Barranco de las Angustias – Die Schlucht, die alles auffängt

Schon der Name macht klar, dass man hier nicht spazieren geht. Barranco de las Angustias – die Schlucht der Todesängste – ist der einzige natürliche Abfluss der Caldera de Taburiente: ein enger, schattenreicher Einschnitt in den Westrand der Insel, durch den der Río Taburiente sein Wasser zum Meer trägt. Wer hier wandert, geht in das Innere La Palmas – durch Felsen, die sich über einem schließen, durch Wasser, das man überquert, durch Licht, das kaum noch durchdringt.

Felswände der Schlucht Barranco de las Angustias auf La Palma
Felswände der Schlucht Barranco de las Angustias auf La Palma

Der Eingang zur Caldera von unten

Während La Cumbrecita und Los Brecitos den Nationalpark von oben erschließen, bietet der Barranco de las Angustias den Zugang von unten: vom Meeresspiegel aus, durch das enge Schlundtal des Flusses hindurch, immer tiefer ins Innere der Caldera. Die Wanderung beginnt am Wanderparkplatz an der LP-3, wenige Kilometer westlich von Los Llanos de Aridane, und führt rund 12 Kilometer bis in den Kern des Parks.

Der Río Taburiente

Der Río Taburiente ist einer der wenigen dauerhaft wasserführenden Flüsse der Kanarischen Inseln. Er entspringt aus den Quellen der Caldera, nimmt auf seinem Weg mehrere Bäche auf und fließt durch den Barranco de las Angustias zum Meer. Auf der Wanderung quert man ihn mehrfach – an manchen Stellen knöcheltief, an anderen kniehoch, je nach Jahreszeit. Wasserfeste Schuhe sind kein Luxus, sondern Pflicht.

Der Río Taburiente – einer der wenigen dauerhaft wasserführenden Bachläufe im Nationalpark La Palma.
Der Río Taburiente – einer der wenigen dauerhaft wasserführenden Bachläufe im Nationalpark La Palma.

Geologie der Schlucht

Was den Barranco de las Angustias für Geologen besonders wertvoll macht, ist die Exposition der ältesten Schichten La Palmas. Die Schlucht schneidet tief in das submarine Basament der Insel – jene Gesteine, die einst unter dem Meeresspiegel lagen, als La Palma noch wuchs. Die spektakulären Kissenlava-Formationen in der Schlucht sind solche submarinen Gesteine: runde, polsterartige Basaltblasen, die entstehen, wenn Lava unter Wasser erstarrt.

Barranco de las Angustias – tief eingeschnittene Schlucht als einziger Abfluss der Caldera de Taburiente
Barranco de las Angustias – tief eingeschnittene Schlucht als einziger Abfluss der Caldera de Taburiente

An den Wänden der Schlucht sieht man außerdem Basalt-Dykes: senkrechte Gänge aus dunklem, dichtem Gestein, die durch die älteren Schichten durchbrechen. Sie markieren alte Aufstiegswege der Lava und geben dem Fels sein charakteristisches Streifenmuster.

Sicherheitshinweis:

Der Barranco de las Angustias ist bei Regen GESPERRT – ohne Ausnahme. Bei Regen auf den Caldera-Höhen kann der Fluss innerhalb von Minuten anschwellen und die Schlucht zur Todesfalle werden. Den Wetterbericht für die Caldera prüfen, bevor man einsteigt.

Was man auf dem Weg sieht

Die Flora in der Schlucht ist außergewöhnlich: Drachenbäume klammern sich an die Felswände, Lorbeer und Til neigen sich über das Wasser, und an besonnten Stellen wachsen Wolfsmilch-Arten, die aussehen wie aus einem anderen Zeitalter. An ruhigen Stellen des Flusses sind kleine Erlen und Weidenbüsche heimisch – eine grüne Oase inmitten von dunklem Basaltgestein.

Río Taburiente – klarer Bachlauf im Herzen des Nationalparks Caldera de Taburiente
Río Taburiente – klarer Bachlauf im Herzen des Nationalparks Caldera de Taburiente

Besucherinformationen

Wanderweg: PR LP 13

Länge: ca. 12 km (einfach)

Schwierigkeit: mittel bis schwer (Flussdurchquerungen)

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz an der LP-3 westlich Los Llanos de Aridane

Bedingung: NUR bei trockenem Wetter – gesperrt bei Regen

Ausrüstung: Wasserfeste Schuhe, 2 L Wasser, Sonnenschutz

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man den Barranco de las Angustias das ganze Jahr gehen?

