Marcos y Cordero – Durch dreizehn Tunnel zu den Quellen der Insel
Es beginnt mit einem Tunnel. Man tritt ein in die kühle Dunkelheit, Tropfen fallen von der Decke, das Licht am anderen Ende scheint weit weg – und dann ist man drin, mitten in einem der seltsamsten und schönsten Ausflüge, die La Palma zu bieten hat. Marcos y Cordero ist kein Aussichtspunkt, kein Museum, keine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinne. Es ist ein Weg durch das Innere des Berges, entlang uralter Wasserkanäle, durch dreizehn in den Fels gesprengte Tunnel – hin zu den sieben Quellen, die seit Jahrhunderten den grünen Norden La Palmas tränken.

Ein Wasserweg aus einer anderen Zeit
Die Acequias – die Bewässerungskanäle La Palmas – sind ein Ingenieurswerk von beeindruckender Schlichtheit. Sie leiten das Quellwasser aus dem feuchten Nordosten der Insel durch den Bergkamm hindurch auf die trockenere Westseite, wo die Bananenplantagen und die Bevölkerung das Wasser brauchen. Marcos y Cordero ist der Ausgangspunkt des wichtigsten dieser Systeme – und die Wanderung entlang der Kanäle ist gleichzeitig ein Gang durch die Agrargeschichte der Insel.
Diese Kanäle werden noch heute aktiv genutzt. Während man entlanggeht, fließt das Wasser neben einem – ruhig, stetig, auf dem Weg nach Westen. Es ist ein seltenes Erlebnis, ein funktionierendes historisches Bewässerungssystem hautnah zu erleben, das keinen musealen Charakter hat, weil es schlicht noch gebraucht wird.
Der Weg durch die Tunnel
Dreizehn Tunnel durchquert man auf dem Weg zu den Quellen – manche wenige Meter lang, helle Nadellöcher in der Felswand, andere lang und dunkel, in denen die Orientierung kurz verlorengeht. Eine Taschenlampe ist unbedingt mitzunehmen – die Tunnel sind nicht beleuchtet. Die Momente zwischen den Tunneln, wenn der Lorbeerwald wieder zu sehen ist und das Licht durch das Kronendach fällt, gehören zu den schönsten Eindrücken, die diese Insel bereithält.

Die Quellen Marcos y Cordero
Am Ende des Weges, im Herzen des Lorbeerwaldes, liegen die Quellen Marcos y Cordero: sieben Wasseraustritte, die leise und ohne Drama aus dem Fels treten. Nach dem Weg durch die Tunnel wirken sie fast bescheiden. Aber sie sind der Grund, warum der Norden La Palmas so grün ist – und warum es diesen Weg überhaupt gibt. Das Wasser, das hier aus dem Berg tritt, versorgt über die Acequias weite Teile der Westküste.

Flora auf dem Weg
Der Waldcharakter auf diesem Abschnitt ist außergewöhnlich: Lorbeer, Til, Viñátigo und Erica wachsen so dicht, dass kaum Licht bis auf den Wegboden fällt. Farne in Mannshöhe, Moose, die jeden Stein bedecken, und das allgegenwärtige Tropfen des Wassers aus dem Blattwerk machen die Atmosphäre fast unwirklich. Diesen Lorbeerwald zu erleben ist einer der stillen Höhepunkte jedes La-Palma-Besuchs.

Planung und Vorbereitung
Die Wanderung zu den Quellen ist kein Spaziergang. Die Route PR LP 4.1 ist rund 11 Kilometer lang, hat einige Höhenmeter und dauert je nach Tempo 4–5 Stunden. Gutes Schuhwerk, ausreichend Wasser und Verpflegung sind mitzubringen – unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Und die Taschenlampe nicht vergessen.
Eine gute Alternative für alle, die den vollen Weg scheuen: Der Wanderweg PR LP 4.1 führt bereits nach wenigen Kilometern an den ersten Tunnels und schönsten Waldabschnitten vorbei. Um dieses Erlebnis zu haben, muss man nicht die komplette Abwanderung nach Los Tilos durch den Barranco de Agua machen.
| Wanderweg | PR LP 4.1 |
|---|---|
| Länge | ca. 11 km (hin und zurück) |
| Schwierigkeit | mittel bis anspruchsvoll |
| Ausgangspunkt | Parkplatz Los Tilos, San Andrés y Sauces |
| Anfahrt ab Santa Cruz | LP-1 Richtung San Andrés, Beschilderung Los Tilos – ca. 35 Min. |
| Ausrüstung | Taschenlampe, wasserfeste Schuhe, Regenjacke, 2 L Wasser |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie schwierig ist der Weg zu den Marcos-y-Cordero-Quellen?
Braucht man wirklich eine Taschenlampe?
Kann man den Weg im Winter gehen?
Wie funktioniert das Shuttle zur Casa del Monte?
Ist die Tour für Menschen mit Klaustrophobie geeignet?
Wie prüfe ich, ob der Weg aktuell offen ist?
Muss man die gesamten 11 km gehen?
Geschichte der Acequias auf La Palma
La Palma ist eine Insel mit einem Wasserverteilungsproblem: Der feuchte Norden und Nordosten empfangen viel Niederschlag, der trockene Westen und Süden brauchen das Wasser für die Landwirtschaft. Die Lösung, die die Bewohner über Jahrhunderte entwickelten, sind die Acequias – ein verzweigtes System von Wasserkanälen, das bis heute in Betrieb ist. Die Route zu den Marcos-y-Cordero-Quellen führt entlang eines der ältesten Teile dieses Systems.

