Tajogaite – Wo La Palma noch dampft
Am 19. September 2021 öffnete die Erde an der Cumbre Vieja einen Riss. Was folgte, waren 85 Tage Feuer, Lava und Asche – der erste Vulkanausbruch auf La Palma seit 1971, der erste, den die ganze Welt in Echtzeit verfolgte. Seitdem heißt dieser Vulkan Tajogaite – und das Lavafeld, das er hinterließ, ist eines der faszinierendsten und bewegendsten Naturschauspiele der Kanarischen Inseln.

Was der Ausbruch hinterließ
Der Tajogaite bedeckte rund 1.219 Hektar der Westküste La Palmas mit Lava, zerstörte über 3.000 Gebäude und schuf gleichzeitig 49 Hektar neues Land, das ins Meer geflossen und erstarrt ist – ein Delta aus schwarzem Vulkangestein, an dem heute noch niemand sicher vorübergeht, ohne innezuhalten. Das neu entstandene Lava-Delta ist von der Küstenstraße und von mehreren Aussichtspunkten aus sichtbar: ein Streifen schwarzes Gestein, hinter dem der Atlantik auf etwas stößt, das noch kein Jahrzehnt alt ist.

Der Ausbruch dauerte vom 19. September bis zum 13. Dezember 2021 – 85 Tage, länger als jeder andere historische Vulkanausbruch auf La Palma. Rund 7.000 Menschen mussten evakuiert werden. Die Bilder des langsam fließenden Lavastroms, der Häuser, Plantagen und Straßen unter sich begrub, gingen um die Welt. Was blieb, ist ein Lavafeld von atemberaubender Schönheit und bedrückender Stille.
Die wichtigsten Aussichtspunkte
Mirador de Las Hoyas
Vom Mirador de Las Hoyas oberhalb von Los Llanos de Aridane öffnet sich der wohl eindrucksvollste Blick auf das Lavafeld und das neue Küstengelände. Die schwarze Fläche, die sich vom Berghang bis ins Meer zieht, macht das Ausmaß des Ausbruchs auf einen Blick verständlich. Früh morgens – wenn das erste Licht auf dem erkalteten Lavagestein liegt – ist die Stimmung kaum zu überbieten.

Aussichtsplattform bei Tajuya
Entlang der LP-211 und der Küstenstraße im Bereich der ehemaligen Orte Todoque und Las Manchas gibt es weitere Haltepunkte mit Sicht auf die Lava. Informationstafeln erklären den Verlauf des Ausbruchs und markieren, wo einst Häuser, Schulen und Straßen standen – Zeugnisse einer Katastrophe, die gleichzeitig ein Naturwunder war.
Der Weg durch die Lava
Zwischen Tajuya und Jedey führt ein gut markierter Weg durch Teile des erkalteten Lavafeldes. Der Spaziergang über erkaltete Lavabrocken – eine Kombination aus Mondlandschaft und geologischem Freiluftmuseum – dauert je nach Route 1–2 Stunden. Das Gelände ist uneben, scharfkantig und stellt andere Anforderungen als normale Wanderwege: festes Schuhwerk mit stabiler Sohle ist keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit.
Eine Wanderung in der Kern-Sperrzone ist ausschließlich mit einem zertifizierten Guide erlaubt und ansonsten verboten, da weiterhin Lebensgefahr besteht. Außerhalb der Sperrzone gibt es jedoch offizielle Wanderwege, von denen aus man die Lava aus sicherer Entfernung betrachten kann.
Sicherheit im Lavafeld:
Nur markierte Wege betreten. Das Gelände außerhalb der ausgeschilderten Bereiche kann instabil oder mit erhöhten Gaskonzentrationen (CO₂, SO₂) belastet sein. Aktuelle Infos beim lokalen Tourismusbüro Los Llanos de Aridane einholen.
Puerto Naos und La Bombilla – aktueller Stand
Die früheren Badeorte Puerto Naos und La Bombilla waren nach dem Ausbruch wegen erhöhter CO₂- und SO₂-Konzentrationen jahrelang gesperrt. Seit 2025/2026 sind beide Ortschaften wieder weitgehend zugänglich – mit Gassensoren zur Überwachung der Luftqualität. Einzelne Bereiche können weiterhin zeitweise gesperrt sein. Aktuelle Informationen beim Rathaus von Los Llanos de Aridane einholen.

