Weinbau auf La Palma: Malvasía, Vulkanasche und ein Comeback

Im 16. und 17. Jahrhundert tranken die Königshäuser Englands den Malvasía von La Palma. Selbst William Shakespeare erwähnt den „Malmsey“ – den englischen Namen für den berühmten Malvasía-Wein – in mehreren seiner Werke. Das war kein Zufall: Santa Cruz de La Palma war damals einer der bedeutendsten Handelshäfen des Atlantiks, und der Wein aus den Vulkanlandschaften der Insel galt als begehrte Luxusware. Später änderte sich der Geschmack Europas, der Weinbau geriet in eine lange Krise. Erst mit der Einführung der geschützten Ursprungsbezeichnung D.O. La Palma im Jahr 1994 begann ein beeindruckendes Comeback, das die Insel heute wieder zu einem der spannendsten Weinbaugebiete der Kanaren macht.

Alte Weinfässer vor einer Bodega – Weinbautradition auf La Palma.
Alte Weinfässer vor einer Bodega – Weinbautradition auf La Palma.

Eine Besonderheit begeistert Weinliebhaber weltweit: Die Kanarischen Inseln blieben von der Reblausplage des 19. Jahrhunderts weitgehend verschont. Viele Rebstöcke wachsen deshalb noch heute wurzelecht (pie franco) auf ihren ursprünglichen Wurzeln – eine Seltenheit in den klassischen Weinregionen Europas.

Die drei Anbauzonen

La Palma gliedert sich in drei Weinbaugebiete mit ganz unterschiedlichem Charakter. Im Osten rund um Hoyo de Mazo und Breña dominieren frische Weißweine sowie leichte, fruchtbetonte Rotweine. Das etwas feuchtere Klima und die vulkanischen Böden sorgen für elegante und ausgewogene Weine.

Der Süden um Fuencaliente gilt als das traditionsreichste Malvasía-Gebiet der Insel. Auf schwarzer Vulkanasche wachsen die Reben häufig als flach am Boden geführte Rastras, wodurch sie vor den kräftigen Passatwinden geschützt werden und gleichzeitig die gespeicherte Wärme des Lavabodens optimal nutzen. Hier entstehen mineralische Weißweine, charaktervolle Rotweine und die berühmten Malvasía-Weine.

Weinbau in Tijarafe, eines der ältesten Weinbaugebiete La Palmas, Vino de La Palma auf Terrassen.
Weinbau in Tijarafe, eines der ältesten Weinbaugebiete La Palmas, Vino de La Palma auf Terrassen.

Der Norden und Nordwesten mit Garafía, Puntagorda und Tijarafe zeichnet sich durch seine große Vielfalt aus. Hier entstehen sowohl frische Weiß- und Rotweine als auch der traditionelle Vino de Tea, während renommierte Kellereien wie Vega Norte die Qualität der Region weit über die Insel hinaus bekannt gemacht haben.

Vino de Tea: La Palmas Geheimwein

Der Vino de Tea gehört zu den außergewöhnlichsten Weinen der Kanaren. Er reift traditionell in Fässern aus dem harzreichen Kernholz der Kanarischen Kiefer (Tea), wodurch er seine unverwechselbaren Harz- und Piniennoten erhält. Sein Charakter erinnert entfernt an einen griechischen Retsina, besitzt jedoch eine ganz eigene Persönlichkeit. Besonders im Norden der Insel, rund um Garafía und Puntagorda, wird diese jahrhundertealte Tradition bis heute gepflegt.

Alte Weinfässer vor einer Bodega – Weinbautradition auf La Palma.
Alte Weinfässer vor einer Bodega – Weinbautradition auf La Palma.

Malvasía: Der Wein der Könige

Der Malvasía ist das historische Aushängeschild La Palmas. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert galt der edelsüße Malvasía Dulce als einer der begehrtesten Weine Europas. Noch heute zählt er zu den exklusivsten Spezialitäten der Insel. Gleichzeitig erzeugen die Winzer moderne, trockene Malvasía-Weißweine, die mit ihrer feinen Mineralität und ihren tropischen Fruchtaromen international große Anerkennung finden.

Zu den bekanntesten Weingütern im Süden gehören Teneguía und Carballo, während Vega Norte im Nordwesten für hervorragende Weiß- und Rotweine aus heimischen Rebsorten bekannt ist.

FuencalienteMalvasía trocken & süß · Listán Blanco · Negramoll · Bodega-Direktverkauf
Hoyo de MazoWeißweine & Rotweine · traditionelle Rebsorten
Garafía & NordenVino de Tea · Negramoll · Mercadillo Puntagorda (Sa/So)

Fazit:

La Palmas Wein ist eine Rückkehr: Nach Jahrhunderten des Verfalls und einer Krise, aus der viele Inseln nicht herausfanden, hat die D.O. La Palma einen Weinbau hervorgebracht, der heute zu den interessantesten der Kanaren zählt. Malvasía und Vino de Tea sind Mitbringsel, die man nirgendwo sonst bekommt.

Häufige Fragen

Warum gilt Wein von La Palma als so besonders?

Die Kombination aus vulkanischen Böden, atlantischem Klima und vielfach wurzelechten Rebstöcken verleiht den Weinen eine außergewöhnliche Mineralität, Frische und Tiefe.

Was bedeutet „wurzelecht“ (pie franco)?

Die Rebstöcke wachsen auf ihren ursprünglichen Wurzeln und wurden nie auf amerikanische Unterlagen veredelt. Da die Kanaren von der Reblausplage verschont blieben, ist diese Anbauweise hier bis heute erhalten geblieben.

Was ist der Unterschied zwischen Malvasía und Vino de Tea?

Malvasía bezeichnet eine Rebsorte, aus der sowohl edelsüße Dessertweine als auch elegante trockene Weißweine entstehen. Vino de Tea erhält seinen charakteristischen Geschmack dagegen durch die Reifung in Fässern aus harzreichem Kiefernholz.

Wo kann man Wein auf La Palma direkt beim Erzeuger kaufen?

Viele Bodegas bieten Verkostungen und Direktverkauf an – besonders in Fuencaliente sowie im Norden und Nordwesten der Insel. Auch die Mercadillos führen eine große Auswahl regionaler D.O.-Weine.

Welche Weinregion ist die bekannteste auf La Palma?

Fuencaliente gilt als Heimat der berühmten Malvasía-Weine. Der Norden und Nordwesten überzeugen dagegen mit großer Sortenvielfalt und dem traditionsreichen Vino de Tea.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

www.sunhikes.com