Wanderung Barranco Fagundo und El Tablado
Der Barranco Fagundo zählt zu den beeindruckendsten Schluchten La Palmas: tiefe Einschnitte, fast senkrechte Felswände, Erosionsformationen in verschiedensten Brauntönen und eine Vegetation, die zwischen Wolfsmilchgewächsen an den trockenen Hängen und Lorbeerwaldvegetation in den feuchten Schluchttiefen wechselt. El Tablado liegt direkt am Rand dieser Schlucht und bietet den idealen Ausgangspunkt.

Durch El Tablado führt der Camino Real, der durch den Barranco nach Juan Adalid führt. Ein steiler Zickzackweg führt hinab in die Tiefe. Eine rund dreiviertelstündige Wanderung von El Tablado aus führt zum Grund der Schlucht. Die Wanderung ist anspruchsvoll, aber die herrlichen Ausblicke auf die Küste machen jeden Schritt lohnend.
Die Schlucht Barranco Fagundo gehört zu dem Naturschutzgebiet Guelguén. Seltene Endemiten lassen sich an den Felsen der Schlucht finden. Dem üppig wachsenden Lorbeerwald in den höheren Regionen verdankt der Barranco seine Aufnahme ins Schutzgebiet.
Routenfakten auf einen Blick
| Routentyp | Hin- und Zurück (El Tablado → Schluchtboden → zurück) |
|---|---|
| Distanz | ca. 4–6 km |
| Höhenmeter | ca. 300–400 Hm Abstieg / Aufstieg |
| Dauer | ca. 2:30–3:30 Stunden |
| Schwierigkeit | moderat bis schwer (schwindelfrei, Steilabschnitte) |
| Startpunkt | El Tablado, Mirador Barranco Fagundo (El Moral) |
| Wegmarkierung | Camino Real (alter Weg, teilweise markiert) |
| Schutzgebiet | Naturschutzgebiet Guelguén |
| Ausrüstung | Wasser, festes Schuhwerk, Sonnenschutz, Regenschutz |

Anfahrt und Startpunkt
El Tablado liegt an der LP-1, Abfahrt nahe Roque del Faro über eine schmale asphaltierte Stichstraße. Startpunkt: Mirador Barranco Fagundo (auch El Moral), der den Ortseingang von El Tablado auf der westlichen Seite markiert. Von hier öffnet sich der erste freie Blick in die Tiefe der Schlucht.
Die Schlucht im Detail
El Tablado bis Schluchtboden
Von El Tablado auf den alten Camino Real, der steil in Zickzack-Kehren in die Schlucht hinabführt. Die Felsformationen wechseln von Basalt zu verfärbtem Schiefer und wieder zu Basalt — ein geologisches Profil der vulkanischen Geschichte La Palmas in Schichtung. In den trockenen Hangzonen: Wolfsmilch, roter Ampfer, verschiedene Natternkopf-Arten in Blau, Rosa und Weiß.

Der Weg ist anspruchsvoll: steile Abschnitte, rutschiger Untergrund nach Regen, exponierte Passagen an den Steilhängen. Die Entschädigung: Mit jedem Meter Abstieg öffnet sich ein neues Bild — die Schluchtwände von beiden Seiten, das Meer am Horizont, der Weg, der von oben auf der anderen Seite sichtbar war.
Die Mündungszone
Der Camino Real führt zum Fuß der Schlucht, das Meer in Sichtweite. Die Mündungszone des Barranco Fagundo ist einer der eindrucksvollsten geologischen Punkte der Nordküste: Die Schlucht trifft auf die Steilküste, die Felswände fallen ins Meer ab. Der Weg entlang der Felswände an der Mündung ist das stärkste Bild dieser Route.

Vegetation der Schlucht: Endemiten und Lorbeerwald
Die Vegetation der Schlucht Barranco Fagundo ist außergewöhnlich artenreich. An den sonnenbeschienenen Steilhängen dominieren Euphorbiaceen-Arten: Tabaiba dulce, Cardón, verschiedene Wolfsmilcharten. In den feuchten Nordlagen: Baumheide (Erica arborea), kanarischer Lorbeer (Laurus novocanariensis), Barbusano und Farne. An den Felsüberhängen wachsen seltene Endemiten, die nur in diesen Schluchthabitaten überleben — geschützt vor Sonne, Frost und Ziegen.

Der Lorbeerwald in den höheren Regionen der Schlucht ist der Grund für die Aufnahme in das Naturschutzgebiet Guelguén. Das Guelguén-Schutzgebiet ist das bedeutendste Lorbeerwaldschutzgebiet der Nordküste La Palmas — neben Los Tilos im Osten der Insel.
El Tablado: das Dorf am Abgrund
El Tablado auf einem Bergrücken zwischen Barranco Fagundo (links) und Barranco de los Hombres (rechts) zu sehen ist ein unvergessliches Bild. Das Dorf hängt buchstäblich zwischen zwei Abgründen — von beiden Seiten fallen die Schluchten hunderte Meter tief ab. Die alten Drachenbäume im Ort, die Häuser aus Lavastein, die weiten Atlantikblicke: El Tablado ist eines der eigentümlichsten und eindrucksvollsten Dörfer La Palmas.

