Der Drachenbaum: La Palmas urältestes Naturerbe

Manch einer nennt ihn den Drachen-Baum, weil sein Harz rot ist wie Blut. Manch einer nennt ihn so, weil beim Abschlagen eines Astes — wie beim Drachen — immer neue Triebe nachwachsen. Die Wahrheit ist: Niemand weiß es genau. Doch der Name Dracaena draco begleitet diesen Baum seit Jahrhunderten. Der Drachenbaum kann älter werden als viele menschliche Bauwerke und politische Reiche Europas und ist auf La Palma eines der eindrucksvollsten Symbole für die außergewöhnliche Naturgeschichte der Insel.

Der Drachenbaum wächst auf La Palma in größerer Dichte als auf jeder anderen Kanareninsel
Der Drachenbaum wächst auf La Palma in größerer Dichte als auf jeder anderen Kanareninsel

Der Drachenbaum gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) und ist botanisch gesehen keine klassische Baumart, sondern eine monokotyle Pflanze – eine einkeimblättrige Pflanze ohne echtes sekundäres Dickenwachstum. Genau das macht die Altersbestimmung schwierig: Der Drago bildet keine Jahresringe wie ein gewöhnlicher Laubbaum. Man kann zwar die Verzweigungen zählen, doch diese Methode liefert nur ungefähre Hinweise.

Biologie des Drachenbaums

Der Stamm ist dick, zylinderförmig und mit einer rötlichbraunen Rinde versehen. In seiner Jugend wächst der Drago zunächst als einzelner, unverzweigter Stamm. Erst nach etwa 15 bis 30 Jahren bildet er die erste Verzweigung – ein Prozess, der mit der ersten Blüte zusammenfällt. Danach blüht der Drachenbaum in unregelmäßigen Abständen etwa alle 10 bis 15 Jahre. Jede Blüte leitet dabei eine neue Verzweigung ein und lässt die typische schirmartige Krone weiter wachsen. Die Blüten sind grünlich-weiß und länglich; später wachsen braun-orangefarbene Beeren in Kirschgröße.

Blick ins Geäst eines Drachenbaums
Blick ins Geäst eines Drachenbaums

Das dunkelrote Harz des Drachenbaums heißt Drachenblut und wurde bereits in der Antike und im Mittelalter für Heilsalben, Farben und Lacke genutzt. Die Ureinwohner La Palmas, die Benahoaritas, verwendeten das Harz vermutlich für medizinische Zwecke und bei rituellen Anwendungen. Später wurde Drachenblut von europäischen Händlern als wertvoller Rohstoff gehandelt. Besonders berühmt wurde das Harz als natürlicher Farbstoff und Bestandteil hochwertiger Lacke. Selbst der legendäre Geigenbauer Antonio Stradivari soll Drachenblut zur Färbung und Veredelung seiner weltberühmten Violinen genutzt haben.

Die schönsten Standorte auf La Palma

Las Tricias in Garafía ist der bekannteste Standort. Der Wanderweg zu den Cuevas de Buracas führt an Hunderten von Exemplaren vorbei, manche davon mit Kronendurchmessern von über zehn Metern. Am Mirador de Los Dragos in Puntagorda steht eines der bekanntesten alten Exemplare der Insel. Der imposante Baum wurde nach einem Sturm im Jahr 1993 durch Stützmauern gesichert und ist heute eines der eindrucksvollsten Naturdenkmäler des Nordwestens.

Drachenbaum im Nordwesten La Palmas
Drachenbaum im Nordwesten La Palmas

Auch in El Tablado stehen mehrere große Drachenbäume, die das Dorfbild prägen. Fast jedes Dorf in Garafía hat seinen Drago vor der Kirche oder am Dorfplatz — als lebendes Wahrzeichen einer Tradition, die länger reicht als das Spanische auf der Insel.

Fazit:

Der Drachenbaum ist La Palmas lebendes Gedächtnis — älter als der Tourismus, älter als die Straßen, älter als die meisten menschlichen Erinnerungen auf dieser Insel. Las Tricias ist für den Drachenbaum das, was Stonehenge für die Megalithkultur ist: ein Ort, an dem sichtbar wird, wie weit Naturgeschichte und menschliche Geschichte zurückreichen.

Häufige Fragen

Wie alt kann ein Drachenbaum werden?

Drachenbäume können mehrere hundert Jahre alt werden. Manche besonders große Exemplare werden auf 500 bis 600 Jahre oder mehr geschätzt. Eine exakte Altersbestimmung ist schwierig, da der Drago keine Jahresringe bildet. Botaniker orientieren sich deshalb an Größe, Verzweigung und historischen Aufzeichnungen.

Wo findet man die schönsten Drachenbäume auf La Palma?

Zu den schönsten Standorten gehören Las Tricias bei Garafía, der Bereich um die Cuevas de Buracas sowie der Mirador de Los Dragos bei Puntagorda. Las Tricias bietet den größten Bestand, während Puntagorda eine besonders eindrucksvolle Begegnung ohne lange Wanderung ermöglicht.

Wächst der Drachenbaum nur auf La Palma?

Nein. Dracaena draco kommt auch auf anderen Kanarischen Inseln sowie in Teilen Marokkos und auf den Kapverden vor. La Palma besitzt jedoch einige der schönsten und dichtesten natürlichen Bestände, besonders im Nordwesten der Insel.

Warum heißt der Drachenbaum Drachenbaum?

Der Name geht wahrscheinlich auf das rote Harz zurück, das beim Verletzen des Stammes austritt und wie Blut aussieht. Dieses sogenannte Drachenblut wurde schon in der Antike wegen seiner Farbe und seiner besonderen Eigenschaften geschätzt. Die genaue Herkunft des Namens ist jedoch nicht eindeutig überliefert.

Warum bildet der Drachenbaum keine Jahresringe?

Der Drachenbaum gehört botanisch zu den monokotylen Pflanzen und wächst anders als typische Laubbäume. Sein Stamm verdickt sich nicht durch klassische Jahresringe. Deshalb lässt sich sein Alter nicht einfach anhand des Holzes bestimmen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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