El Aljibe – türkise Becken und Thermalquelle
Es gibt Orte auf La Palma, bei denen man unwillkürlich leiser wird. El Aljibe ist so ein Ort. Türkisgrünes Wasser, das in natürlichen Felsenbecken ruht, ringsum schwarzes Vulkangestein – und darunter, unsichtbar, die Wärme der Erde selbst. Inmitten der pechschwarzen Lavafelder, die der Vulkan Teneguía 1971 hervorbrachte, liegen die Naturpools von El Aljibe geschützt und besonders. Während draußen die Brandung des Atlantiks wild gegen die Klippen schlägt, füllen die Gezeiten diese natürlichen Becken regelmäßig mit frischem, glasklarem Meerwasser auf. In den flachen, windgeschützten Pools sorgt die kanarische Sonne tagsüber für angenehm warmes Wasser.

Das Naturwunder am Vulkanstrand
Die Naturpools des El Aljibe liegen etwas versteckt am Fuß der Klippen auf der rechten Seite des Strandes Playa Echentive (auch bekannt als Playa Nueva) – dem schwarzen Vulkansandstrand, den der Teneguía-Ausbruch von 1971 schuf. Die Becken sind durch das natürliche Vulkangestein geformt, das Wasser darin ist salzig und von einer Klarheit, die unter Wasser jedes Detail zeigt.
Das Erlebnis ist anders als am offenen Meeresstrand: ruhiger, intimer, fast meditativ. Man lässt sich treiben im warmen salzigen Wasser, schaut auf die vulkanische Küstenlandschaft, hört das Meer in der Ferne. Wer von Fuencaliente nur den Leuchtturm kennt, hat diesen Ort noch nicht entdeckt.

Baden & Sicherheit
Die Becken sind von scharfkantigen Lavafelsen umgeben – Badeschuhe sind Pflicht.
Das Wasser ist vulkanisch beeinflusst und kann wärmer sein als das offene Meer.
Kleinen Kindern immer aufmerksam zur Seite stehen – keine Absicherungen.
Kein Rettungsdienst vor Ort. Auf Gezeiten achten: bei Flut kann das Wasser schnell steigen.
Beste Besuchszeit
An Wochenenden ist El Aljibe bei Einheimischen beliebt – an Werktagen hat man die Pools oft fast für sich allein. Der beste Zeitpunkt: morgens, wenn das Licht flach über die schwarzen Felsen fällt und das türkise Wasser leuchtet, bevor andere ankommen. Im Winter, wenn die Nordküste La Palmas unter Wolken liegt, ist die Südspitze oft noch sonnig und warm.
Anfahrt und Kombination
Direkt an der Küstenstraße LP-2071 gelegen, lässt sich die Playa de Echentive mühelos erreichen: Die berühmten Leuchttürme von Fuencaliente und die Salzgärten (Salinas) liegen nur einen Steinwurf entfernt. Eine gut angelegte Steintreppe führt vom Parkplatz hinab zur Bucht. In Kombination mit dem Leuchtturm-Spaziergang, den Salinen und den Vulkanen San Antonio und Teneguía sowie der Playa Echentive lohnt sich ein halber Tag.

| Lage | Südspitze La Palmas, Gemeinde Fuencaliente, nahe den Leuchttürmen |
|---|---|
| Becken | Natürliche Pools im Vulkangestein |
| Wassertemperatur | Wärmer als das offene Meer – vulkanisch beeinflusst |
| Badeschuhe | Pflicht – scharfkantiges Lavagestein |
| Infrastruktur | Keine – naturbelassen |
| Beste Zeit | Werktags morgens, Saison ganzjährig |
| Kombinierbar | Vulkane San Antonio und Teneguía · Faro de Fuencaliente · Salinas · Playa Echentive |
Die Salinas de Fuencaliente
Nahe El Aljibe liegen die Salinas de Fuencaliente – historische Meerwassersalinen, in denen das berühmte Sal de Teneguía von Hand gewonnen wird, nach alter Tradition. Das Salz aus Fuencaliente ist auf den Kanaren bekannt und wird in vielen Restaurants der Insel verwendet. Die Salinen sind heute Naturschutzgebiet und Rastplatz für Zugvögel; ein Informationspfad mit Schilderungen direkt an den Salzbecken erklärt die Geschichte der Salzgewinnung.

Die Thermalquelle Fuente Santa: Vulkanwärme von unten
Tief in einer künstlich gegrabenen Galerie entspringt die legendäre Heilquelle Fuente Santa, deren mineralreiches Wasser durch vulkanische Aktivität auf 45 bis 60 °C erhitzt wird.
Der gleichnamige Kurort des 16./17. Jahrhunderts – ursprünglich Fuente Caliente genannt und Namensgeber der Gemeinde Fuencaliente – zog dank der angeblichen Heilkraft bei Hautkrankheiten, Rheuma, Arthritis und Lepra Kranke aus ganz Europa und Amerika an und galt als einer der bedeutendsten Orte der Kanaren. 1677 begrub der Ausbruch des Vulkans San Antonio die Quelle unter gewaltigen Lavaströmen. 328 Jahre lang blieb sie nur eine Legende, trotz zahlreicher Suchversuche. Erst 2005 gelang einem spanischen Ingenieursteam der Durchbruch: Ein 200 Meter langer Stollen in die Basaltklippen der Playa de Echentive führte zum heißen, heilenden Wasser. Die Analyse bestätigte seinen hohen Gehalt an Chlorid, Natrium, CO₂ und Mineralien – ideal für medizinische Anwendungen.

