Cubo de la Galga – Im ältesten Wald der Insel

Es gibt Wälder auf La Palma, die man betritt und sofort weiß: Hier ist etwas anders. Der Cubo de la Galga im Nordosten der Insel ist so ein Wald. Die Luft ist schwer vor Feuchtigkeit, die Stämme alt und bemoost, das Licht kämpft sich durch ein Kronendach, das sich in Jahrzehnten aufgebaut hat. Wer den Rundweg PR LP 5.1 geht, bewegt sich durch einen der am besten erhaltenen Lorbeerwälder La Palmas – ein Stück Natur, das die Zeit auf bemerkenswerte Weise angehalten zu haben scheint.

gemauertes Aquädukt am Wanderweg PR LP 5.1 – Cubo de la Galga
gemauertes Aquädukt am Wanderweg PR LP 5.1 – Cubo de la Galga

Ein Wald aus dem Tertiär

Der Laurisilva – der subtropische Lorbeerwald der Kanaren – ist kein junger Wald. Er ist ein direkter Nachfahre der Waldgesellschaften, die vor rund 65 Millionen Jahren große Teile Europas, Nordafrikas und Westasiens bedeckten. Als das Klima trockener wurde, verschwand er auf dem Kontinent. Auf den Atlantikinseln hat er überlebt – und im Cubo de la Galga in einer Form, die Botaniker weltweit aufhorchen lässt. Seit 1999 trägt der kanarische Lorbeerwald den UNESCO-Weltnaturerbe-Status.

Die Baumarten des Lorbeerwaldes

Lorbeer, Til (Ocotea foetens), Viñátigo (Persea indica), Baumheide, Erica – wer durch den Cubo de la Galga geht, lernt eine Baumwelt kennen, die in Mitteleuropa keine Entsprechung hat. Die Bäume tragen Epiphyten – Moose, Flechten, Farne – die jeden Ast und jeden Stein bedecken. Es ist eine Vielfalt, die man sehen muss, um sie zu glauben.

gewaltige Findlinge im Lorbeerwald Cubo de Galga
gewaltige Findlinge im Lorbeerwald Cubo de Galga

Der Rundwanderweg PR LP 5.1

Die etwa 8,4 Kilometer lange Runde führt durch den Kernbereich des Schutzgebietes, vorbei an Bachläufen, über Waldpfade mit tiefen Einblicken in die Schlucht und zurück zum Ausgangspunkt. Die mittlere Schwierigkeit und die kompakte Länge machen ihn zu einem der zugänglichsten Lorbeerwaldausflüge auf La Palma – anspruchsvoll genug, um sich wirklich draußen zu fühlen, aber nicht so lang, dass er einen ganzen Tag beansprucht.

Auf dem Weg passiert man ein altes gemauertes Aquädukt – ein Überbleibsel des historischen Bewässerungssystems, das die Bauern des Nordostens mit Wasser versorgte. Solche Relikte der Agrargeschichte findet man auf La Palma in vielen der alten Waldwege.

Wanderweg zwischen Farnen im immergrünen Feuchtwald des Cubo de la Galga
Wanderweg zwischen Farnen im immergrünen Feuchtwald des Cubo de la Galga

Wann der beste Zeitpunkt ist

Der Cubo de la Galga ist das ganze Jahr zugänglich – aber im Herbst und Winter, wenn die Passatwolken den Nordhang in Nebel hüllen und der Wald in seiner nassesten Form erscheint, zeigt er sich von seiner schönsten Seite. Die Tropfen auf den Blättern, der Dunst zwischen den Stämmen, das matte Licht – dann wird aus einer Wanderung ein Erlebnis. Im Sommer ist der Wald trockener, aber auch ruhiger.

Beste Tageszeit für den Besuch

Für Naturfreunde und Fotografen lohnt sich ein Start am Vormittag besonders. Dann fällt das Licht häufig durch die dichte Vegetation und erzeugt die typische mystische Atmosphäre des Lorbeerwaldes mit eindrucksvollen Licht- und Schattenspielen.

WanderwegPR LP 5.1
Längeca. 8,4 km
Höhenmeterca. 513 Hm
Schwierigkeitmoderat
AusgangspunktParkplatz an der LP-109 bei La Galga, Puntallana
Anfahrt ab Santa CruzLP-1 Richtung Puntallana, Beschilderung La Galga – ca. 20 Min.

