Vulkane auf La Palma – eine Insel, die noch wächst
La Palma ist eine der vulkanisch aktivsten Inseln der Kanaren und beherbergt eines der dynamischsten Vulkansysteme Europas. Was auf anderen Inseln längst fossile Geschichte ist – erkaltete Krater, uralte Lavafelder und erloschene Schlote –, ist auf La Palma gelebte Gegenwart. Der letzte Ausbruch liegt noch keine fünf Jahre zurück. Die Insel wächst weiter – und zukünftige Eruptionen gehören langfristig zu ihrer natürlichen Entwicklung.

Entstehung der Insel – 3 Millionen Jahre Geschichte
Die Geschichte La Palmas begann vor etwa 3 bis 4 Millionen Jahren tief auf dem Meeresgrund. Dort wuchs ein unterseeischer Vulkan in rund 4.000 Metern Tiefe durch unzählige Eruptionen langsam empor. Erst vor etwa 1,7 bis 2 Millionen Jahren durchbrach die Insel schließlich die Meeresoberfläche – dieser Abschnitt wird als subaerische Phase bezeichnet.
Was heute sichtbar ist – der höchste Gipfel auf 2.426 Metern – bildet deshalb nur den oberen Teil eines gewaltigen Vulkangebäudes, das sich insgesamt mehr als 6.000 Meter vom Atlantikboden erhebt.
Nach El Hierro ist La Palma die zweitjüngste der sieben kanarischen Hauptinseln. Gleichzeitig zählt sie zu den steilsten Vulkaninseln der Erde: Auf nur 708 Quadratkilometern steigt das Gelände von Meereshöhe bis auf 2.426 Meter an – ein geologisches Profil, das weltweit außergewöhnlich ist.
Die zwei geologischen Zonen La Palmas
Die Insel lässt sich geologisch klar in zwei Bereiche gliedern.
Der Norden – die Caldera de Taburiente
Der Norden bildet den älteren Teil La Palmas. Hier befindet sich die beeindruckende Caldera de Taburiente, die lange Zeit fälschlicherweise als riesiger Vulkankrater interpretiert wurde. Heute weiß man, dass sie durch gewaltige Flankenabbrüche, vulkanische Prozesse und Millionen Jahre andauernde Erosion entstand. Das Gestein in diesem Bereich erreicht ein Alter von bis zu zwei Millionen Jahren und gehört damit zum ältesten sichtbaren Gestein der Insel.

Der Süden – die aktive Cumbre Vieja
Ganz anders präsentiert sich die Cumbre Vieja. Dieser langgestreckte vulkanische Gebirgszug bildet das aktive Rückgrat der Insel. Entlang dieser Vulkanachse ereigneten sich sämtliche historisch dokumentierten Ausbrüche La Palmas. Heute überwachen das Instituto Geográfico Nacional (IGN) und das Instituto Volcanológico de Canarias (INVOLCAN) die Region rund um die Uhr mit einem dichten Netz aus Seismometern, GPS-Stationen und Gasmessgeräten.

Historische Ausbrüche auf La Palma
Seit dem 15. Jahrhundert sind auf La Palma acht Vulkanausbrüche dokumentiert – sämtlich entlang der aktiven Cumbre Vieja:
- 1470 – Montaña Quemada (Tacande)
- 1585 – Tajuya
- 1646 – Volcán Martín
- 1677 – Volcán San Antonio
- 1712 – Volcán El Charco
- 1949 – San Juan (Duraznero, Llano del Banco und Hoyo Negro)
- 1971 – Volcán Teneguía
- 2021 – Volcán Tajogaite
Statistisch ereignet sich etwa alle 40 bis 50 Jahre ein Vulkanausbruch auf La Palma. Dabei handelt es sich meist um effusive Eruptionen: Die Lava fließt vergleichsweise ruhig aus, anstatt explosionsartig auszubrechen. Trotzdem können die Lavaströme große Flächen überdecken und erhebliche Schäden verursachen.
Der Tajogaite-Ausbruch 2021
Am 19. September 2021 öffnete sich nahe El Paraíso eine Eruptionsspalte. Was folgte, war der längste und am besten dokumentierte Vulkanausbruch der Inselgeschichte. Die Eruption dauerte 85 Tage, 5 Stunden und 8 Minuten.
In dieser Zeit:
- wurden rund 1.219 Hektar Land von Lava bedeckt,
- mehr als 3.000 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt,
- zwei neue Fajanas (Küstendeltas) geschaffen,
- rund 49 Hektar neues Land am Atlantik gewonnen.
Der dabei entstandene Vulkankegel erhielt später offiziell den Namen Tajogaite. Der Name stammt aus der Sprache der Benahoaritas, der Ureinwohner La Palmas, und bedeutet sinngemäß „gespaltener Berg“.

