Der Calima: Wenn die Sahara La Palma besucht

Man spürt ihn, bevor man ihn sieht. Die Luft wird trockener, das Licht verändert sich – ein mattes Orangebraun statt des gewohnten Atlantikblaus. Dann hängt der Horizont in einem milchigen Dunst, die Sonne wirkt wie durch Pergament, und auf allen Oberflächen liegt ein feiner rötlicher Staub. Willkommen beim Calima – dem Wetterphänomen, das La Palma mehrmals im Jahr erreicht und die Insel für einige Tage in eine völlig andere Atmosphäre taucht.

Calima – Saharastaub über La Palma.
Calima – Saharastaub über La Palma.

Starke und extreme Calima-Lagen mit außergewöhnlicher Hitze treten meist nur ein- bis zweimal im Jahr auf. Leichtere Ausläufer kommen jedoch deutlich häufiger vor – besonders im Winter erkennt man sie oft nur an der ungewöhnlich warmen Luft, dem diesigen Horizont und dem Saharastaub auf Fahrzeugen und Fenstern.

Was ist ein Calima?

Ein Calima ist eine trockene Luftströmung aus östlichen Richtungen, die Saharastaub von Nordafrika über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln transportiert. Die feinen Partikel können über weite Entfernungen getragen werden und schweben oft in Höhen zwischen etwa 1.000 und 4.000 Metern über dem Meer.

Der Staub bleibt während einer Calima-Lage als orangebrauner Schleier in der Luft hängen und verändert das Licht der Insel. Kommt es ausnahmsweise gleichzeitig zu Niederschlag, werden die Staubpartikel ausgewaschen und können den sogenannten Blutregen verursachen – eine rötliche Verfärbung von Regenwasser und Oberflächen.

Ein Calima dauert meist wenige Tage. Die stärksten Wetterlagen treten häufig im Sommer auf, besonders zwischen Juli und September, können aber auch in den Übergangsjahreszeiten und im Winter auftreten. Meteorologen kündigen stärkere Ereignisse meist ein bis zwei Tage vorher an; aktuelle Informationen liefern die Wetterdienste der Kanaren und die spanische Wetterbehörde AEMET.

Hitze in den Bergen: Der besondere Calima-Effekt auf La Palma

Eine Besonderheit des Calimas auf La Palma ist die ungewöhnliche Temperaturverteilung. Die warme Saharaluft gleitet häufig als trockene Luftschicht über die kühlere Atlantikluft und führt dazu, dass es in den mittleren Höhenlagen und Bergen deutlich heißer werden kann als direkt am Meer.

Während Orte wie El Paso, Tijarafe oder die Hochlagen rund um den Roque de los Muchachos extreme Temperaturen erreichen können, bleibt es an der Küste durch den Einfluss des Atlantiks oft deutlich angenehmer. Ein Calima kann deshalb im Inselinneren Temperaturen von über 40 °C bringen, während es an Stränden wie Tazacorte oder Puerto Naos spürbar kühler sein kann.

Wie verhält man sich während eines Calima?

Intensive sportliche Aktivitäten im Freien sollten während einer starken Calima-Lage vermieden werden. Die feinen Staubpartikel können tief in die Atemwege gelangen und besonders für Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen belastend sein. Wer draußen unterwegs ist, sollte ausreichend trinken, direkte Mittagshitze vermeiden und gegebenenfalls eine Sonnenbrille tragen. Bei empfindlichen Personen kann eine leichte Atemschutzmaske sinnvoll sein.

Auch die Waldbrandgefahr steigt während eines Calimas deutlich an: Die Luft ist trocken, die Vegetation verliert Feuchtigkeit und warme Fallwinde können Feuer begünstigen. Offenes Feuer ist auf La Palma ohnehin streng verboten.

Nach einem Calima müssen häufig Fahrzeuge, Fenster und Solarpanele gereinigt werden, denn der feine Saharastaub setzt sich überall ab. Für Fotografen hat das Phänomen allerdings auch eine besondere Seite: Das diffuse Saharalicht erzeugt weiche Kontraste und eine fast unwirkliche Stimmung.

Calima und Tourismus

Ein Calima trifft meist nur kurzfristig ein und bestimmt selten einen gesamten Urlaub. Wer die Wetterentwicklung beobachtet, kann flexibel reagieren.

Calima-Tage eignen sich gut für Museumsbesuche, entspannte Stunden in der Unterkunft oder Aktivitäten in geschützten Bereichen. Wer dennoch hinaus möchte, findet an der Küste oft die angenehmsten Bedingungen: Durch die kühlende Meeresbrise ist es dort häufig deutlich erträglicher als in den aufgeheizten Bergen.

Fazit:

Der Calima ist La Palmas afrikanischer Besucher – trocken, warm und manchmal spektakulär. Er verändert Licht, Landschaft und Temperaturen innerhalb weniger Stunden. Wer das Phänomen versteht, kann die Insel auch während einer Saharawetterlage genießen und die ungewöhnliche Atmosphäre bewusst erleben.

Häufige Fragen

Wie oft gibt es einen Calima auf La Palma?

La Palma erlebt mehrmals im Jahr Calima-Wetterlagen. Starke Ereignisse mit extremer Hitze und dichtem Saharastaub sind seltener und treten meist ein- bis zweimal jährlich auf. Leichte Calimas erkennt man oft nur an trockener Luft, warmer Witterung und einem milchigen Horizont.

Ist ein Calima gefährlich?

Für gesunde Menschen ist ein Calima normalerweise nicht gefährlich, kann aber unangenehm sein. Die trockene Luft und die feinen Staubpartikel können die Atemwege belasten. Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen sollten körperliche Anstrengungen im Freien reduzieren.

Kann man während eines Calima an den Strand gehen?

Ja. Gerade die Küstenbereiche können während eines Calimas angenehmer sein als die aufgeheizten Berge. Die Sicht ist jedoch oft eingeschränkt, und Staub in der Luft kann die Strandatmosphäre verändern. Durch die Meeresbrise bleiben Orte wie Tazacorte oder Puerto Naos häufig vergleichsweise erträglich.

Warum ist es während eines Calima in den Bergen heißer als am Meer?

Die warme Saharaluft erreicht La Palma häufig als trockene Luftschicht in mittleren und höheren Lagen. Dadurch können Orte wie El Paso oder die Höhenlagen deutlich heißer werden als die Küste, wo der Atlantik weiterhin kühlend wirkt.

Kann man während eines Calima wandern?

Wandern ist grundsätzlich möglich, sollte aber angepasst werden. Besonders Höhenwege und offene Vulkanlandschaften können bei Calima extrem heiß und trocken sein. Frühe Morgenstunden, ausreichend Wasser und die Prüfung der Wetterwarnungen sind wichtig.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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