Theoretisch ja – praktisch ist der Weg bei und nach Regen gesperrt oder gefährlich. Im Sommer (Juli bis September) sind die Bedingungen am verlässlichsten. Im Winter und Frühjahr unbedingt Wetterbericht prüfen.

Führt der Weg bis zur Playa de Taburiente?

Ja – die vollständige Route führt bis ins Innere der Caldera. Der Weg ist allerdings lang und erfordert mehrere Flussdurchquerungen. Viele Wanderer gehen nur die ersten Kilometer bis zu den eindrucksvollsten Schluchtpassagen und kehren dann um.

Gibt es entlang des Weges Einkehrmöglichkeiten?

Nein – im Nationalpark und in der Schlucht gibt es keine Gastronomie. Ausreichend Wasser und Verpflegung für den gesamten Tag mitbringen.

Wie gefährlich ist der Barranco de las Angustias wirklich?

Bei trockenem Wetter ist er eine anspruchsvolle, aber machbare Wanderung für geübte Berggeher. Das Risiko liegt nicht im Weg selbst, sondern im Wetter: Bei Regen auf den Caldera-Höhen kann der Río Taburiente in Minuten anschwellen – und in der engen Schlucht gibt es keinen Ausweg. Vor jeder Begehung Wettervorhersage für die Hochlagen prüfen, nicht nur für die Küste.

Wie oft muss man den Fluss queren?

Mehrfach – die genaue Anzahl variiert je nach Wasserstand und gewählter Route, liegt aber typischerweise im einstelligen Bereich. An ruhigen Sommertagen sind viele Stellen knöcheltief, nach Regen oder im Winter können dieselben Stellen deutlich tiefer sein. Wer mit trockenen Schuhen in die Schlucht geht, kommt nicht mit trockenen Schuhen heraus.

Wie funktioniert das Taxi-Shuttle nach Los Brecitos?

Von Los Llanos de Aridane oder direkt am Parkplatz La Viña lassen sich Taxis für die Fahrt hinauf nach Los Brecitos organisieren. Am besten frühzeitig buchen – vor allem in der Hauptsaison. Die Fahrt ist kurz, spart aber den kompletten Rückaufstieg durch die Schlucht und macht die Wanderung deutlich entspannter.

Brauche ich eine Genehmigung für die Wanderung?

Für den unteren Teil des Barranco (bis zum Nationalpark-Eingang) ist keine Genehmigung nötig. Für Übernachtungen im Nationalpark – zum Beispiel auf dem Campingplatz Playa de Taburiente – ist eine Reservierung beim Nationalpark-Besucherzentrum erforderlich. Tagesbesucher können frei einsteigen, sofern die Schlucht nicht wegen Regen gesperrt ist.

Die submarinen Kissenlava-Formationen

Eine der faszinierendsten geologischen Besonderheiten des Barranco de las Angustias sind die submarinen Kissenlava-Formationen, die an mehreren Stellen der Schlucht sichtbar sind. Diese runden, polsterartigen Basaltblasen entstehen, wenn flüssige Lava unter Wasser erstarrt: Die äußere Schicht kühlt sofort ab und bildet eine harte Schale, während das Innere noch fließfähig ist und sich ausweitet. Das Ergebnis sind diese typischen Kissenformen, oft im Größenbereich eines Menschenkopfs bis hin zu Körbergröße.

Kissenlava im Barranco de las Angustias – Zeugnis der unterseeischen Entstehung La Palmas
Kissenlava im Barranco de las Angustias – Zeugnis der unterseeischen Entstehung La Palmas

Diese Gesteine sind die ältesten sichtbaren Gesteine La Palmas – sie entstanden, als die Insel noch ein untermeerischer Vulkan war und sich aus dem Atlantikboden aufzuwölben begann. Wer sie in der Schlucht berührt, berührt buchstäblich das Fundament der Insel.

