Wetter & Klima auf La Palma – Der ehrliche Klimaführer

„Ewiger Frühling“ – dieses Klischee folgt La Palma überall hin. Es stimmt, aber es ist unvollständig. La Palma ist durch seine hohen Berge klimatisch zweigeteilt, und die Unterschiede zwischen Nord und Süd, Ost und West sind groß genug, um eine Reise entscheidend zu beeinflussen. Wer das versteht, kann seinen Urlaub besser planen.

Passatwolken über La Palma – der Nordostpassat bestimmt das Wetter und teilt die Insel in zwei klimatische Hälften
Passatwolken über La Palma – der Nordostpassat bestimmt das Wetter und teilt die Insel in zwei klimatische Hälften

Die klimatische Zweiteilung

Der Nordostpassat ist der Hauptdarsteller im La-Palma-Wetter. Er bringt feuchte Meeresluft von den Azoren und trifft auf das Gebirge der Insel. Was passiert: Die Luft steigt auf, kühlt ab, regnet ab. Ergebnis auf der Nordost- und Ostseite: mehr Wolken, mehr Regen, üppige Vegetation, kühlere Temperaturen. Auf der West- und Südseite fällt dieselbe Luft wieder ab, erwärmt sich und bleibt trocken. Ergebnis: Sonne, Trockenheit, 300 Sonnentage im Jahr.

Der Nordostpassat sorgt nicht nur für die klimatische Zweiteilung der Insel, sondern beeinflusst auch die Luftfeuchtigkeit und die Sichtverhältnisse. Während die Ostseite häufiger unter Passatwolken liegt, präsentiert sich die Westseite oft sonnig und trocken.

Auch wenn die Temperaturen angenehm wirken, ist die UV-Strahlung auf La Palma deutlich stärker als in Mitteleuropa. Das gilt besonders in den Höhenlagen oberhalb der Wolkendecke.

RegionCharakterWann am besten
Westküste (Tazacorte, Puerto Naos)300 Sonnentage, trocken, warm – ganzjährigGanzjährig; Winter besonders attraktiv
Südspitze (Fuencaliente)Sonnigste Ecke der Insel, RegenschattenGanzjährig; selbst im Januar verläßlich
Ostküste (Santa Cruz, Los Cancajos)Mehr Wolken als West, aber mildSommer und Herbst am besten
Nordosten (San Andrés, Barlovento)Grün, feucht, LorbeerwälderFrühling und Herbst
Norden (Garafía)Wild, wechselhaft, spektakulärFrühling bei guten Tagen

Temperaturen im Jahresverlauf, Höhenlagen & UV-Strahlung

An der Küste bleiben die Temperaturen das ganze Jahr über angenehm: Im Winter liegen sie meist zwischen 20 und 22 °C, im Sommer zwischen 25 und 28 °C. Die Wassertemperatur reicht von etwa 18 °C im März bis 24 °C im September.

Mit zunehmender Höhe wird es deutlich kühler – pro 100 Höhenmeter sinkt die Temperatur um etwa 0,6 bis 1 °C. Wer vom Strand zum Roque de los Muchachos (2.426 m) fährt, erlebt häufig einen Temperaturunterschied von mehr als 15 Grad. Selbst im Hochsommer sind dort oft nur 10 bis 15 °C zu erwarten, im Winter fällt gelegentlich sogar Schnee.

Nicht unterschätzen sollte man die intensive UV-Strahlung. Durch die südliche Lage der Kanaren ist die Sonneneinstrahlung das ganze Jahr über sehr stark – auch bei angenehmen Temperaturen oder leichter Bewölkung. Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor gehört deshalb bei jedem Ausflug und jeder Wanderung zur Grundausstattung.

