MAB – Wo die Benahoaritas lebendig werden

Wer die Petroglyphen von La Zarza, die Keramiken von Mazo oder die Höhle Belmaco besucht und mehr verstehen möchte – wer einen Kontext sucht für all das Steinerne und Vergrabene, was die Ureinwohner La Palmas hinterlassen haben – der geht ins MAB. Das Museo Arqueológico Benahoarita in Los Llanos de Aridane ist das modernste und vollständigste Museum zur Vorgeschichte La Palmas: keine Vitrinensammlung, sondern eine rekonstruierte Lebenswelt.

Petroglyphen der Ureinwohner La Palmas
Petroglyphen der Ureinwohner La Palmas

Das MAB zeigt nicht nur Funde – es erzählt. In gut konzipierten Räumen mit interaktiven Displays und Nachbildungen wird die Frage beantwortet: Wie lebten die Menschen, die vor über 2.000 Jahren auf diese Insel kamen und bis zur spanischen Eroberung 1493 hier blieben? Was aßen sie, wie wohnten sie, wie beerdigten sie ihre Toten?

Was das Museum zeigt

Archäologische Originalfunde

Das Herzstück sind die Originalfunde aus Ausgrabungen auf der gesamten Insel: Keramiken in der charakteristischen Aufbautechnik (ohne Drehscheibe), Steinwerkzeuge aus Obsidian, Knochenarbeiten, Lederreste. Die Keramik der Benahoaritas ist in ihrer Form und Machart einmalig und hat sich, wie moderne Vergleiche zeigen, über 1.500 Jahre kaum verändert.

Das MAB Museum bringt die Welt der Benahoaritas, der Ureinwohner La Palmas, und ihre rätselhaften Petroglyphen zum Leben.
Das MAB Museum bringt die Welt der Benahoaritas, der Ureinwohner La Palmas, und ihre rätselhaften Petroglyphen zum Leben.

Bestattungsrituale und Mumien

Eines der eindrücklichsten Kapitel des Museums widmet sich den Bestattungsbräuchen der Benahoaritas. Die Ureinwohner bestatteten ihre Toten in Höhlen, eingenäht in Tierhäute – eine Technik, die zur natürlichen Mumifizierung führte. Das MAB zeigt echte Mumien- und Skelettfunde aus Höhlengräbern, ergänzt durch Erklärungen zur Gesellschaftsstruktur und Weltanschauung der Benahoaritas.

Ernährung und Alltagsleben

Gofio – das geröstete und gemahlene Getreide, das bis heute ein kanarisches Grundnahrungsmittel ist – war auch für die Benahoaritas zentral. Daneben: Ziegenmilch und -fleisch, Meeresfrüchte (Lapas), Wildfrüchte und Beeren. Das Museum zeigt anhand von Nachbildungen und experimentellen Funden, wie die Alltagsküche der Ureinwohner aussah.

Warum das MAB vor anderen Benahoarita-Orten besuchen?

Die Fundorte selbst – Belmaco, La Zarza y La Zarcita – zeigen das, was die Benahoaritas hinterließen: Stein, Spiralen, Stille. Das MAB gibt den interpretierenden Rahmen. Wer zuerst das Museum besucht und dann die Fundorte, sieht dort mehr: Man weiß, wer in diesen Höhlen lebte, was sie aßen, wie sie dachten. Die empfohlene Reihenfolge: MAB zuerst, dann Belmaco oder La Zarza.

Warum das MAB vor anderen Benahoarita-Orten besuchen?

Museo Arqueológico Benahoarita (MAB): Calle Las Adelfas 1, 38760 Los Llanos de Aridane

Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–20 Uhr; Sa 9–14 Uhr; So geschlossen

Eintritt: ca. 5,00 € Erwachsene

Sprachen: Beschriftung teils mehrsprachig

Dauer: ca. 1–1,5 Stunden

Kombination: Plaza de España Los Llanos (5 Min. Fußweg)

Praktische Tipps für Ihren Museumsbesuch

Parken in Los Llanos

Direkt am Museum stehen nur wenige Parkplätze zur Verfügung. Am bequemsten parken Sie im Bereich des Busbahnhofs (Estación de Guaguas) oder in den umliegenden Parkhäusern und Nebenstraßen. Von dort erreichen Sie das Museum nach einem kurzen Spaziergang durch die Innenstadt.

