Die Caldera de Taburiente: Kein Vulkankrater, sondern ein Erosionswunder
Wer zum ersten Mal an den Rand der Caldera de Taburiente tritt — am besten an der La Cumbrecita, wenn sich der Wald öffnet und plötzlich der gesamte Kessel erscheint — steht vor einem landschaftlichen Mysterium. Ein nahezu kreisförmiger Gebirgskessel von rund acht Kilometern Durchmesser. Felswände, die stellenweise fast 2.000 Meter zum Talboden abfallen. Kiefernwälder an den Hängen, ein silbern schimmernder Bachlauf im Tal, Wasserfälle in den Schluchten. Ringsum erhebt sich die mächtige Kammzone der Caldera, unterbrochen nur vom Barranco de las Angustias – dem einzigen natürlichen Abfluss.

Die Caldera de Taburiente ist eine der größten Erosionscalderas der Welt. Was wie ein Vulkankrater aussieht, ist in Wirklichkeit das Gegenteil: keine Explosion, sondern Erosion. Jahrmillionen lang haben Wasser und Schwerkraft den Vulkan von innen ausgehöhlt. Riesige Erdrutsche haben den Kraterkessel vergrößert. Das, was heute als Caldera sichtbar ist, ist die Skulptur des Wassers — nicht des Feuers.

Heute gehen Geologen davon aus, dass die Caldera de Taburiente nicht durch ein einzelnes Ereignis entstand, sondern durch das Zusammenspiel von Vulkanismus, tiefgreifender Erosion und wiederholten großflächigen Hangrutschungen über Millionen von Jahren.
Entstehung und Geologie
La Palma begann vor rund 2 Millionen Jahren als Unterwasservulkan, der vom Meeresgrund (4.000 Meter Tiefe) bis über die Wasseroberfläche wuchs. Der nördliche Teil der Insel, auf dem die Caldera liegt, ist der ältere: Ein gewaltiger Schichtvulkan baute sich auf und wurde — durch massive Einstürze und die Kraft des Wassers — von innen ausgehöhlt. Der einzige natürliche Abfluss ist der Barranco de las Angustias, durch den das Wasser der Caldera ins Meer bei Tazacorte gelangt.

Im Inneren der Caldera sind Gesteinsschichten sichtbar, die normalerweise tief unter dem Meeresspiegel liegen: Basaltkomplexe, Kissenlava (Pillow Lava), die einst am Meeresgrund entstand. Der Innenboden der Caldera liegt auf etwa 430 Metern Höhe; der höchste Punkt des Kamms am Roque de los Muchachos auf 2.426 Metern. Die Höhendifferenz innerhalb der Caldera ist beeindruckend – und einer der Gründe, warum die klassische Durchquerung von Los Brecitos über die Playa de Taburiente bis durch den Barranco de las Angustias zu den eindrucksvollsten Wanderungen La Palmas zählt.

Der Nationalpark
Die Caldera de Taburiente wurde 1954 zum Nationalpark erklärt und gehört damit zu den ältesten Nationalparks Spaniens. Das Schutzgebiet umfasst 4.682 Hektar und bewahrt ausgedehnte Bestände der Kanarischen Kiefer, spektakuläre Felslandschaften sowie zahlreiche endemische Pflanzenarten. Um die empfindliche Natur zu schützen, gelten besondere Besuchsregelungen. Für den Parkplatz an La Cumbrecita ist eine vorherige Online-Reservierung erforderlich. Im Nationalpark gilt ein strenges Feuerverbot, und Übernachtungen sind ausschließlich auf dem offiziellen Campingplatz Playa de Taburiente erlaubt.

Fazit:
Die Caldera de Taburiente ist ein Naturphänomen ohnegleichen — entstanden durch das Zusammenwirken von Vulkan, Wasser und Zeit. Wer sie einmal von innen erlebt hat, versteht, was La Palma von allen anderen Inseln unterscheidet.
Häufige Fragen
Ist die Caldera de Taburiente ein Vulkankrater?
Wie groß ist die Caldera de Taburiente?
Wann wurde die Caldera zum Nationalpark erklärt?
Warum gibt es in der Caldera so viel Wasser?
Welche Wanderung ist die bekannteste in der Caldera?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