Das erste dokumentierte Acequia-Netz auf La Palma geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Damals wurden die Quellen des Nordens erstmals systematisch gefasst und das Wasser über Kanäle, Tunnel und Aquädukte auf die Westseite der Insel geleitet – hauptsächlich für die Zuckerrohr-Plantagen, später für Weinbau und Bananenplantagen. Wer heute an den Quellen Marcos y Cordero steht, steht an einem der Ursprungspunkte dieser langen Geschichte.
Packen für die Tour
Für die vollständige Tour zu den Quellen braucht man die richtige Ausrüstung. Die wichtigsten Punkte: eine Taschenlampe oder Stirnlampe (nicht optional – einige Tunnel sind vollständig dunkel), wasserfeste Wanderschuhe (der Weg kann feucht sein), eine Regenjacke (der Lorbeerwald tropft ständig, auch bei bedecktem Wetter ohne Regen), ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter pro Person) und etwas zu Essen.
Die Route ist 11 Kilometer lang. Man sollte 4–5 Stunden einplanen, mehr wenn man viele Pausen macht. Den Rückweg etwas großzügiger einkalkulieren als den Hinweg. Auf dem Weg gibt es keine Gastronomie und keinen Handy-Empfang – vollständige Selbstversorgung ist nötig.
Geführte Touren zu den Quellen
Wer die Wanderung zu den Marcos-y-Cordero-Quellen nicht alleine unternehmen möchte oder mehr über die Geschichte der Acequias und die Botanik des Lorbeerwaldes erfahren will, findet auf GetYourGuide geführte Touren mit lokalen Naturführern. Ein Guide erklärt den botanischen Reichtum des Waldes und zeigt Details, die man alleine leicht übersieht.
Übernachtung in der Region
San Andrés y Sauces und Los Tilos bieten sich an. Für Übernachtungen in der Nähe empfiehlt sich Barlovento im Norden oder der Bereich um Santa Cruz im Osten – beide bieten Ferienhäuser mit Zugang zur grünen Nordostseite La Palmas.
Praxis-Tipps & Sicherheit
Ausrüstung – was wirklich zählt
Eine Stirnlampe ist kein Nice-to-have, sondern harter Pflichtbestandteil. In den langen, unbeleuchteten Tunneln ist es stockdunkel – Smartphonelicht reicht für die unebenen, feuchten Böden nicht aus, und man braucht beide Hände frei. Eine wasserdichte Regenjacke kommt spätestens ab Tunnel 12 zum Einsatz, wenn der Lorbeerwald unaufhörlich tropft. Und: Wer die Tour geführt bucht, bekommt oft einen Helm gestellt – und sollte ihn auch anziehen. Die niedrigen Tunneldecken und das instabile Gelände an den Flanken machen Kopfschutz sinnvoll, nicht hysterisch.
Shuttle statt Eigenanreise: Die beste Variante: Auto am Besucherzentrum Los Tilos abstellen, früh morgens per gebuchtem 4×4-Sammeltaxi hinauf zum Startpunkt Casa del Monte (ca. 1.300 m) fahren – und dann entspannt bergab durch die Tunnel und den Lorbeerwald zum eigenen Wagen wandern. Die Piste hinauf ist unbefestigt und steil; wer sie mit einem normalen Mietwagen versucht, riskiert Schäden und den Versicherungsschutz. Das Taxi löst dieses Problem und macht aus einer Kraftakt-Runde eine elegante Streckenwanderung.
Schwindelfreiheit und Klaustrophobie: Der Weg verläuft stellenweise auf schmalen Kanalmauern mit Abgrund daneben – Trittsicherheit ist keine Übertreibung. Wer in engen Räumen zu Panikattacken neigt, sollte die langen Tunnel vorab realistisch einschätzen: Manche sind dunkel, feucht und lang. Für kleine Kinder ist die Tour in der Vollversion ungeeignet.
Wegestatus vorher prüfen
Das Gelände ist steil und instabil – Erdrutsche, Steinschlag und Hangabbrüche führen regelmäßig zu behördlichen Teilsperrungen, manchmal ohne große Vorankündigung. Vor dem Ausflug lohnt ein Blick auf die offizielle Seite Senderos de La Palma (senderosdelapalma.es), wo aktuelle Sperrungen gelistet sind. Eine Enttäuschung vor geschlossener Absperrung ist leicht zu vermeiden.
Ein Tag bei Marcos y Cordero – Zeitplanung
Ein vollständiger Ausflug zu den Marcos-y-Cordero-Quellen – Anfahrt von Santa Cruz, Wanderung hin und zurück mit Pausen, Rückfahrt – nimmt einen vollständigen Tag in Anspruch. Frühes Aufbrechen ist empfehlenswert: Die ersten Morgenstunden im Lorbeerwald, wenn der Nebel noch zwischen den Bäumen hängt und die Vögel ihren Lärm beginnen, sind die eindrucksvollsten. Ab Mittag kommen manchmal Gruppen aus Santa Cruz, was den Weg etwas belebter macht.
Wer die Tour weniger anspruchsvoll gestalten möchte, wandert nur bis zu den ersten Tunnels – das sind etwa 2–3 Kilometer ab dem Parkplatz – und kehrt dann um. Auch diese Kurzversion gibt einen guten Eindruck vom Charakter des Waldes und des historischen Bewässerungssystems. Für diese kürzere Version reicht eine halbe Tagstour, und sie ist auch für weniger geübte Wanderer machbar.

Fazit: Marcos y Cordero
Marcos y Cordero ist eines der originellsten Ausflugserlebnisse auf La Palma. Dreizehn Tunnel, ein aktives Bewässerungssystem aus dem 16. Jahrhundert, sieben stille Quellen im Herzen des Lorbeerwaldes – und dazwischen eine Waldlandschaft, die in Europa ihresgleichen sucht. Stirnlampe einpacken, früh starten.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