Calima: Der Saharawind

Gelegentlich trifft La Palma der Calima – ein heisser Ostwind aus der Sahara. Er bringt feinen Wüstenstaub mit und kann die Temperaturen schlagartig auf über 35 bis 40 Grad treiben. Die Sicht wird trüb und sandig, die Luft fühlt sich trocken und rau an. Der Calima dauert meist ein bis drei Tage, dann kehrt der Passatwind zurück. Wanderwege werden bei hoher Waldbrandgefahr gesperrt. Wer im Sommer kommt, muß damit rechnen – es ist kein Extremereignis, sondern ein normales Phänomen.

Die Inversion: Über den Wolken scheint die Sonne

Eines der beeindruckendsten Wetterphänomene auf La Palma ist die sogenannte Inversionswetterlage. Häufig bildet sich in etwa 1.000 bis 1.500 Metern Höhe eine geschlossene Wolkendecke. Während es an der Küste grau und bewölkt wirken kann, erwartet einen oberhalb der Wolken strahlender Sonnenschein und ein spektakuläres Wolkenmeer. Besonders lohnende Aussichtspunkte sind die Cumbrecita und der Roque de los Muchachos. Dort eröffnet sich oft einer der schönsten Ausblicke der Kanaren.

Passatwolken über La Palma – der Nordostpassat bestimmt das Wetter und teilt die Insel in zwei klimatische Hälften
Inversionswetterlage: Wolkenmeer unten, blauer Himmel oben.

Wichtig:

Oberhalb der Wolkendecke ist die Sonneneinstrahlung deutlich intensiver. Sonnencreme, Sonnenbrille und eine Kopfbedeckung gehören deshalb auch an kühleren Tagen unbedingt ins Gepäck.

Monatliche Regentage: Ost vs. West

MonatOstseite (Regentage)Westseite (Regentage)
Januar63
Februar52
März42
April31
Mai10
Juni – August00
September10
Oktober42
November63
Dezember63

Wetter-Apps für La Palma

Für eine zuverlässige Wettervorhersage empfiehlt sich ein Blick auf mehrere Quellen:

WetterdienstBesonderheiten
AEMETOffizieller spanischer Wetterdienst mit amtlichen Wetterwarnungen. Die App ist kostenlos, allerdings überwiegend auf Spanisch.
Windy (ECMWF)Besonders empfehlenswert für Wanderungen. Zeigt Wind, Wolken, Niederschlag und Temperaturen in verschiedenen Höhenlagen.
eltiempo.esSehr übersichtlich und für viele Reisende einfacher zu bedienen als die AEMET-App. Gute Ergänzung für Tagesprognosen.
Webcams am Roque de los MuchachosZeigen in Echtzeit, ob oberhalb der Passatwolken die Sonne scheint. Ideal zur Tagesplanung.

Wanderungen und Wetter: Was man kombinieren kann

Das Wetter bestimmt auf La Palma, was wann möglich ist. Bei Calima (Saharawind) werden viele Wanderwege gesperrt. Bei Passatbewölkung an der Ostseite fährt man auf die Westseite oder schaut, ob man über die Wolken kommt. Bei Regen im Norden wandert man im Süden. La Palma ist eine kleine Insel – Wetterwechsel bedeuten eine Autofahrt, keine Urlaubskatastrophe. Wer das Wetter täglich einmal in der AEMET-App checkt, ist gut informiert.

Höhenlagen: Was die Berge kühlen

Der Roque de los Muchachos (2.426 m) ist fast immer kälter als erwartet. Im Sommer: 10 bis 15 Grad. Im Winter: 0 bis 8 Grad, manchmal Schnee. Wer zum Roque fährt, zieht eine Jacke an – auch wenn unten am Strand 27 Grad sind. Die Cumbrecita (1.350 m) ist milder, aber auch hier ist eine leichte Jacke am Nachmittag sinnvoll. La Cumbrecita hat außerdem eine Besonderheit: Reservierung für den Nationalparkbesuch ist morgens ab 10 Uhr Pflicht. Die Reservierung ist kostenlos, sollte aber für den Nationalpark La Caldera de Taburiente bereits Wochen vor der Reise online über die offizielle Seite der Inselverwaltung gebucht werden.

