Barranco de las Angustias: Wanderung zur Cascada de Colores
Die Cascada de Colores ist eines der bekanntesten Naturwunder im Nationalpark Caldera de Taburiente: ein kleiner Wasserfall, dessen Felswand in Grün, Gelb, Orange und Rot leuchtet — entstanden durch Eisenminerale, Algen und Moose. Die Wanderung vom Parkplatz im Barranco de las Angustias dorthin und zurück ist 11,0 km lang, 466 Hm Aufstieg, moderat.

Die Route führt auf dem PR-LP 13 (gelb-weiß) durch die »Schlucht der Todesangst«. Man wandert im und am Bachbett entlang, passiert imposante Kissenlava-Formationen, überquert Trittsteine, erblickt den Roque Idafe über der Schlucht und erreicht schließlich durch das farbig leuchtende Bachbett des Rio Rivanceras die Cascada de Colores.
Hinweis: Bei hohem Wasserstand ist die Schlucht nicht begehbar und wird gesperrt. Nicht bei oder nach Regen gehen — Sturzflutgefahr.
Routenfakten auf einen Blick
| Routentyp | Hin- und Zurück |
|---|---|
| Distanz | 11,0 km |
| Höhenmeter | 466 Hm Aufstieg / 448 Hm Abstieg |
| Höchster Punkt | 523 m |
| Niedrigster Punkt | 239 m (Parkplatz) |
| Dauer | 4:00–5:00 Stunden |
| Schwierigkeit | moderat (Trittsicherheit, Bachbett-Überquerungen) |
| Startpunkt | Parkplatz LP-214 im Barranco de las Angustias (Anfahrt von Los Llanos) |
| Wegmarkierung | PR-LP 13 (gelb-weiß) |
| Schutzstatus | Nationalpark Caldera de Taburiente |
| Ausrüstung | Wasser, Proviant, festes Schuhwerk, Sonnenschutz |

Anfahrt
Parkplatz an der Landstraße LP-214 im Barranco de las Angustias. Anfahrt von Los Llanos de Aridane in Richtung Nationalpark. Dieser Parkplatz ist auch der Ausgangspunkt für den Taxi-Shuttle nach Los Brecitos.
Die Route im Detail
Abschnitt 1: Parkplatz bis Dos Aguas
Vom Parkplatz folgt man der Straße aufwärts zum PR-LP 13 (gelb-weiß), der rechts noch vor dem Flussbett beginnt. Wenig später mündet der Weg auf eine Piste ins Bachbett. Links oberhalb: bewirtschaftete Flächen mit Avocado- und Bananenbäumen.
Der markierte Wanderweg folgt dem Bachbett. Je nach Wasserstand muss man sich einen eigenen Weg suchen. Der Pfad wechselt die Bachseite von Zeit zu Zeit. Im unteren Abschnitt sind beeindruckende Kissenlava-Formationen zu sehen: riesige abgerundete Bienenwaben aus submarinen Lavaströmen, die im Wasser abkühlten — auf den Kanaren nur noch hier und auf Fuerteventura an der Oberfläche.

Engstellen werden mit kleinen Anstiegen oberhalb des Bachbetts umgangen. Schließlich: Dos Aguas, der Zusammenfluss von Rio Taburiente und Rio Almendro Amargo. Hier wird das Wasser über ein Wasserwerk in Bewässerungskanäle abgeleitet.
Abschnitt 2: Nationalpark-Grenze bis Cascada de Colores
Nach einer Bachquerung erreicht man die Grenze des Nationalparks. Man folgt dem Rio Almendro Amargo links oberhalb des Bachbetts. Dann ins Bachbett hinab zum Zusammenfluss von Rio Almendro Amargo und Rio Rivanceras. Unterwegs: der Roque Idafe über der Schlucht — der heilige Monolith der Benahoritas.

Ab dem Zusammenfluss folgt man dem Barranco de Rivanceras (auch Barranco Limonero). Das eisenhaltige Flussbett leuchtet bereits gelb und rot. Auf dem letzten Wegstück zur Cascada: die Füße bleiben nicht trocken. Zwischen steil aufragenden Felswänden auf glitschigem Untergrund zum Wasserfall, der sich über einen gemauerten Staudamm ergüßt. Grüne Moose und rot-gelbe Eisenablagerungen: das Farbschauspiel ist am schönsten bei hellem Mittagslicht.

Rückweg
Der Rückweg führt auf demselben Weg. Bei niedrigem Wasserstand kann man große Teile direkt im Bachbett abwandern. Wer Kletterpassagen vermeiden möchte: auf den höher gelegenen Pfad ausweichen. Am Bachbett: Frösche, verschiedene Libellenarten und die gelbbäuchige Gebirgsstelze sind regelmäßige Begleiter.