Flora und Fauna im Cubo de la Galga

Die botanische Dichte im Cubo de la Galga ist für europäische Verhältnisse außergewöhnlich. Neben den Lorbeerwaldbäumen wachsen hier über 30 endemische Pflanzenarten. Farne, die bis zur Hüfte reichen, Moose auf jedem Stein, und in den feuchten Abschnitten nahe dem Bach wachsen Orchideen und seltene Bromelien.

Palma-Buchfink im Cubo de la Galga – endemischer Waldbewohner im Lorbeerwald La Palmas
Palma-Buchfink im Cubo de la Galga – endemischer Waldbewohner im Lorbeerwald La Palmas

Die Tierwelt ist zurückhaltend, aber präsent: Der Palma-Buchfink, der Grünfink und seltene Singvögel wie der Kanarienvogel in seiner Wildform leben in diesem Wald. Am frühen Morgen hört man das Konzert am deutlichsten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Cubo de la Galga und Los Tilos?

Beide sind Lorbeerwälder im Nordosten La Palmas. Los Tilos liegt tiefer in einer Schlucht, hat einen prominenten Wasserfall und den Weg zu den Marcos-y-Cordero-Quellen. Der Cubo de la Galga bietet einen längeren Rundweg mit weniger Besuchern und einem anderen, offeneren Waldcharakter.

Ist der Weg für Familien geeignet?

Bedingt – die 8,4 Kilometer sind für Kinder unter 8 Jahren lang. Der Weg ist aber gut markiert und hat keine exponierten Stellen. Für Familien mit älteren Kindern oder erfahrenen kleinen Wanderern eine sehr schöne Route.

Gibt es am Ausgangspunkt Parkplätze?

Ja, an der LP-109 bei La Galga gibt es einen kostenfreien Parkplatz. In der Hochsaison kann dieser früh am Morgen voll sein – früher Start empfohlen.

Brauche ich für den Cubo de la Galga Wanderschuhe?

Ja, empfehlenswert sind feste Wanderschuhe oder zumindest Schuhe mit rutschfester Sohle. Die Wege können durch Feuchtigkeit, Nebel und herabfallende Blätter stellenweise glatt sein.

Ist der Lorbeerwald auch bei Wolken oder leichtem Regen sehenswert?

Ja. Gerade Nebel und feuchte Bedingungen verleihen dem Cubo de la Galga seinen besonderen Zauber. Die Passatwolken sorgen für die üppige Vegetation, die diesen Wald so einzigartig macht.

Kann ich die Wanderung spontan machen?

Grundsätzlich ja. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Bedingungen, besonders nach starken Regenfällen. In den Schluchten können einzelne Abschnitte rutschig sein.

Wann ist die beste Zeit zum Fotografieren?

Der Vormittag bietet oft die schönsten Lichtstimmungen. Wenn Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterdach brechen, entstehen die typischen mystischen Waldmotive, für die der Cubo de la Galga bekannt ist.

Die Geschichte des Cubo de la Galga

Der Name Cubo de la Galga bezieht sich auf die charakteristische Beckenform – ein Cubo ist ein Wasserbehälter oder Trog – und auf das Dorf La Galga unterhalb. Dieser Teil der Nordostküste La Palmas war historisch bekannt für seinen Wasserreichtum und seinen dichten Wald. Während anderswo auf La Palma Wälder für die Landwirtschaft gerodet wurden, blieb der Cubo de la Galga erhalten – zunächst wegen der Steillage, später durch aktiven Schutz.

Heute ist der Cubo de la Galga Teil des Naturparks und eines der wenigen Bereiche La Palmas, in denen der Lorbeerwald noch in seiner ursprünglichen Ausdehnung erhalten ist. Der Rundweg PR LP 5.1 wurde gezielt angelegt, um Besuchern den Zugang zu ermöglichen, ohne die empfindlichsten Bereiche zu belasten.

Im Cubo de la Galga atmet der Wald anders – kühl, dunkel, moosbedeckt
Im Cubo de la Galga atmet der Wald anders – kühl, dunkel, moosbedeckt

Praktische Tipps

Der Rundweg PR LP 5.1 hat einen klar markierten Ausgangspunkt an der LP-109 bei La Galga. Die Markierung ist durchgehend gut, aber bei feuchtem Wetter können einzelne Abschnitte rutschig sein. Wanderstöcke sind empfehlenswert. Früh morgens starten – ab 10 Uhr können Gruppen aus Santa Cruz ankommen und den Weg etwas belebter machen.

