Tajogaite 2021 – 85 Tage, die La Palma veränderten

Am 19. September 2021 um 15:12 Uhr Ortszeit öffnete die Erde bei El Paraíso einen Riss. Innerhalb von Minuten floss Lava. Innerhalb von Stunden wurden die ersten Menschen evakuiert. Was folgte, waren 85 Tage Feuer, Asche und Ungewissheit – der längste Vulkanausbruch in der dokumentierten Geschichte La Palmas, der erste, den die ganze Welt in Echtzeit verfolgte.

Aschewolke des Tajogaite über dem Pico Bejenado
Aschewolke des Tajogaite über dem Pico Bejenado

Der Ausbruch begann nicht ohne Vorwarnung. Seit September 2021 hatte ein Schwarmbeben die Insel unter sich gehabt – Hunderte von kleinen Erschütterungen täglich, die das Gestein unter der Cumbre Vieja aufspannten. Als das stärkste Beben (Magnitude 3,8) registriert wurde, wussten die Geologen: Es wird passieren. Nur wo und wann genau – das wusste niemand.

Die ersten 48 Stunden

Der Ausbruch begann nicht ohne Vorwarnung. Seit Anfang September 2021 hatte ein intensiver Schwarmbeben-Prozess die Insel in Atem gehalten – Hunderte kleiner Erschütterungen täglich spannten das Gestein unter der Cumbre Vieja auf. Als schließlich das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,8 registriert wurde, wussten die Geologen: Eine Eruption stand unmittelbar bevor. Nur Ort und Zeitpunkt blieben bis zuletzt ungewiss.

Die anschließende Evakuierung begann geordnet und schnell. Rund 7.000 Menschen mussten in den ersten zwei Tagen ihre Häuser verlassen – eine logistische Leistung, die international viel Anerkennung fand. Bis auf ein tragisches Unglück bei Reinigungsarbeiten auf einem aschebedeckten Hausdach, bei dem ein 72-jähriger Mann ums Leben kam, gab es keine direkten Todesopfer durch die Eruption.

Die Bilder, die um die Welt gingen, zeigten dennoch die ganze Tragik: Häuser wurden langsam von der Lava verschluckt, Plantagen unter meterdicken Lavaströmen begraben und Familien mussten zusehen, wie ihre Heimat verschwand.

85 Tage Eruption – die Zahlen

Der Tajogaite-Ausbruch dauerte vom 19. September bis zum 13. Dezember 2021 – 85 Tage, 5 Stunden und 8 Minuten.

Leuchtende Lava des Tajogaite bei Nacht – Blick von Tajuya auf den Ausbruch 2021
Leuchtende Lava des Tajogaite bei Nacht – Blick von Tajuya auf den Ausbruch 2021
MerkmalWert
Dauer85 Tage, 5 Stunden und 8 Minuten
Von Lava bedeckte Fläche1.219 Hektar
Zerstörte oder beschädigte Gebäudeüber 3.000
Neue Küstendeltas (Fajanas)zwei
Neu entstandenes Landrund 49 Hektar
Besonderheitjüngste Landformation Europas

Mit dem Erreichen des Atlantiks entstanden zwei neue Küstendeltas (Fajanas), die zusammen rund 49 Hektar Neuland schufen. Gleichzeitig bildeten sich neue Basaltküsten und Unterwasserriffe, die bereits von ersten Organismen besiedelt werden. Das Lavafeld gehört heute zu den jüngsten Landschaften Europas.

Puerto Naos und La Bombilla – das lange Warten

Die Badeorte Puerto Naos und La Bombilla lagen nach dem Ausbruch in der Einflusszone vulkanischer Ausgasungen. Kohlendioxid (CO₂) und Schwefeldioxid (SO₂) sammelten sich in Gebäuden und tiefer gelegenen Bereichen, weshalb beide Orte über mehrere Jahre nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich waren.

Der Wiederöffnungsprozess war lang und von großer Vorsicht geprägt. Zahlreiche Gassensoren überwachten die betroffenen Gebiete, bevor diese schrittweise wieder freigegeben wurden. Seit 2025 sind Puerto Naos und La Bombilla weitgehend wieder für Bewohner und Besucher zugänglich.

La Palma heute – Aufbau und Resilienz

Was die Insel seit dem Ausbruch geleistet hat, ist bemerkenswert. Neue Straßen wurden durch das Lavafeld gebaut, abgeschnittene Ortsteile wieder verbunden und zahlreiche Familien konnten in ihre Heimat zurückkehren oder neue Häuser errichten. Gleichzeitig entwickelte sich das Lavafeld zu einem Ort des Erinnerns und Verstehens.