Idealer Ausgangspunkt für archäologische Entdeckungen

Das Museo Arqueológico Benahoarita vermittelt einen hervorragenden Überblick über die Kultur der Benahoaritas und eignet sich ideal als Einstieg in das Thema. Anschließend lassen sich bedeutende Fundstätten wie der Archäologische Park Belmaco, El Tendal oder die Felsritzungen von La Zarza und La Zarcita mit einem ganz anderen Verständnis erkunden.

Zeit für den Besuch einplanen

Für den Rundgang sollten Sie etwa 60 bis 90 Minuten einplanen. Wer sich intensiver mit den Ausstellungsstücken, Rekonstruktionen und multimedialen Präsentationen beschäftigt, verbringt entsprechend mehr Zeit im Museum.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer waren die Benahoaritas?

Die Benahoaritas waren die Ureinwohner La Palmas – Nachfahren nordafrikanischer Berberstämme, die die Kanaren vor über 2.000 Jahren besiedelten. Auf La Palma nannten sie ihre Insel Benahoare, woraus der Name ihrer Gemeinschaft abgeleitet wurde. Sie lebten ohne Metall, Schrift oder Rad, aber in einer organisierten Gesellschaft mit Stammesrecht, Hirtenkultur und einer reichen symbolischen Tradition.

Kann man das MAB mit Kindern besuchen?

Ja – das moderne Museumsdesign mit interaktiven Elementen ist auch für Kinder geeignet. Für Jugendliche ab 10 Jahren ist das Museum besonders lohnend, weil die Rekonstruktionen und Mumien-Funde einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Für kleine Kinder ist es etwas abstrakt.

Lohnt sich der Museumsbesuch vor einer Tour zu den archäologischen Fundstätten?

Ja. Das Museum vermittelt die Geschichte, Lebensweise und Religion der Benahoaritas anschaulich und macht den Besuch archäologischer Stätten wie Belmaco, El Tendal oder La Zarza deutlich verständlicher.

Ist das Museum auch für Kinder geeignet?

Ja. Modelle, Rekonstruktionen, Originalfunde und interaktive Medienstationen machen die Ausstellung auch für Familien interessant. Besonders ältere Kinder erhalten einen lebendigen Eindruck vom Alltag der Ureinwohner La Palmas.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Für einen entspannten Rundgang reichen meist 60 bis 90 Minuten aus. Wer sich intensiver mit den einzelnen Themenbereichen beschäftigt, sollte etwas mehr Zeit einplanen.

Lässt sich der Museumsbesuch mit einem Stadtbummel verbinden?

Auf jeden Fall. Das Museum liegt nur wenige Gehminuten vom Zentrum von Los Llanos de Aridane entfernt. Nach dem Besuch bieten sich ein Spaziergang über die Plaza de España, ein Bummel durch die kleinen Geschäfte oder eine Einkehr in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants an.

Die Benahoaritas und ihre Gesellschaft

Die Benahoaritas lebten in einer Gesellschaft ohne Hierarchien, wie wir sie kennen – kein König, kein schriftliches Recht, kein stehendes Heer. Entscheidungen wurden von Ältestenräten getroffen, Land war Gemeinschaftsbesitz, Eigentum beschränkte sich auf persönliche Gegenstände. Die Ziegenherden, die die Hänge La Palmas bevölkerten, waren das wichtigste Kapital.

Der Übertritt zur Erwachsenenwelt war rituell markiert: Jugendliche wurden in Höhlen initiiert und mussten Prüfungen bestehen, die Stärke, Ausdauer und Wissen unter Beweis stellten. Das MAB erklärt diese Initiationsriten anhand von archäologischen Funden und Vergleichen mit anderen kanarischen Kulturen.

Was nach der Conquista kam

Die spanische Eroberung La Palmas im Jahr 1493 war das Ende der Benahoarita-Kultur als eigenständige Gesellschaft. Die meisten Überlebenden wurden versklavt, zwangsgetauft oder in die koloniale Unterschicht integriert. Innerhalb einer Generation war die ursprüngliche Sprache, das Benahorí, nahezu ausgestorben. Was blieb, sind die Petroglyphen, die Keramik und die Gene – genetische Studien zeigen, dass ein bedeutender Teil der heutigen La-Palma-Bevölkerung benahoaritische Vorfahren hat.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

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