Geologische Besonderheiten
Kissenlava im Barranco de las Angustias
Im Barranco de las Angustias lassen sich die sogenannten Kissenlaven (Pillow Lavas) besonders gut erkennen. Die rundlichen Basaltformationen entstanden vor Millionen Jahren, als Lava unter dem Meeresspiegel austrat und im kalten Wasser schlagartig erstarrte. Später wurden diese Gesteinsschichten durch den Aufbau der Insel angehoben und liegen heute offen in der Schlucht.

Das Lavaröhren-Netzwerk
Unter der Oberfläche La Palmas verläuft ein weit verzweigtes Netz natürlicher Lavaröhren. Sie entstehen, wenn die Oberfläche eines Lavastroms bereits erstarrt, während im Inneren weiterhin flüssige Lava fließt. Nach dem Abfluss bleibt ein tunnelartiger Hohlraum zurück. Die bekannteste zugängliche Lavaröhre ist die Cueva de las Palomas bei Las Manchas, die während des Ausbruchs von 1949 entstand.

Aktuelles Monitoring – wie sicher ist La Palma?
Seit dem Ausbruch von 2021 wurde die Überwachungsinfrastruktur massiv ausgebaut. Das Instituto Geográfico Nacional (IGN) und das Instituto Volcanológico de Canarias (INVOLCAN) überwachen La Palma rund um die Uhr.
Seismometer registrieren kleinste Mikrobeben, GPS-Stationen messen Bodenhebungen im Millimeterbereich und Gassensoren überwachen den CO₂-Ausstoß. Ein zukünftiger Ausbruch kündigt sich dadurch Wochen oder Monate im Voraus an, was eine absolut sichere und rechtzeitige Evakuierung garantiert. Für Urlauber ist das Risiko in den freigegebenen Zonen der Insel daher praktisch gleich null.
Vulkantourismus – die spannendsten Ausflugsziele
Der Tajogaite: Ein absolutes Muss. Den besten Überblick bietet der Mirador de Las Hoyas oder der Wanderweg zwischen Tajuya und Jedey. Das Betreten des gesperrten Nationalpark-Gebiets rund um den neuen Krater ist jedoch strengstens untersagt und darf ausschließlich im Rahmen zertifizierter, geführter Touren erfolgen.
Volcán San Antonio & Teneguía: Im Süden der Insel (Fuencaliente) liegt das Besucherzentrum des San-Antonio-Vulkans (Eintritt ca. 5–6 €), auf dessen Kraterrand man spazieren kann. Direkt darunter befindet sich der Teneguía, der 1971 ausbrach und frei bestiegen werden kann.
Caños de Fuego: Das moderne Besucherzentrum bei Las Manchas bietet Ausstellungen, einen oberirdischen Steg über das Lavafeld von 1949 sowie geführte Touren in die spektakuläre Lavaröhre Cueva de las Palomas.
Wandertipp: Ruta de los Volcanes
Diese Kammwanderung führt quer über die Cumbre Vieja. Sie bietet spektakuläre Ausblicke auf alte und neue Krater.
Achtung: Die Tour ist rund 17 Kilometer lang und verläuft größtenteils über rutschigen Lavasand ohne Schatten. Gute Kondition, knöchelhohe Wanderschuhe, winddichte Kleidung und mindestens 2 bis 3 Liter Wasser pro Person sind hier absolut überlebenswichtig!
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist La Palma nach dem Ausbruch von 2021 wieder sicher für Touristen?
Wann wird der nächste Vulkan auf La Palma ausbrechen?
Kann man den Tajogaite auf eigene Faust besteigen?
Warum heißt der Vulkan Tajogaite und nicht Cumbre Vieja?
Welche Vulkane kann man auf La Palma besuchen?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