Das Aschefeld am Volcán Tajogaite – stille Zeugin des 85 Tage langen Ausbruchs

Der Tajogaite zählt heute zu den bedeutendsten neuen Ausflugszielen La Palmas. Aussichtspunkte wie der Mirador de Las Hoyas oder der Lavafeld-Weg zwischen Tajuya und Jedey vermitteln eindrucksvoll, welche Kräfte hier im Jahr 2021 gewirkt haben. Wer heute über das schwarze Basaltgestein blickt, steht auf einer Landschaft, die 2026 noch keine fünf Jahre alt ist.

Was das Lavafeld heute erzählt

Wer das Tajogaite-Lavafeld besucht, erlebt ein Paradox: Der Ort steht zugleich für Zerstörung und Neubeginn. Informationstafeln erinnern an verschwundene Häuser und Straßen, während auf dem jungen Basalt bereits die ersten Moose und Tabaibas Fuß fassen.

Eine geführte Tour vermittelt dabei weit mehr als geologische Fakten. Viele der lokalen Guides stammen selbst aus den betroffenen Gemeinden und erzählen die Geschichten der Menschen, die hier ihr Zuhause verloren haben. So wird der Besuch nicht nur zu einem Naturerlebnis, sondern auch zu einem eindrucksvollen Einblick in die jüngste Geschichte La Palmas.

Tipp:

Der neue Vulkankegel selbst darf nur im Rahmen zertifizierter Führungen betreten werden. Das Gelände außerhalb der freigegebenen Bereiche ist weiterhin gesperrt, da instabile Lavafelder und erhöhte Gaskonzentrationen auftreten können.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum heißt der Vulkan Tajogaite und nicht Cumbre Vieja?

Die Cumbre Vieja bezeichnet den vulkanischen Gebirgszug im Süden La Palmas. Tajogaite ist dagegen der Name des neuen Vulkankegels, der beim Ausbruch von 2021 entstand. Der Name stammt aus der Sprache der Benahoaritas, der Ureinwohner La Palmas, und bezieht sich auf das historische Flurgebiet Tajogaite. Er wird häufig mit „gespaltener Berg“ oder „Ort des aufgebrochenen Berges“ übersetzt.

Kann man den Tajogaite besichtigen und ist das Lavafeld für Touristen zugänglich?

Ja. Der Vulkan gehört heute zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten La Palmas. Von Aussichtspunkten wie dem Mirador de Tajuya, dem Mirador de Las Hoyas oder auf ausgeschilderten Wegen lässt sich das Gebiet aus nächster Nähe erleben. Das unbefugte Verlassen der markierten Zonen ist jedoch verboten. Der neue Vulkankegel sowie Teile des inneren Lavafeldes dürfen ausschließlich im Rahmen einer zertifizierten, geführten Tour betreten werden.

Wie heiß ist die Lava heute noch?

Die Oberfläche der erstarrten Lava ist inzwischen weitgehend abgekühlt. Im Inneren des Lavafeldes können jedoch auch Jahre nach dem Ausbruch noch deutlich erhöhte Temperaturen gemessen werden. Deshalb bleiben Teile des Gebietes gesperrt und dürfen nur mit autorisierten Guides betreten werden.

Kann der Tajogaite erneut ausbrechen?

Der konkrete Vulkankegel gilt derzeit als inaktiv. Da La Palma jedoch eine junge Vulkaninsel ist, können zukünftige Ausbrüche grundsätzlich jederzeit an anderen Stellen der Cumbre Vieja auftreten. Wann und wo dies geschieht, lässt sich nicht vorhersagen.

Wie groß war der wirtschaftliche Schaden?

Der Ausbruch zerstörte oder beschädigte mehr als 3.000 Gebäude, zahlreiche Straßen sowie große landwirtschaftliche Flächen. Besonders betroffen war der Bananenanbau im Aridane-Tal. Der Gesamtschaden wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

Kann man den Tajogaite heute besichtigen?

Ja. Der Vulkan gehört heute zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten La Palmas. Von Aussichtspunkten wie dem Mirador de Tajuya, dem Mirador de Las Hoyas oder auf geführten Wanderungen lässt sich das jüngste Vulkangebiet Europas aus nächster Nähe erleben. Dabei erhält man zugleich spannende Einblicke in die Geologie und die Ereignisse des Jahres 2021.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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