologisch daneben: Kakteen stammen aus Amerika; Euphorbien sind afrikanischen Ursprungs. Aber sie haben, unter ähnlichem Selektionsdruck, ähnliche Formen entwickelt — ein lehrreiches Beispiel konvergenter Evolution.

schroffe Küste La Palmas mit Wolfsmilchgewächsen
schroffe Küste La Palmas mit Wolfsmilchgewächsen

Die Kandelaberwolfsmilch (Euphorbia canariensis)

Die Kandelaberwolfsmilch ist das Flaggschiff der kanarischen Euphorbiaceae. Auf La Palma prägt sie die Küstenzone bis etwa 500 Meter Höhe. Ihre mehrlästige, aufrechte Form kann bis zu 4 Meter Höhe erreichen; in günstigen Standorten bilden Exemplare kleine Wäldchen, die sich über Hänge erstrecken. Das weißliche Milchharz ist giftig und sollte nicht berührt werden — es kann Hautreizungen und Augenschmerzen verursachen.

Kandelaberwolfsmilch (Euphorbia canariensis)
Kandelaberwolfsmilch (Euphorbia canariensis)

Tabaiba und die anderen Wolfsmilcharten

Neben der Kandelaberwolfsmilch gibt es auf La Palma mehrere Tabaiba-Arten. Die Süße Tabaiba (Euphorbia balsamifera) galt bereits bei den Benahoaritas als wertvolle Nutzpflanze. Ihr Milchsaft wurde unter anderem zum Abdichten von Gefäßen und in der traditionellen Heilkunde verwendet. Heute gehört sie zu den typischen Pionierpflanzen trockener Küsten- und Lavaflächen und besiedelt selbst junge Vulkanlandschaften.

Tabaiba
Tabaiba

In den trockenen Küstenregionen geht die Wolfsmilchzone allmählich in eine thermophile Vegetationszone mit wärmeliebenden Gehölzen wie Palmen, wilden Oliven und Sadebäumen über. Erst in den feuchten Nord- und Nordostlagen schließt sich darüber der Lorbeerwald an. In dieser Übergangszone wachsen unter anderem die Baumwolfsmilch (Euphorbia obtusifolia, oft auch als Euphorbia regis-jubae bezeichnet) sowie zahlreiche endemische Aeonien. Die charakteristischen Rosettenpflanzen begeistern mit ihren dekorativen Blättern und meist weißen bis gelben Blütenständen. Mehr als 35 Aeonium-Arten sind auf den Kanaren heimisch, viele davon kommen ausschließlich auf einzelnen Inseln vor und stehen unter besonderem Schutz.

Fazit:

Die Wolfsmilchgewächse gehören zu den ersten Pflanzen, denen man an den Küsten La Palmas begegnet – und zugleich zu den faszinierendsten Bewohnern der trockenen Inselregionen. Ihre außergewöhnlichen Anpassungen an Hitze und Wassermangel, ihre Bedeutung für die Inselgeschichte und ihre wichtige Rolle im Ökosystem machen sie zu einer der charakteristischsten Pflanzengesellschaften der Kanaren.

Häufige Fragen

Sind Wolfsmilchpflanzen auf La Palma giftig?

Ja, fast alle. Der weiße Milchsaft der Kandelaberwolfsmilch und der meisten Tabaiba-Arten ist stark ätzend und giftig. Eine bekannte Ausnahme ist die Süße Tabaiba, deren Saft ungiftig ist – dennoch sollte man vorsichtshalber den Kontakt mit Augen und Schleimhäuten bei allen Arten meiden.

Wo wachsen Wolfsmilchgewächse auf La Palma?

Vor allem in den trockenen Küstenregionen sowie an sonnigen Hängen bis etwa 500 Meter Höhe. Von dort geht die Vegetation in die thermophile Übergangszone mit Palmen, Sadebäumen und wilden Oliven über.

Sind Wolfsmilchgewächse Kakteen?

Nein. Obwohl sie Kakteen ähneln, gehören sie zu einer anderen Pflanzenfamilie. Die Ähnlichkeit entstand durch konvergente Evolution – also die Anpassung an ähnliche Lebensbedingungen.

Welche Aeonien wachsen auf La Palma?

Auf La Palma kommen mehrere endemische Aeonium-Arten vor, darunter das Palmen-Tellerkraut (Aeonium davidbramwellii) und das und das Christ-Tellerkraut (Aeonium canariense subsp. christii). Typisch sind ihre grünen Rosetten sowie weiße bis gelbe Blüten.

Warum sind Wolfsmilchgewächse für La Palma so wichtig?

Sie prägen die Landschaft der trockenen Küstenregionen, bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und gehören zu den ersten Pflanzen, die junge Lavafelder nach Vulkanausbrüchen besiedeln.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

www.sunhikes.com