Barranco Fagundo – Wo der Norden in die Tiefe fällt
Es gibt Schluchten auf La Palma, die man von oben betrachtet. Und dann gibt es den Barranco Fagundo. Diese Schlucht schaut man nicht an – man fällt mit ihr. Ein steiler Zickzackpfad schraubt sich von El Tablado hinunter in das Innere des Gesteins, vorbei an freigelegten Felsschichten, die in Gelb, Rot und Ocker schimmern, an Vegetation, die sich in jede Ritze zwängt, und an einem Bachbett tief unten, das das Wasser aus dem wilden Norden zum Meer führt.

Die wildeste Schlucht des Nordens
Der Barranco Fagundo gilt als eine der eindrucksvollsten Schluchten der gesamten Insel. Er liegt in der Gemeinde Garafía im Norden – einer Region, die selbst unter La-Palma-Kennern als die wildeste und unzugänglichste der Insel gilt. Das Dorf El Tablado thront auf einem Bergsporn zwischen diesem und einem zweiten Barranco, eingeschlossen von Schluchten auf beiden Seiten: ein Dorf, das auf Abgeschiedenheit gebaut ist.
Die Felsschichten als Buch der Inselgeschichte
Was den Barranco Fagundo für Geologen und Naturliebhaber gleichermaßen attraktiv macht, ist die Art, in der die Erosion hier gearbeitet hat: Die Wände der Schlucht legen verschiedene Gesteinsschichten frei, die die Entstehungsgeschichte La Palmas in Farbe erzählen. Tiefes Basaltgrau, rosafarbener Palagonit, ockergelber Tuff – wer den Weg hinabgeht, liest die Vulkangeschichte der Insel von oben nach unten.

Mirador Barranco Fagundo
Vom Mirador Barranco Fagundo – auch Mirador El Moral genannt – bietet sich der erste dramatische Blick in die Tiefe: ohne Abstieg, direkt von einem gut erreichbaren Aussichtspunkt an der LP-1. Der Parkplatz ist kostenlos, die Aussicht ist kostenlos, und das Gefühl, auf den Rand einer anderen Welt zu schauen, ist unbezahlbar.

Der Mirador liegt nördlich von El Tablado und ist von der LP-1 aus ausgeschildert. Ein kurzer Spaziergang vom Parkplatz bringt einen an die Abbruchkante – und plötzlich gähnt die Schlucht, fast senkrecht, hunderte von Metern in die Tiefe.
Der Abstieg in die Schlucht
Für alle, die mehr wollen als den Blick von oben, beginnt von El Tablado aus der Abstieg in die Schlucht: anspruchsvoll, lohnend, unvergesslich. Der Weg folgt einem alten Maultierpfad, der in Serpentinen die Schluchtflanke hinunterführt. Die Vegetation verändert sich auf dem Weg dramatisch: oben trockene Baumheiden und Wolfsmilch, weiter unten, wo die Feuchtigkeit zunimmt, Lorbeer und Farne.

Hinweis: Der Abstieg ist steil und erfordert gutes Schuhwerk mit Grip. Der Weg kann nach Regen rutschig sein. Für den Rückaufstieg deutlich mehr Zeit einplanen als für den Abstieg.
Das Dorf El Tablado
El Tablado selbst ist ein Ausflugsziel für sich. Das kleine Bergdorf in Garafía, eingerahmt von zwei Schluchten, gehört zu den abgelegensten bewohnten Orten La Palmas. Bis in die 1990er Jahre war es für lange Zeit nur über Maultierpfade zugänglich. Heute führt eine schmale Straße hinein – aber die Abgeschiedenheit ist geblieben. Ein Dorf, das zeigt, wie La Palma jahrhundertelang gelebt hat.

Die Schluchtenlandschaft von Garafía
Der Barranco Fagundo ist nur einer von mehreren spektakulären Schluchten in Garafía. Der Barranco de los Hombres, der Juan Adalid und der Barranco de Fernando Porto durchschneiden die Nordflanke der Insel auf ähnliche Weise – tief, schmal, von einer Wildheit, die die meisten Besucher La Palmas nie zu Gesicht bekommen. Wer den Norden erkunden will, hat mit den Schluchten von Garafía ein lebenslanges Programm.