Reisezeit Fuencaliente
Fuencaliente ist das ganzjährig sonnenreichste Reiseziel auf La Palma. Die Gemeinde liegt im Regenschatten des Bergsystems Cumbre Vieja – Wolken aus dem Norden und Nordosten werden gestoppt, bevor sie die Südspitze erreichen. Im Winter, wenn Puntallana und Barlovento im Nebel liegen, scheint in Fuencaliente oft die Sonne. Das macht El Aljibe auch zu einem attraktiven Winterziel.
Vulkanisch aktive Südspitze
Die Südspitze La Palmas ist geologisch eine der aktivsten Zonen der Insel. Fuencaliente liegt am Ende der Cumbre Vieja – dem Bergsystem, das von Süden nach Norden die Insel durchzieht und das 2021 mit dem Tajogaite-Ausbruch erneut Schlagzeilen machte.

Kombination: Ein halber Tag Südspitze
Die Sehenswürdigkeiten der Südspitze La Palmas lassen sich in einem kompakten Halbtagsausflug kombinieren. Empfohlene Reihenfolge: Morgenstunden an El Aljibe (ruhigstes Wasser, bestes Licht), dann Spaziergang zu den Salinas de Fuencaliente (Besucherzentrum öffnet meist ab 10 Uhr), weiter zu den Leuchttürmen (Aussicht und Foto), zum Besucherzentrum Volcán San Antonio und am Nachmittag zur Playa Echentive oder Playa del Faro. Der gesamte Ausflug erfordert etwa vier bis fünf Stunden und deckt einige der eindrucksvollsten Landschaften La Palmas ab.

El Aljibe für Fotografen
Die Vulkanlandschaft um El Aljibe ist fotografisch außergewöhnlich. Das smaragdgrüne Wasser im schwarzen Lavagestein, die Leuchttürme im Hintergrund, gelegentlich ein Krabbe im Vordergrund – das ergibt Bilder, die La Palma von allen anderen Kanareninseln unterscheiden. Das beste Licht gibt es nachmittags, wenn die Sonne noch niedrig steht und das Wasser von Westen beleuchtet. Wer mit einer Unterwasserkamera kommt, findet in den Becken zusätzliche Motive: das Licht bricht im klaren Wasser in einer Art, die am flachen Meeresgrund besonders wirkungsvoll ist.

Naturschutz an der Südspitze
Die Küste rund um El Aljibe liegt teilweise im Schutzbereich des Naturparks Cumbre Vieja y Teneguía. Das bedeutet: Pflanzen dürfen nicht gepflückt, Tiere nicht gestört, Felsen nicht beschädigt werden. Das Lavagestein ist empfindlicher als es aussieht – Kratzer und Beschädigungen durch unbedachtes Begehen heilen jahrzehntelang nicht. Wer die Becken nutzt, bewegt sich als Gast in einem Ökosystem, das ohne diesen Schutzstatus längst touristisch überformt wäre.
Wer El Aljibe zum ersten Mal besucht, sollte eine Grundregel kennen: Die Becken sind natürlich, nicht gepflegt. Das Wasser kommt direkt aus dem Meer und ist nicht gefiltert oder chemisch behandelt. Die Klarheit des Wassers und die Wärme entstehen durch die Gezeiten und die vulkanische Wärme darunter – nicht durch menschlichen Eingriff. Das ist der Unterschied zu einem Freibad. Wer damit umgehen kann, bekommt ein Naturerlebnis von seltener Qualität.

El Aljibe ist ein Ort, der La Palma erklärt. Nicht die Vulkane, nicht die Wanderwege, nicht die Sternwarte – sondern dieser kleine Pool an der Südspitze, wo das Wasser wärmer ist als erwartet, das Gestein schwärzer als gedacht und die Stille vollständiger als an jedem anderen Ort der Insel. Wer El Aljibe kennt, kennt ein Stück von La Palma, das die meisten Besucher verpassen.
Fazit: El Aljibe
El Aljibe ist das stille Geheimnis der Südspitze: warmes Wasser im Vulkangestein, türkise Farben und fast immer Ruhe.
Kein touristischer Betrieb, keine Infrastruktur, keine Massen – dafür ein Naturerlebnis, das schwer zu beschreiben und leicht zu erleben ist.
Badeschuhe einpacken, morgens kommen, lange bleiben.
Häufige Fragen
Was ist El Aljibe?
Braucht man Badeschuhe bei El Aljibe?
Wie kommt man zu El Aljibe?
Kann man El Aljibe mit anderen Zielen kombinieren?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