Praktische Tipps für die Wanderung durch den Cubo de la Galga

Startpunkt und Information

Am Ausgangspunkt der Wanderung an der Straße LP-1 nahe Puntallana befindet sich ein kleiner Informationspunkt. Hier stehen Parkmöglichkeiten und Toiletten zur Verfügung. Vor dem Start lohnt sich ein kurzer Blick auf aktuelle Hinweise zu Wegbedingungen oder möglichen Einschränkungen.

Die richtige Ausrüstung wählen

Der Lorbeerwald wirkt auf den ersten Blick wie ein tropisches Paradies – die Wege können jedoch anspruchsvoll sein. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und den feinen Nebel der Passatwolken sind Steine, Holzstege und schattige Pfadabschnitte häufig feucht und rutschig. Festes Schuhwerk mit gutem Profil ist deshalb empfehlenswert.

Auch bei sonnigem Wetter an der Küste sollte eine leichte Regen- oder Windjacke ins Gepäck. Unter dem dichten Blätterdach des Waldes kann es deutlich kühler und feuchter sein als wenige Kilometer entfernt am Meer

Nicht zu warm anziehen: Der Cubo de la Galga liegt in einer völlig anderen Klimazone als die sonnige Küste. Viele Besucher starten in T-Shirt und Sandalen – und merken erst im feuchten Lorbeerwald, dass eine zusätzliche Schicht und gutes Schuhwerk Gold wert sind.

Was den Cubo de la Galga besonders macht

Im Vergleich zu anderen Lorbeerwäldern La Palmas ist der Cubo de la Galga weniger bekannt und weniger besucht – und das ist einer seiner größten Vorzüge. An einem ruhigen Wochentag kann man den gesamten Rundweg gehen, ohne vielen anderen Wanderern zu begegnen. Die Stille, die das ermöglicht, gehört zum Erlebnis.

Ein weiterer Vorzug: Die Infrastruktur ist bescheiden und ehrlich. Kein Besucherzentrum, kein Souvenirstand, keine Aussichtsplattform mit Geländer. Der Cubo de la Galga ist ein Naturerlebnis im ursprünglichen Sinne – man kommt, man geht rein, man ist allein mit dem Wald.

Nach der Wanderung: Charco Azul

Der Cubo de la Galga liegt nur 20 Minuten von Santa Cruz entfernt und ist ideal kombinierbar mit einem Besuch der Hauptstadt oder einem Abstecher zu den Stränden der Ostküste.

Vom Cubo de la Galga sind es nur wenige Kilometer bis zum Charco Azul in San Andrés y Sauces – einem der bekanntesten Naturschwimmbäder La Palmas. Die in den Fels eingelassenen Meerwasserbecken sind nach einer Waldwanderung ein idealer Abschluss: Das tiefe Blau des Atlantikwassers, der Kontrast zur grünen Waldlandschaft – und die Möglichkeit, sich abzukühlen und den Tag ausklingen zu lassen.

Die Naturschwimmbecken Charco Azul bei San Andrés – Meerwasserbecken im Lavagestein an der Nordostküste La Palmas
Die Naturschwimmbecken Charco Azul bei San Andrés – Meerwasserbecken im Lavagestein an der Nordostküste La Palmas

Der Nordosten La Palmas als Ausflugsdestination

Der Nordosten La Palmas ist eine der am wenigsten touristisch überlaufenen Regionen der Insel – und eine der schönsten. Zwischen dem Cubo de la Galga, dem Charco Azul, Los Tilos und dem kleinen Dorf La Galga findet man eine Konzentration an Natur und Authentizität, die in dieser Dichte selten ist. Wer einen Tag in dieser Ecke verbringt, sollte die Route Cubo de la Galga (Vormittag) – La Galga (Mittagessen in einem der kleinen Restaurants) – Charco Azul (Nachmittag) kombinieren.

Das Dorf La Galga selbst ist einen Stopp wert: Ein kleines, gut erhaltenes Dorf mit traditioneller Architektur und einer Kirche, die auf einem Felsvorsprung über dem Meer zu schweben scheint. Die Aussicht von hier – über den blauen Atlantik und die grünen Nordhänge der Insel – ist eine der ruhigsten Panoramen La Palmas.

Fazit: Cubo de la Galga

Der Cubo de la Galga ist einer der ruhigsten und artenreichsten Lorbeerwaldausflüge auf La Palma – weniger bekannt als Los Tilos, dafür oft leerer und bei feuchtem Herbst- und Winterwetter besonders eindrucksvoll. UNESCO-Weltnaturerbe zum Anfassen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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