Passatwolken über La Palma – der Nordostpassat bestimmt das Wetter und teilt die Insel in zwei klimatische Hälften
In den Wintermonaten kann es auf den Höhenlagen der Caldera de Taburiente zu Schnee- und Eisbildung kommen

Schnee auf dem Roque de los Muchachos

In den Wintermonaten kann es auf den höchsten Gipfeln La Palmas regelmäßig schneien. Der Roque de los Muchachos sowie die Höhenlagen der Caldera de Taburiente verwandeln sich dann gelegentlich in eine beeindruckende Winterlandschaft.

Bei Schneefall oder Glätte werden die Zufahrtsstraßen jedoch häufig aus Sicherheitsgründen durch das Cabildo de La Palma oder die Guardia Civil gesperrt. Man sollte deshalb vor einer Fahrt in die Hochlagen immer die aktuelle Wetterlage sowie mögliche Straßensperrungen prüfen und nicht auf gut Glück losfahren.

Gewitter und Sturm

Gewitter sind auf La Palma selten, aber wenn sie kommen, sind sie intensiv. Die Cumbre-Region ist im Herbst gelegentlich von Gewitterzellen betroffen. Wer auf 2.000 Metern wandert und Cumuluswolken sieht, die rasch wachsen, kehrt um. Auf dem Gipfelkamm ist bei Gewitter nichts zu holen. Der spanische Wetterdienst AEMET sendet Warnungen per App – bei Warnstufe Orange oder Rot auf exponierten Routen nicht loswandern.

La Palmas Klima ist gut zu verstehen, wenn man die Grundregeln kennt: Westseite für Sonne, Ostseite für Grün, Inversion für den Blick von oben. Wer diese drei Dinge verinnerlicht, hat das Wetter auf La Palma im Griff – und nutzt jeden Tag optimal, egal was die Wolken vorhaben.

Fazit:

Sonnen-Garantie: Unterkunft auf der Westseite oder im Süden.
Natur-Liebhaber: Der grüne Norden und Osten bieten spektakuläre Wanderungen, sind aber wetteranfälliger.
Das Zwiebelprinzip ist Pflicht: Egal wie sonnig es am Strand ist – für die Berge gehören immer eine winddichte Jacke und Sonnenschutz ins Gepäck.

Häufige Fragen

Regnet es auf La Palma oft?

Auf der Westseite und im Süden kaum – 0 bis 3 Regentage pro Monat im Durchschnitt. Auf der Ostseite und im Norden mehr, besonders im Winter. Die Insel ist klimatisch zweigeteilt.

Was ist der Calima?

Ein heißer Saharawind, der Staub und Temperaturen über 35–40°C bringt. Meist 1–3 Tage, hauptsächlich im Sommer. Bei hoher Waldbrandgefahr werden Wanderwege gesperrt.

Kann man auf La Palma im Winter in der Sonne liegen?

Ja – auf der Westküste und Südspitze fast garantiert. Santa Cruz und die Ostküste können im Winter bewölkter sein. Wer sicher Sonne will, bucht Westseite.

Wie zuverlässig sind Wettervorhersagen auf La Palma?

Durch die unterschiedlichen Klimazonen können sich die Wetterbedingungen innerhalb weniger Kilometer deutlich unterscheiden. Während es an der Ostküste bewölkt ist, scheint auf der Westseite oft die Sonne. Für die Tagesplanung lohnt sich daher ein Blick auf aktuelle Wetter-Apps und Webcams.

Welche Kleidung sollte man auf La Palma mitnehmen?

Am besten eignet sich das Zwiebelprinzip. Für die Küste reichen meist leichte Sommerkleidung und Sonnenschutz. Wer in die Berge oder zum Roque de los Muchachos fährt, sollte zusätzlich eine warme Jacke, feste Schuhe und bei Wanderungen ausreichend Sonnenschutz einpacken. Temperaturunterschiede von mehr als 15 Grad zwischen Küste und Hochgebirge sind keine Seltenheit.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

www.sunhikes.com