Flora der Angustias-Schlucht

Die Vegetation der Angustias-Schlucht ist eine Mischung aus verschiedenen Höhen- und Feuchtigkeitszonen. Am unteren Ende, nahe dem Meer, wachsen Wolfsmilch-Sukkulenten und Drachenbäume (Dracaena draco) in den Felswänden. Weiter oben, wo die Schlucht feuchter und enger wird, dominieren Lorbeer, Til und Baumheide. An den dauerfeuchten Wasserläufen wachsen Schilf, Wasserminze und seltene Farne, die in anderen Teilen der Insel nicht zu finden sind.

Aeonium nobile – seltene, nur auf La Palma heimische Sukkulente mit eindrucksvoller Blüte.
Aeonium nobile – seltene, nur auf La Palma heimische Sukkulente mit eindrucksvoller Blüte.

Die bekannteste Pflanze der Schlucht ist der Drachenbaum. La Palma beheimatet einige der eindrucksvollsten wilden Drachenbäume der Kanaren – Exemplare, die hundert Jahre alt oder älter sein können und deren vielästiges Kronendach weithin sichtbar ist. In der Angustias-Schlucht findet man sie an den senkrechten Felswänden, wo sie sich mit ihren Wurzeln in die Risse klammern.

Wann der Barranco am eindrucksvollsten ist

Die Bedingungen im Barranco de las Angustias variieren je nach Jahreszeit stark. Im Sommer ist der Río Taburiente ruhiger und die Flussdurchquerungen weniger abenteuerlich – ideal für Einsteiger. Im Spätherbst und Winter kann der Fluss kräftig führen; die Schlucht ist dann eindrucksvoller, aber auch anspruchsvoller. Nie nach starkem Regen – dann ist die Schlucht lebensgefährlich.

Zufluss und Wasserfall im Barranco de las Angustias – Wasser in der Tiefe des Nationalparks
Zufluss und Wasserfall im Barranco de las Angustias – Wasser in der Tiefe des Nationalparks

Ferienhaus mieten in El Paso

El Paso ist der nächstgelegene Ort zum Eingang des Barranco de las Angustias und ideal als Basis für alle Caldera-Ausflüge. Auf Clariso.eu gibt es geprüfte Ferienhäuser und Fincas in El Paso – viele mit Blick auf die Berge und in Wanderdistanz zu den Caldera-Zugängen. Wer morgens früh in die Schlucht will, übernachtet am besten in El Paso.

Unterkunfts-Tipp: El Paso liegt direkt zwischen Los Llanos de Aridane und der Caldera – ideale Basis für alle, die mehrere Caldera-Ausflüge planen. Clariso.eu bietet eine gute Auswahl an Häusern in der Gemeinde El Paso.

Angustias als Teil des Nationalparks

Der Barranco de las Angustias ist der einzige Auslass des Nationalparks Caldera de Taburiente: Das gesamte Wasser, das auf den Hängen der Caldera fällt, sammelt sich hier und fließt zum Meer. Diese Funktion macht die Schlucht nicht nur geologisch, sondern auch ökologisch einzigartig: Sie ist die Lebensader des Nationalparks, der Weg, auf dem das Wasser die Insel verlässt. Ohne die Angustias gäbe es die Caldera nicht – zumindest nicht in ihrer heutigen Form.

Cascada de Colores – mineralreiches Farbenspiel im Nationalpark Caldera de Taburiente
Cascada de Colores – mineralreiches Farbenspiel im Nationalpark Caldera de Taburiente

Für Nationalpark-Besucher, die die Caldera von La Cumbrecita oder Los Brecitos aus kennen, ist der Abstieg durch die Angustias ein vollkommen anderes Erlebnis desselben Naturraums: Statt des Blicks von oben in die Tiefe kommt man von unten und erlebt die Caldera von innen heraus. Die beiden Zugänge ergänzen sich ideal – wer beide kennt, kennt den Nationalpark von zwei völlig verschiedenen Perspektiven.

Fazit: Barranco de las Angustias

Der Barranco de las Angustias ist der dramatischste Einstieg in den Nationalpark Caldera de Taburiente – von unten, durch Wasser und Fels, vorbei an submarinen Kissenlava-Formationen und Basalt-Dykes. Nur bei trockenem Wetter und mit wasserfesten Schuhen. Für alle, die La Palma im Innersten erleben wollen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026

www.sunhikes.com