Geführte Touren durch das Lavafeld
Geführte Touren geben dem Besuch Kontext, den man alleine schwer findet. Lokale Guides erklären die Geologie, zeigen Stellen, an denen noch Gasaktivität messbar ist, und bringen Geschichten der betroffenen Familien mit. GetYourGuide bietet eine Auswahl geprüfter Tajogaite-Touren: Tajogaite-Touren auf GetYourGuide
| Mirador de Las Hoyas | LP-1 zwischen Los Llanos und Puerto Naos, ausgeschildert |
|---|---|
| Wanderweg Tajuya–Jedey | Parkplatz an der LP-213, festes Schuhwerk Pflicht |
| Sperrinfos aktuell | Ayuntamiento Los Llanos de Aridane, Tel.: +34 922 46 05 00 |
| Anfahrt | LP-1 ab Los Llanos Richtung Puerto Naos |
| Empfohlene Dauer | 3–5 Stunden für Mirador + Lavaweg |
| Geführte Touren | über GetYourGuide buchbar |
Praktische Tipps für den Besuch des Tajogaite-Lavafelds
Die richtige Ausrüstung macht den Unterschied
Das junge Vulkanfeld des Tajogaite ist kein gewöhnlicher Spazierweg. Die feine Vulkanasche gibt bei jedem Schritt nach, sodass man stellenweise mehrere Zentimeter einsinkt. Hohe Wanderschuhe mit gutem Halt sind deshalb deutlich angenehmer als leichte Freizeitschuhe. Gamaschen können zusätzlich verhindern, dass feiner Vulkansand in die Schuhe gelangt.
Da die frische Lava- und Aschelandschaft kaum natürlichen Schatten bietet, gehören Sonnenschutz, ausreichend Wasser und eine winddichte Jacke ins Gepäck. Der Wind kann auf den offenen Flächen überraschend kräftig sein.
Aussicht auch ohne Wanderung genießen
Wer nicht an einer geführten Tour teilnehmen möchte oder das anspruchsvolle Gelände vermeiden will, kann das Tajogaite-Gebiet auch von verschiedenen Aussichtspunkten erleben. Besonders schöne Blicke bieten unter anderem die Plaza de Tajuya in El Paso, der Mirador del Time sowie das Besucherzentrum Caños de Fuego bei Las Manchas.
Die neuen Vulkanlandschaften vom Meer aus sehen
Eine ganz andere Perspektive bieten Bootsausflüge ab Tazacorte. Vom Atlantik aus lässt sich die neu entstandene Küstenlinie mit den jungen Lavadeltas (Fajanas) betrachten – ein eindrucksvoller Blick auf die Kraft des Vulkanismus und die Veränderungen, die der Ausbruch hinterlassen hat.
Sicherheitshinweis: Respekt vor einer jungen Vulkanlandschaft
Auch wenn die Lavafelder faszinierend wirken, handelt es sich um eine noch sehr junge und empfindliche Landschaft. Wege und Absperrungen sollten eingehalten werden, da lose Aschehänge, scharfkantige Lavablöcke und instabile Bereiche ein echtes Verletzungsrisiko darstellen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann man das Tajogaite-Lavafeld auf eigene Faust betreten?
Ist Puerto Naos wieder geöffnet?
Wie kommt man zum Lavafeld des Tajogaite?
Warum heißt der Vulkan Tajogaite und nicht Cumbre Vieja?
Welche Schuhe brauche ich für das Lavafeld?
Gibt es Schatten auf dem Lavafeld?
Kann man den Tajogaite auch sehen, ohne zu wandern?
Was macht den Tajogaite so besonders?
Die Chronologie des Ausbruchs
Der Tajogaite-Ausbruch begann am 19. September 2021 um 15:12 Uhr Ortszeit mit einem Erdbeben der Stärke 3,8 – dem stärksten einer langen Schwarmbeben-Serie, die in den Wochen zuvor immer intensiver geworden war. Wenige Minuten später öffnete sich in der Nähe von El Paraíso ein erster Riss in der Erde. Lava strömte aus. Mehr als 7.000 Bewohner wurden in den folgenden Stunden evakuiert.

85 Tage lang war der Ausbruch aktiv. Die Lavaströme bewegten sich in zwei Hauptarmen zur Küste und begruben auf ihrem Weg alles, was sie trafen: Häuser, Bananenplantagen, Straßen, eine Kirche, eine Schule. Am 13. Dezember 2021 erlosch der Vulkan so abrupt, wie er begonnen hatte. Was blieb, war ein 1.219 Hektar großes Lavafeld, ein 49 Hektar großes neues Delta im Meer und die Erinnerung an eine Katastrophe, die gleichzeitig ein Naturwunder war.