Geologie: Kissenlava und die »Schlucht der Ängste«
Der Barranco de las Angustias ist geologisch einzigartig auf den Kanaren. Im unteren Abschnitt liegt das Grundgestein La Palmas frei: submarine Kissenlava, entstanden bei Unterwassereruptionen in der Frühphase der Inselbildung. Die Bienenwaben-Struktur und grünliche Farbe sind unverkennbar.

Der Name »Schlucht der Ängste« ist nicht zufällig: Bei Starkregen kann das Wasser in der engen Schlucht innerhalb von Minuten stark ansteigen. Die Nationalparkaufsicht sperrt den Weg nach schweren Regenfällen. Diese Sperre ernst nehmen.
Beste Reisezeit
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
|---|---|---|
| Frühjahr (März–Mai) | Cascada auf Höchststand | Intensivste Farben; genügend Wasser für Farbschauspiel |
| Sommer (Juni–Aug) | Wenig Wasser; Bachbett oft trocken | Cascada gedämpfter; dafür leichter begehbar |
| Herbst (Sept–Nov) | Gutes Licht für Fotos | Beliebte Saison; früh starten |
| Winter (Dez–Feb) | Hohe Sperrungsgefahr nach Regen | Wetterlage vorher prüfen |
Kombinierbare Touren
| Tour | Daten | Charakter |
|---|---|---|
| Wanderung Los Brecitos durch die Caldera de Taburiente | 13,9 km, schwer | Große Tour ab dem gleichen Parkplatz (per Shuttle) |
| Wanderung von Los Brecitos zur Playa de Taburiente | 5,2 km, leicht | Kürzere Option ab Los Brecitos |
GPS-Track und 3D-Routenplaner
Zur Routenseite auf Sunhikes: Wanderung durch den Barranco de las Angustias zur Cascada de Colores
Praktische Tipps
Sperrungen beachten: Aktuellen Routenstatus beim Nationalpark prüfen. Bei oder nach Regen: nicht gehen. Die Schlucht bietet keine Fluchtwege bei Sturzflut. Notruf 112.
Hinweis: Nationalpark
Vollständig im Nationalpark Caldera de Taburiente. Sperrungen bei Regen werden von der Nationalparkaufsicht verhängt und sind absolut einzuhalten.
Häufige Fragen
Warum leuchtet die Cascada de Colores bunt?
Was sind Kissenlava-Formationen?
Der Rio Rivanceras — das farbige Wunder
Das Farbschauspiel der Cascada de Colores beginnt schon weit vor dem Wasserfall: Das Flussbett des Rio Rivanceras leuchtet bereits am Zusammenfluss mit dem Rio Almendro Amargo in Rot, Gelb und Ocker. Die Farben entstehen durch Eisenmineralablagerungen im Wasser — gelöste Eisensalze, die beim Absetzen oxydieren und das Gestein einfärben. Die grünen Töne an der Felswand des Wasserfalls selbst kommen von Algen und Moosen, die in der dauerhaft feuchten Wand wachsen.

Die Intensität der Farben variiert stark mit der Jahreszeit. Im Frühjahr, wenn viel Wasser fließt, sind die Ablagerungen am frischesten und die Farben am leuchtensten. Im Sommer kann der Rivanceras nahezu trocken fallen — dann sieht man die Mineralablagerungen ohne Wasser direkt auf dem Fels. Beide Zustände haben ihren eigenen Reiz.
Fauna im Bachbett
Im und am Bachbett des Barranco de las Angustias und des Rio Rivanceras leben Tierarten, die sich an die besondere Umgebung angepasst haben. Frösche sind ganzjährig zu hören. Verschiedene Libellenarten kreisen über den ruhigeren Becken. Die gelbbäuchige Gebirgsstelze — eine der wenigen auf La Palma heimischen Wasservogel-Arten — läuft entlang der Felsen direkt im Bachbett und schnellt auf Insekten.

Im oberen Abschnitt, wo der Barranco breiter wird und die Steilwände abflachen, hat sich ein lichtes Auen-Galeriewäldchen aus Kanarischen Weiden entwickelt. Diese Bäume hängen ihre langen Zweige ins Wasser und sind das einzige Zeichen, dass der Rio Taburiente einer der wenigen ganzjährig wasserführenden Flüsse der Kanarischen Inseln ist.
Kissenlava — Blick auf die Entstehung der Insel
Die submarine Kissenlava im unteren Abschnitt des Barranco de las Angustias ist eines der seltsamsten Gesteine, das man auf einer Wanderung sehen kann. Grosse, abgerundete Bienenwaben aus dunkelgrünem Basalt — entstanden, als Lava unter Wasser aus dem Meeresboden austrat und sofort abkühlte. Jede dieser »Kissen« ist eine einzelne Lava-Puls: Gestein, das sich in Sekunden von flüssig zu fest verwandelte.
Das Gestein, das man hier sieht, ist rund 1,5 Millionen Jahre alt — aus der Entstehungsphase La Palmas als Unterwasservulkan. Auf den Kanarischen Inseln liegt dieses Grundgestein nur hier und auf Fuerteventura an der Oberfläche. Es ist buchstäblich der Boden, auf dem La Palma steht.
Sturzflutgefahr: Was man wissen muss
Der Barranco de las Angustias ist eine der wenigen Schluchten auf La Palma, in denen Sturzflutgefahr real und dokumentiert ist. Bei Starkregen im Einzugsgebiet der Caldera de Taburiente — das rund 46 km² umfasst — kann das Wasser innerhalb von Minuten dramatisch ansteigen. Die Schlucht ist eng, bietet kaum Fluchtwege und hat senkrechte Wände.