Beste Reisezeit
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
|---|---|---|
| Frühjahr (März–Mai) | Natternkopf blüht in Blau und Rosa | Botanisch beste Zeit |
| Sommer (Juni–Aug) | Schlucht kühl und schattig | Angenehm auch bei Hitze |
| Herbst (Sept–Nov) | Klare Sicht auf die Küste | Bestes Licht für die Mündungszone |
| Winter (Dez–Feb) | Regen häufig; Pfade rutschig | Steilabschnitte nach Regen heikel |

Unterkunft: Garafía — Clariso
El Tablado liegt im Gemeindegebiet Garafía. Ferienhäuser auf clariso.eu — Ferienhäuser Garafía. Casa Julia in Las Tricias liegt direkt am Rand des Barranco de Izcaqua.
Kombinierbare Touren
Der Barranco Fagundo lässt sich ideal mit den GR-130-Etappen ab El Tablado kombinieren. Wer die Schlucht morgens besucht, hat nachmittags noch Energie für:
| Tour | Daten | Charakter |
|---|---|---|
| El Tablado nach Gallegos (GR-130) | 9,4 km, schwer | Östliche GR-130-Etappe ab El Tablado |
| El Tablado nach Santo Domingo de Garafía | 13,2 km, schwer | Westliche GR-130-Etappe |
| Franceses – La Fajana – El Tablado | 6,5 km, schwer | Ankunft in El Tablado |

GPS-Track und 3D-Routenplaner
Für den Abstieg durch die Schlucht ist ein GPS-Track empfehlenswert — der Camino Real ist nicht immer einheitlich markiert. Mit dem kostenlosen 3D-Routenplaner lässt sich der Schluchtabstieg mit dem GR-130 zu einer großen Nordküsten-Tagestour kombinieren — direkt im Browser, ohne App.
3D-Routenplaner von Sunhikes — Route individuell anpassen und kombinieren
Praktische Tipps
Notruf 112. Festes Schuhwerk Pflicht — steile, rutschige Abschnitte. Keine Einkehrmöglichkeit in der Schlucht. El Tablado hat keine Versorgung — Proviant von zuhause mitbringen.
Hinweis: Naturschutz
Naturschutzgebiet Guelguén. Wegegebot, Abfallmitnahme. Keine Entnahme von Pflanzen oder Mineralien.
Häufige Fragen
Was ist Juan Adalid?
Wie tief ist der Barranco Fagundo?
Natternkopf im Barranco Fagundo: Blüte im Frühjahr
Der Barranco Fagundo ist im Frühjahr eines der eindrucksvollsten Blütenschauspiele der Nordküste: Verschiedene Natternkopf-Arten (Echium) blühen in Blau, Rosa und Weiß an den Steilhängen. Die blaue Echium simplex und die rote Echium aculeatum sind die auffälligsten. Die Vegetation kombiniert diese farbenprächtigen Blüher mit dem Grün des roten Ampfers und den silbern-grauen Wolfsmilchgewächsen — ein Farbkonzert, das kein Gartenkatalog replizieren kann.

Der seltene Natternkopf Echium gentianoides, der auch im Naturreservat Pinar de Garafía vorkommt, wächst in dieser Schlucht an besonders exponierten Felsstandorten. Diese Art ist auf La Palma endemisch — sie kommt nirgendwo sonst auf der Welt vor. Die Schlucht Barranco Fagundo ist damit nicht nur geologisch bedeutend, sondern auch floristisch: ein Schutzraum für Arten, die anderswo verschwunden sind.
Die historische Verbindung El Tablado – Juan Adalid
Der Camino Real durch den Barranco Fagundo nach Juan Adalid ist einer der ältesten Verbindungswege der Nordküste. In einer Zeit ohne Straßen war diese Verbindung die einzige Möglichkeit für die Bewohner El Tablados, die Küste zu erreichen. Güter wurden auf Maultieren transportiert, Waren zu Schiff von der Küste angeliefert. Juan Adalid war der Hafenpunkt dieses Systems — ein kleiner Weiler mit großer logistischer Bedeutung für die Gemeinde Garafía.

Die Wanderung in den Barranco Fagundo ist keine klassische Streckenwanderung mit einem definierten Endpunkt im touristischen Sinne. Sie ist eine Erkundung: Man steigt hinunter, so weit es Kondition und Zeit erlauben, und kehrt auf demselben Weg zurück. Der Weg nach Juan Adalid ist die vollständige Version, aber schon nach 300–400 Hm Abstieg vom Mirador öffnet sich die Schlucht so vollständig, dass das Ziel erreicht ist: diesen Barranco wirklich gesehen zu haben.
Wer El Tablado mit dem Auto besucht und die Schlucht am frühen Morgen auskundschaftet, verbindet dies ideal mit einer der GR-130-Etappen am selben oder nächsten Tag. Die Kombination Schluchtabstieg Fagundo (morgens) + El Tablado nach Gallegos (nachmittags) ist für konditionsstarke Wanderer ein voller und unvergesslicher Wandertag.
Höhlen im Schluchtgestein: Wohnungen und Ställe
Die Höhlen und Felsüberhänge im Barranco Fagundo wurden jahrhundertelang als Viehställe und zeitweise als Wohnungen genutzt. Diese Praxis — Abrigo genannt — ist typisch für die Nordküste La Palmas: Wenn kein Holz und kein Stein für ein Haus vorhanden ist, bietet der Fels selbst Schutz. Reste von Mauern, die Höhlenöffnungen teilweise verschlossen, sind noch an mehreren Stellen der Schlucht sichtbar. Diese Spuren menschlicher Nutzung sind nicht weniger bedeutsam als die geologischen Formationen.

Wer die Schlucht von oben kennt — vom GR-130 auf der El-Tablado-nach-Gallegos-Route — und sie dann von innen erkundet, erlebt eine völlig andere Raumwahrnehmung. Von oben: ein Einschnitt im Plateau. Von innen: ein Ort mit eigener Akustik, eigenem Klima, eigener Fauna und Flora. Dieser Doppelblick auf den Barranco Fagundo ist eines der lohnendsten Erlebnisse, das die Nordküste La Palmas zu bieten hat.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