Wiederaufbau und Resilienz
La Palma hat nach dem Ausbruch eine bemerkenswerte Resilienz gezeigt. Innerhalb weniger Monate wurden neue Straßen durch das Lavafeld gebaut, die evakuierten Bewohner begannen mit dem Wiederaufbau. Touristisch ist La Palma seit 2022 wieder voll zugänglich – mit dem Lavafeld als neuem, einzigartigem Anziehungspunkt. Viele der früheren Bewohner von Puerto Naos und La Bombilla kehren sukzessive zurück.

Das Lavafeld selbst verändert sich schnell: Erste Pionierplanzen – vor allem das resistente Malpais-Kraut – haben bereits begonnen, die schwarzen Flächen zu besiedeln. Wo im Dezember 2021 noch glühende Lava floss, wächst heute zarter Bewuchs. In einigen Jahrzehnten wird das Lavafeld wie alle anderen Vulkangebiete La Palmas mit Vegetation bedeckt sein – ein langsamer, stetiger Prozess, den man heute noch in seinem Anfangsstadium beobachten kann.
Ferienhaus mieten im Westen La Palmas
Wer das Lavafeld ausgiebig erkunden möchte, übernachtet am besten in Los Llanos de Aridane – der größten Stadt La Palmas im Westen und idealer Ausgangspunkt für Ausflüge ins Lavagebiet, zu den Stränden und in die Bergregionen. Auf Clariso.eu gibt es eine große Auswahl an Ferienhäusern und Fincas in Los Llanos und Tazacorte, direkt an der Westküste.
Unterkunfts-Tipp: Los Llanos de Aridane und Tazacorte liegen nahe am Lavafeld und bieten Zugang zu den besten Stränden der Westküste. Clariso hat hier die größte Auswahl an geprüften Ferienhäusern auf La Palma.
Naturregeneration im Lavafeld
Was auf den ersten Blick wie totes, schwarzes Gestein wirkt, ist in Wirklichkeit ein lebendiges Labor der Naturregeneration. Bereits wenige Jahre nach dem Tajogaite-Ausbruch haben Pionierplanzen begonnen, die erstarrte Lava zu besiedeln: Zunächst kleine Moose und Flechten, dann das resistente Tabaibas und Cardón – kanarische Wolfsmilch-Pflanzen, die als erste Besiedler auf frischen Lavafeldern bekannt sind.

Auf den älteren La-Palma-Lavafeldern – etwa dem Malpais de Todoque aus dem Ausbruch von 1949 – sieht man, wie weit dieser Prozess in 70 Jahren gehen kann: ein vollständig von Vegetation bewachsenes Lavafeld, kaum noch als solches erkennbar. Der Tajogaite wird in einigen Jahrzehnten genauso aussehen.
Unterkunft an der Westküste
Die Westküste La Palmas rund um Tazacorte und Los Llanos de Aridane ist die sonnigste und touristisch erschlossenste Zone der Insel. Hier findet man die meisten Ferienhäuser und Fincas in Meernähe – mit Blick auf den Atlantik und schnellem Zugang zum Lavafeld. Auf Clariso.eu gibt es Unterkünfte in Tazacorte und Los Llanos de Aridane; Tazacorte bietet besonders schöne Meerblick-Lagen.
Unterkunfts-Tipp Westküste: Tazacorte und Los Llanos de Aridane haben die größte Clariso-Auswahl auf La Palma. Ideal für alle, die das Lavafeld, die Weststrände und die Caldera in einem Urlaub kombinieren möchten.
Zum Nachdenken – ein Ort der zwei Seiten
Das Lavafeld des Tajogaite ist einer der wenigen Orte auf La Palma, der sowohl fasziniert als auch nachdenklich macht. Man steht auf dem, was von Häusern übrig ist, auf Straßen, die nicht mehr existieren, inmitten einer Landschaft, die in 85 Tagen von Grund auf neu entstanden ist. Gleichzeitig ist es ein Ort von einer brutalen, schwarzen Schönheit – und ein Beweis dafür, dass La Palma nicht fertig ist.
Fazit: Vulkan Tajogaite
Der Tajogaite ist nicht nur ein Ausflugsziel – er ist ein Zeugnis. Wer das Lavafeld besucht, steht auf einem der jüngsten Stücke Erde der Welt und versteht La Palma als das, was es ist: eine Insel, die noch im Entstehen begriffen ist. Festes Schuhwerk, aktuellen Informationsstand prüfen – und für die Zusammenhänge eine geführte Tour buchen.
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com. Stand: Mai 2026