| Mirador Barranco Fagundo | An der LP-1, nördlich El Tablado – ausgeschildert |
|---|---|
| Parkplatz Mirador | kostenlos |
| Ausgangspunkt Abstieg | Dorf El Tablado, Gemeinde Garafía |
| Anfahrt ab Santa Cruz | LP-1 Richtung Barlovento, weiter über San Pedro – ca. 1 h 15 min |
| Kombination | Dorf El Tablado besuchen (direkt am Ausgangspunkt) |
| Schwierigkeit Abstieg | schwer – gutes Schuhwerk, Trittsicherheit erforderlich |
Praxis-Tipps für den Barranco Fagundo
Kondition und Ausrüstung
Der Barranco Fagundo ist kein Spazierweg. Auf kurzer Distanz sammelt man erhebliche Höhenmeter – im Abstieg wie im Aufstieg. Wer nicht regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, merkt das spätestens auf dem Rückweg. Wanderstöcke sind kein Luxus, sondern konkreter Knieschutz für die steilen Serpentinen. Ausreichend Wasser ist Pflicht: Im Grund der Schlucht kann es windstill und drückend warm werden, auch wenn es oben noch angenehm war.
Mirador am Klippenrand: Wer den Abstieg über El Tablado antritt, lohnt sich ein kurzer Umweg an den Klippenrand direkt beim Dorf: Vom dortigen Mirador Barranco Fagundo blickt man auf die wilde Steilküste des Nordens – ein Panorama, das den Einstieg in den Abstieg noch einmal in einen anderen Maßstab setzt.
Anreise und Rückweg
Da der Barranco Fagundo meist als Streckenwanderung begangen wird, stellt der Rückweg zum Ausgangspunkt eine logistische Frage. Die praktischste Lösung: der Guagua-Bus Linie 100, der El Tablado mit Santa Cruz verbindet. Alternativ bringt ein Taxi flexibel zurück. Wer mit zwei Fahrzeugen unterwegs ist, kann einen am Endpunkt parken – aufwändig, aber autark.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann man den Mirador Barranco Fagundo ohne Wanderung besuchen?
Wie lange dauert der Abstieg in den Barranco Fagundo?
Was ist in El Tablado zu sehen?
Ist der Weg in die Schlucht ganzjährig begehbar?
Kann man den Barranco Fagundo als Rundwanderung machen?
Gibt es in El Tablado etwas zu essen oder zu trinken?
Wie komme ich ohne Auto nach El Tablado?
Garafía – die abgelegenste Gemeinde La Palmas
Der Barranco Fagundo liegt in Garafía, der nördlichsten und abgelegensten Gemeinde La Palmas. Diese Region ist auf der Insel eine Welt für sich: kaum Tourismus, traditionelle Landwirtschaft, Ziegenkäse von Weltklasse und eine Landschaft, die noch nicht entdeckt wurde. Wer Garafía besucht, verlässt die touristischen Trampelpfade La Palmas und tritt in ein La Palma ein, das vor 40 Jahren aussah wie heute.

Die Gemeinde ist bekannt für ihren Ziegenkäse, der auf kanarischen Käsewettbewerben regelmäßig die höchsten Auszeichnungen erhält. In den wenigen Restaurants der Region – wie dem Camu Camu in Las Tricias (Do–So 11–22 Uhr) oder der Tasca El Castillo im Weiler El Castillo – isst man oft direkt diesen Käse vom lokalen Produzenten, gegrillt mit Mojo Rojo und Verde.
Santo Domingo de Garafía
Das Hauptdorf der Gemeinde, Santo Domingo de Garafía, liegt auf einem Bergplateau oberhalb der Schluchten – ein ruhiges Dorf mit einer schönen Dorfkirche und dem kleinen Ethnografischen Museum, das bäuerliches Leben im wilden Norden dokumentiert. Der Mercadillo (Markt) findet sonntags statt und ist einer der authentischsten auf der ganzen Insel.

Von Santo Domingo aus sind mehrere Wanderrouten in die umgebenden Schluchten markiert, darunter auch der Weg zum Barranco Fagundo. Wer das ganze Schluchtensystem des Nordens erkunden möchte, plant mindestens zwei bis drei Tage in Garafía ein.
Der Puerto de Garafía
Am Ende der Schlucht, wo der Barranco Fagundo das Meer erreicht, liegt der alte Hafen Puerto de Garafía – ein Ort von fast surrealer Abgeschiedenheit. Früher wurden hier Bananen und andere Produkte auf Schiffe verladen; heute ist der Puerto ein stilles Ende der Welt, das nur wenige Besucher kennen. Die Anfahrt ist abenteuerlich und erfordert ein geländetaugliches Fahrzeug. Belohnung: Wilde Atlantikküste ohne einen einzigen anderen Menschen.

Unterkunft in Garafía
In Garafía gibt es auf Clariso.eu eine kleine, aber feine Auswahl an Ferienhäusern. Drei Häuser sind verfügbar – kleine Fincas, eingebettet in die Natur des wilden Nordens. Wer wirklich abschalten und die ursprünglichste Seite La Palmas erleben möchte, übernachtet in Garafía.
Insider-Tipp: Übernachten in Garafía – nur 3 Clariso-Häuser, aber von der Abgeschiedenheit her einmalig. Camu Camu Restaurant in Las Tricias (Do–So) für kanarische Küche mit Ziegenkäse und Aussicht auf den Atlantik.
Garafía im Jahresverlauf
Garafía ist eine Gemeinde, die jeden Monat anders aussieht. Im Januar und Februar blühen die Mandeln – La Palma hat kein so spektakuläres Mandelblütenfest wie Gran Canaria, aber in Garafía findet die Blüte in einer Landschaft statt, die den Vergleich nicht scheut. Im März und April kommt die Tajinaste-Blüte in den Hochlagen. Im Sommer ist das Licht golden und die Luft klar. Im Herbst beginnen die Traubenernten in den kleinen Weinbergen.
Für alle, die Garafía als Basis nutzen wollen, bietet Clariso.eu die einzigen buchbaren Privatunterkünfte in dieser Gemeinde. Das Angebot ist mit drei Häusern klein, aber wer die Abgeschiedenheit sucht, wird hier fündig. Der Rest der La-Palma-Touristen bleibt an der West- und Ostküste – Garafía gehört denen, die kommen.
Fazit: Barranco Fagundo
Der Barranco Fagundo bei El Tablado ist ein Erlebnis für alle, die La Palma jenseits der bekannten Touristenpfade suchen. Der Mirador gibt den dramatischen Ausblick auch ohne Wanderung – der Abstieg in die Schlucht ist für Entschlossene einer der unvergesslichsten Wege im wilden Norden der Insel.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


