Miel de Palma – flüssiges Gold aus dem Palmenstamm

Miel de Palma ist kein Honig. Das klingt nach Einschränkung – ist aber eine Auszeichnung. Denn während Honig immer Honig bleibt, ist Miel de Palma etwas, das nur auf wenigen Inseln der Welt in dieser Form existiert: ein Sirup aus dem frischen Saft der Kanarischen Dattelpalme (Phoenix canariensis), eingekocht bis zu einem dunkelbraunen, dickflüssigen, karamellig-harzig schmeckenden Konzentrat, das La Palma auf einem Löffel zusammenfasst.

Miel de Palma, Sirup aus dem frischen Saft der Kanarischen Dattelpalme.
Miel de Palma, Sirup aus dem frischen Saft der Kanarischen Dattelpalme.

Die Benahoaritas – die Ureinwohner La Palmas – kannten Miel de Palma bereits vor der spanischen Conquista. Sie zapften den Saft der Palmen und nutzten ihn als Süßungsmittel, als Energiequelle auf langen Wanderungen und als Zutat in der einfachen Küche des Hochgebirges. Während die traditionelle Herstellung heute fast ausschließlich auf der Nachbarinsel La Gomera stattfindet, ist der dunkle Sirup aus der Küche La Palmas bis heute nicht wegzudenken. Diese Tradition hat die Kolonisation, die Industrialisierung und zwei Weltkriege überstanden. Heute wird Miel de Palma von wenigen Traditionsbetrieben hergestellt, die wissen, dass Masse hier keine Option ist.

Der heute im Handel erhältliche Palmensirup stammt nahezu ausschließlich von der Nachbarinsel La Gomera und gehört dort zu den bekanntesten traditionellen Spezialitäten. Auf La Palma ist er jedoch fester Bestandteil vieler regionaler Gerichte und in Supermärkten, Feinkostgeschäften und Restaurants weit verbreitet.

Wie Miel de Palma hergestellt wird

Die Gewinnung des Palmensirups ist reine Handarbeit. Ein erfahrener Guarapero steigt in die Krone der Kanarischen Dattelpalme und schneidet den jungen Vegetationsbereich vorsichtig an. Über Nacht tropft der süße Palmensaft – der Guarapo – in ein Auffanggefäß. Anschließend wird der Saft mehrere Stunden schonend eingekocht, bis der aromatische, dunkelbraune Sirup entsteht. Die Palme wird dabei nicht gefällt und kann sich nach einer Ruhezeit wieder regenerieren.

Das Ergebnis ist ein dunkelbrauner Sirup mit der Konsistenz von flüssigem Karamell und einem Aroma, das an Ahornsirup, Karamell, Kiefernharz und etwas Meer gleichzeitig erinnert. Ein Baum ergibt in einer Saison 20–30 Liter Sirup.

Wie man Miel de Palma verwendet

Das klassische kanarische Frühstück: Gofio (geröstetes Getreidemehl) mit ein wenig Wasser zu einem Brei angerührt, mit Miel de Palma gesüßt. Das ist nicht Retro – das ist das Frühstück, das Menschen in den Bergdörfern La Palmas gegessen haben, solange es La Palma gibt.

Queso asado mit Mojo und Miel de Palma – drei Zutaten, ein unvergessliches Gericht
Queso asado mit Mojo und Miel de Palma – drei Zutaten, ein unvergessliches Gericht

Als Finishing-Sirup auf Queso asado – der Tropfen Miel de Palma auf dem gegrillten Ziegenkäse, der das Gericht erst vollständig macht. Als Glasur für gebratene Kochbananen (eine Minute in der Pfanne, ein Schuss Miel de Palma, fertig). Im Joghurt, im Müsli, in Vinaigrettes. Als Basis für kanarische Desserts: Bienmesabe, Príncipe Alberto. Und auf Brot mit Butter – wer das einmal gegessen hat, kauft Miel de Palma immer wieder.

Wo man Miel de Palma kauft

Auf La Palma findet man Miel de Palma auf fast allen lokalen Bauernmärkten, in Delikatessengeschäften sowie in allen größeren Supermärkten (HiperDino, Spar) als Standardprodukt im Regal. Je nach Hersteller kostet eine Flasche mit etwa 250 ml meist zwischen 5 und 8 Euro. Günstiger als vergleichbare Qualitätsprodukte in deutschen Feinkostläden, wo Miel de Palma kaum zu finden ist. In allen größeren Supermärkten (HiperDino, Spar) als Standard-Produkt.

Als Mitbringsel: perfekt – günstig, kompakt, langlebig (hält bei kühler, lichtdichter Lagerung mehrere Jahre), und für Menschen, die gerne kochen, ein echter Treffer. In Deutschland in keinem normalen Supermarkt erhältlich.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Miel de Palma und Ahornsirup?

Beide sind eingekochte Baumsäfte, aber von verschiedenen Pflanzen und mit verschiedenem Aromaprofil. Ahornsirup kommt vom Ahornbaum, Miel de Palma von der kanarischen Dattelpalme. Miel de Palma ist dunkler, karamellig-harziger und weniger süß als Ahornsirup. Als Substitut in Rezepten funktioniert Ahornsirup – aber identisch ist er nicht.

Ist Miel de Palma echter Honig?

Nein. Trotz des traditionellen Namens handelt es sich nicht um Bienenhonig, sondern um einen Sirup, der aus dem eingekochten Saft der Kanarischen Dattelpalme hergestellt wird. Deshalb wird er häufig auch als Sirope de Palma bezeichnet.

Woher stammt Miel de Palma?

Der heute erhältliche Palmensirup wird traditionell auf der Nachbarinsel La Gomera hergestellt. Auf La Palma gehört er dennoch zu vielen regionalen Gerichten und ist in Supermärkten, Delikatessengeschäften und Restaurants problemlos erhältlich.

Wie schmeckt Miel de Palma?

Der Sirup besitzt ein intensives Aroma mit Noten von Karamell, Malz und einer feinen harzigen Würze. Viele vergleichen ihn mit Ahornsirup – allerdings mit deutlich kräftigerem Geschmack.

Wozu passt Miel de Palma?

Besonders beliebt ist die Kombination mit gegrilltem Ziegenkäse (Queso asado), Gofio, Naturjoghurt, Pfannkuchen, Desserts oder frischem Obst. Auch zu Vanilleeis oder gereiftem Käse passt der Sirup hervorragend.

Kann man Miel de Palma mit nach Hause nehmen?

Ja. Der Sirup ist gut verschlossen lange haltbar und eignet sich hervorragend als kulinarisches Mitbringsel. Für den Transport im Flugzeug empfiehlt sich das aufgegebene Gepäck, sofern die Flasche größer als 100 ml ist.

Warum ist Miel de Palma vergleichsweise teuer?

Die Herstellung erfolgt in aufwendiger Handarbeit. Der Palmensaft wird über Nacht gewonnen und anschließend über viele Stunden eingekocht. Aus mehreren Litern frischem Saft entsteht nur etwa ein Liter Sirup – entsprechend hoch ist der Arbeitsaufwand.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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