Die Nationalparkaufsicht sperrt den Weg nach schweren Regenfällen. Diese Sperrungen sind absolut ernst zu nehmen. Wer bei gesperrtem Weg geht, riskiert sein Leben. Aktueller Status: beim Nationalpark direkt anfragen oder die Schilder am Parkplatz beachten. Keinen Vorgängern blind folgen, die trotz Sperrung gehen.
Weitere Häufige Fragen
Wie nass werden die Füße auf dem Weg zur Cascada?
Was ist Dos Aguas?
Wie weit ist die Cascada de Colores vom Parkplatz?
Anreise zum Barranco de las Angustias
Der Parkplatz im Barranco de las Angustias liegt an der LP-214, die von Los Llanos de Aridane aus in Richtung Nationalpark führt. Mit dem Mietwagen ca. 15 Minuten ab Los Llanos. Normaler PKW ausreichend.
Dieser Parkplatz ist auch der Ausgangspunkt für den Taxi-Shuttle nach Los Brecitos — dem Startpunkt der großen Caldera-Durchwanderung. Wer an einem Tag die Cascada de Colores macht und am nächsten Tag die Los-Brecitos-Tour plant, startet beide Mal am gleichen Parkplatz. Das macht die Logistik einfach.
Los Llanos de Aridane ist mit seiner zentralen Lage auf der Westseite La Palmas eine gute Unterkunftsbasis für Wanderungen im Nationalpark Caldera de Taburiente. Von hier aus sind sowohl der Parkplatz Barranco de las Angustias als auch die Cumbrecita (LP-302 via El Paso) in kurzer Fahrzeit erreichbar.
Unterkunft: Los Llanos de Aridane als Basis
Los Llanos de Aridane ist die größte Stadt La Palmas und der natürliche Ausgangspunkt für Wanderungen im Barranco de las Angustias. Vom Stadtkern sind es weniger als 15 Minuten zum Parkplatz an der LP-214.
Ferienhäuser in Los Llanos de Aridane auf clariso.eu — Ferienhäuser La Palma. Das Angebot in Los Llanos ist eines der größten auf La Palma, von Stadthäusern bis zu Fincas mit Meerblick. Die Westküste ist von hier aus in wenigen Minuten erreichbar.

Am Dos Aguas — dem Zusammenfluss der beiden Bäche — ist ein guter Rastplatz auf halbem Weg. Von hier aus sind es bis zur Cascada de Colores noch ca. 15–20 Gehminuten bachaufwärts. An Dos Aguas ändert sich der Charakter der Wanderung: Man tritt in den Nationalpark ein, der Bachlauf wird bunter, der Roque Idafe erscheint über der Schlucht, und die Felswände werden enger.
Die Gebirgsstelze — auf La Palma die gelbbäuchige Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) — ist ein Indikator für die Wasserqualität im Bachbett. Ihr Vorkommen zeigt an, dass der Bach sauber und gut belebt ist. Sie läuft direkt über die nassen Steine, macht kurze Haltestopps auf vorstehenden Felsen und ist schnell und wendig. Wer auf dem Rückweg durch das Bachbett geht, hat meistens mehrere Sichtungen dieser hübschen Vogelart.
Bei der Planung ist der Wasserstand des Rio Rivanceras ein wichtiger Faktor. Im Frühjahr nach den Winterregen ist der Bach am wasserreichsten und die Farben der Cascada de Colores am intensivsten. Im Spätsommer kann der Rio Rivanceras fast trocken fallen. Beide Zustände sind sehenswert: Einmal das lebendige Farbschauspiel, einmal die trockenen Mineralablagerungen auf dem freien Fels.
Bei niedrigem Wasserstand kann man weite Strecken des Barranco de las Angustias direkt im Bachbett gehen. Das ist technisch anspruchsvoller als der Pfad, aber für trittsichere Wanderer lohnend: Man sieht die Kissenlava aus der Nähe, überquert Trittsteine, beobachtet die Gebirgsstelze aus nächster Nähe und erlebt die Schlucht in einer anderen Perspektive als auf dem Hinweg.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


